Kreis Südliche Weinstraße Kein Ort für öffentliche Trauer

Tag eins nach den tödlichen Schüssen auf zehn Redakteure von Charlie Hebdo und zwei Polizisten in Paris. Zeinhom Haggag steht am Donnerstagmorgen vor der Redaktion der RHEINPFALZ in Bad Bergzabern und macht ein Selfie mit der Titelseite der RHEINPFALZ und dem Foto mit der Parole der Solidarität „Je suis Charlie“, die in diesen Tagen um die Welt geht. Das Foto hat er bei Google und Facebook eingestellt.
„Ich bin traurig“, sagt Zeinhom Haggag bei seinem Besuch in der Redaktion. Er ist durch sein kulturelles Engagement nach Deutschland gekommen. Der 62-Jährige ist ägyptischer Staatsbürger und muslimischen Glaubens, er lebt seit 1992 in Deutschland, seit 2006 in der Kurstadt. Der Ägyptologe und Journalist will sich erkundigen, ob es in Bad Bergzabern eine Möglichkeit gibt, seiner Trauer öffentlich Ausdruck zu verleihen. Zum Beispiel ein Kondolenzbuch. „Ich wollte meinem Mitgefühl Ausdruck verleihen und war enttäuscht, dass es dafür keinen Ort gibt“, sagt er. Die Reaktion von Verbandsbürgermeister Hermann Bohrer, den er deswegen aufgesucht habe, habe ihn enttäuscht. Er sei der Meinung gewesen, Bohrer sei für grenzüberschreitende Beziehungen zuständig. Bohrer habe ihm gesagt, dass er Chef der Verwaltung sei und er sich an Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig wenden solle. Dieser habe ihm gestern morgen mitgeteilt, dass eine Trauerbeflaggung angeordnet sei, so Haggag. Derzeit tausche er sich mit Freunden aus und bemerke, dass viele zurückhaltend auf die Ereignisse in Paris reagierten. „Solange wir Angst haben, wird es weitergehen. Ich habe keine Angst“, sagt er. Zeinhom Haggag ist 1953 In El Menoufia in Ägypten geboren und beginnt 1974 sein Archäologie- und Ägyptologiestudium in Kairo. Zudem absolviert er eine dreijährige Ausbildung am Landwirtschaftsinstitut in Kairo. 1982 beginnen seine Aufenthalte und Ausstellungen zum Thema pharaonisches Ägypten in Deutschland. 1990 gründet er in Karlsruhe das Aika, das für Ägyptisch-indische-Kunst- und Kulturvermittlung steht und das offiziell anerkannt wird. Deutschlandweite Vorträge und Ausstellungen folgen. Unter anderem schreibt er eine Arbeit über Max Slevogt und dessen Werk nach einer Ägypten-Reise. „Man muss aus der Vergangenheit lernen, mit mittelalterlichen Methoden kommen wir nicht weiter“, sagt er zur aktuellen Situation in Frankreich und zu den Anfeindungen gegen den Islam. Äußerungen könne man nicht verbieten, aber man müsse die Ursachen bekämpfen, ist seine Meinung. „Die Ursachen liegen in der Verständigung untereinander, es gibt zu wenig Wissen, selbst die Politiker befassen sich oft zu wenig mit den Themen“, sagt Haggag. Er hätte sich eine Reaktion der grenznahen Stadt Bad Bergzabern auf die Ereignisse gewünscht. Jetzt versucht er, seiner Betroffenheit und seinem Mitgefühl mit den Mitteln Ausdruck zu verleihen, die ihm als Privatperson zur Verfügung stehen. (pfn)