Kreis Südliche Weinstraße Keine Arbeit, keine Liebe

Placeholder-Image

In weniger als einem halben Jahr hat ein 28-Jähriger aus Bad Bergzabern nicht nur seine Arbeit und Freunde verloren. Bei der Polizei erwarb er sich wegen wüster Beschimpfungen und brutalen Widerstands in ebenso kurzer Zeit einen zweifelhaften Ruf. Gestern lief der zweite Verhandlungstag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Landau.

Als Gefahr für die Gesellschaft wurde der Angeklagte mithilfe von Sondereinsatzkräften festgenommen und in die geschlossene Abteilung der Pfalzklinik gebracht. Jetzt muss er sich wegen zahlreicher Straftaten, darunter gefährliche Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung sowie Störung des öffentlichen Friedens, verantworten. Und zwar in einem Sicherungsverfahren, das voraussichtlich die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt zum Ziel hat. Die Richter gehen davon aus, dass der 28-Jährige wegen einer psychischen Krankheit nicht schuldfähig sein könnte. „Wir waren nicht nur Kollegen, sondern auch privat ziemlich dicke Freunde“, erinnerte sich ein 23-Jähriger. Sie lernten sich kennen, als der Beschuldigte eine Arbeit in der Event-Agentur aufnahm, in der der Zeuge Azubi war. Es lief gut bis Januar, als der 28-Jährige wegen Drogenbesitzes seinen Führerschein verlor und saisonbedingt auf Kurzarbeit gesetzt wurde. Hinzu kam, dass er sich in eine 18-jährige Freundin der Mitbewohnerin des Azubis verliebt hatte. „Er hat sich zusammengereimt, dass ich was mit dem Mädchen habe“, berichtete der Zeuge von eifersüchtigen Nachrichten und Todesdrohungen. Der Freund sei immer aggressiver geworden und es drohte, in Prügeleien zu eskalieren. Der Azubi brach den Kontakt ab. Zum Faschingsumzug in Gleisweiler-Oberhofen verkleidete sich der Beschuldigte als Bierflasche und präsentierte sich lautstark zwischen den Wagen. Ein junger Karnevalist auf einem Traktor rief ihn zur Ordnung und bekam den „Kronkorken der Bierflasche“, sprich ein Brotzeitbrett, nachgeworfen. Damit wurde der junge Mann so verletzt, dass Bauch und Rücken noch tagelang wehtaten. „Zu fünft haben wir sie auseinander bekommen“, sagte ein 17-jähriger Zeuge, der Hilfe leistete. Wenig später kam die Polizei und nahm die Personalien des Beschuldigten auf. Das dauerte ihm zu lange und er begann, die Beamten zu beschimpfen. Mit einem Mal riss er die beiden Polizisten zu Boden und biss sie in die Hand. „Er war wie von Sinnen“, sagte der junge Polizeikommissar. Der Mann sei vollkommen schmerzunempfindlich gewesen, habe nicht einmal auf das Pfefferspray reagiert, das sie einsetzen mussten. Beim Einsteigen schlug er mit seinem Kopf eine Delle ins Polizeiauto. Ein Feuerwehrmann und ein Besucher halfen den Polizisten, den Rasenden zu fesseln. Es folgte ein Aufenthalt im Pfalzklinikum, aus dem sich der 28-Jährige schon bald selbst wieder entließ. Es sei ihm gutgegangen, bestätigte sein Chef, Inhaber einer Event-Agentur. So bekam er wieder einen Minijob. Doch nach wenigen Wochen rastete er wieder aus. Zeugen dieses Geschehens in der Arbeitsagentur in Landau werden am Freitag vom Gericht angehört. Freunde und Kollegen sehen im Drogenkonsum des Beschuldigten den Hintergrund für dessen Aggressivität. Seit seinem 18. Lebensjahr kifft er. „Aber wer weiß, was er sich sonst noch einwirft“, mutmaßte sein einstiger Freund. Er kann sich vorstellen, wieder mit ihm befreundet zu sein, wenn neues Vertrauen aufgebaut werden kann. Auch der Chef sieht eine Zukunft für den 28-Jährigen in der bundesweit tätigen Event-Agentur. „Er ist ein guter Arbeiter und wenn er in Klingenmünster justiert wird, könnte er wieder bei uns anfangen“, lässt der 40-jährige Unternehmer den Beschuldigten nicht fallen. |mldh DOPPELTERZEILENUMBRUCH

x