Der Weintipp
Kellerei mal anders
Während Weingüter hauptsächlich Trauben aus eigenen oder gepachteten Weinbergen verarbeiten, besitzen Kellereien meist keine Weinberge. Sie kaufen Trauben oder Wein zu und füllen in der Regel erheblich mehr Flaschen ab als die Weingüter. Deren höheres Ansehen liegt daran, dass sie mehr hochwertige Weine anbieten, während die großen Kellereien vor allem Supermärkte beliefern.
Das muss aber alles nicht so sein. Martin Hochdörffer hat 2016 in Albersweiler ein altes Kellereigebäude gekauft und verwirklicht dort mit guten Ideen, aber ohne eigene Weinberge ein „alternatives“ Kellereikonzept mit drei Säulen: Er füllt nicht mehr Flaschen unter eigenem Namen ab als viele Weingüter, verarbeitet Trauben für andere Kellereien und erzeugt Weine für andere Weingüter.
Das Konzept: eigene Interpretationen
Einfach ist das Gründen im Weinsektor nicht. Es gehört Mut und unternehmerisches Geschick dazu, ohne Weinberge und ohne familieneigenes Betriebsgebäude einen eigenen Weinbaubetrieb aufzubauen. Der gelernte Weinbautechniker kennt das Weinmachen von der Pike auf, zuerst vom elterlichen Weingut in Nußdorf, das sein Bruder führt, dann durch die Lehrjahre, schließlich durch Aufenthalte in Spanien und Südafrika. Hinter seinen eigenen Weinen steht erkennbar ein Konzept: eigene Interpretation der Pfälzer Traubenpalette, viel Ausbau im Holzfass, alle Preise zwischen 5 und 10 Euro – ausgenommen edelsüße Spezialitäten.
Die Trauben kann er in der ganzen Pfalz aussuchen. Neben Rebsortenweinen, die er manchmal, etwa beim Riesling, ein wenig anders ausbaut als in der Pfalz üblich, gibt es Cuvées mit Fantasienamen wie Wombatz oder Linemops. Der ausgezeichnete „Fidibus“ vereinigt in sich für kleines Geld die ganze Besonderheit der weißen Pinotfamilie. Aus Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay entsteht ein Wein mit Melonen- und Birnenduft sowie feiner, kleiner Vanillenote. Seine cremige Mundfülle mit schönem Säurefinale macht ihn zum perfekten Essensbegleiter.
Der Wein
2019 „Fidibus“, Weinhaus Franz Hahn, Albersweiler, Telefon 06345/3421, www.weinhaus-franzhahn.de, 6,50 Euro ab Weinhaus.