Annweiler / Speyer
Kampf vergebens: Kirche stößt Trifelsgymnasium ab
„Wir haben Mut und Hoffnung“, sagt Monika Doppler-Meyer am Donnerstagmorgen im Foyer der Eventhalle am Technik Museum in Speyer. Die Elternsprecherin des Trifelsgymnasiums und ihre Mitstreiter denken nicht daran, aufzugeben. Wie schon so häufig in den vergangenen zwölf Monaten zeigt die Schulgemeinschaft vom Annweilerer Bannenberg auch bei der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz Flagge. Eine etwa 40-köpfige Gruppe ist von der Trifelsstadt in die Domstadt gereist.
Mit Plakaten bringen sie ihren sehnlichsten Wunsch zum Ausdruck: Die Kirche soll die Trägerschaft der Schule behalten. Diese Botschaft geben sie den Synodalen, also den Abgeordneten, die an diesem Tag darüber zu entscheiden haben, mit auf den Weg in den Sitzungssaal. Die Anspannung können die Mitglieder der Südpfälzer Reisegruppe nicht verbergen. Doch sie strahlen die angesprochene Hoffnung aus, hier und da huscht dem einen oder anderen ein Lachen übers Gesicht.
Nach der Abstimmung fließen Tränen
Vier Stunden später ist die Gemütslage eine gänzlich andere. Die Hoffnung ist zerbrochen, der Mut ist dahin. Es fließen Tränen. Die Blicke der Schüler, Eltern und Beschäftigten des Trifelsgymnasiums bringen alle nur denkbaren negativen Emotionen zum Ausdruck – Enttäuschung, Trauer, Wut, Ratlosigkeit. Es braucht keine Worte, um zu verstehen, dass die Herzen der aus Annweiler Angereisten gerade gebrochen worden sind.
Verwunderlich sind diese Szenen nicht. Denn in den Stunden zwischen der hoffnungsfrohen Ankunft in Speyer und der traurigen Abreise hat die Landessynode mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Landeskirche die Trägerschaft des Trifelsgymnasiums abgeben wird. „Die Landessynode beauftragt den Landeskirchenrat, Verhandlungen zur Übergabe des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler in staatliche Trägerschaft mit dem Ziel aufzunehmen beziehungsweise fortzuführen, einen Betriebsübergang zum Beginn des Schuljahres 2027/28 zu erreichen“, lautet die Beschlussvorlage, der 40 Synodale zustimmen. Gegenstimmen gibt es lediglich elf, drei Stimmberechtigte enthalten sich.
Trotz Einsparungen bleibt ein Defizit
Grund für diese Entscheidung ist ein harter Sparkurs, dem sich die Evangelische Kirche der Pfalz verschrieben hat. Bis zum Jahr 2035 sollen mindestens 60 Millionen Euro eingespart werden. Schon vor einem Jahr stand die kirchliche Trägerschaft des Trifelsgymnasiums deshalb auf der Kippe. Damals gewährte die Landessynode aber noch einmal eine Galgenfrist. Bis spätestens 2026 sollte ein Konzept ausgearbeitet werden, wie die Schule für die Kirche kostenneutral betrieben werden kann.
Der Landeskirchenrat führte viele Gespräche. Außerdem wurde eine Taskforce eingerichtet, in der unter anderem Schulleitung, Mitarbeitervertretung, Schulelternbeirat, Schüler, Dekanat und Vertreter der Landessynode nach Lösungsansätzen suchen sollten. Die Ergebnisse der Bemühungen sind durchaus beachtlich: Rund eine Million Euro an Einsparungen konnten erreicht werden. Ein Defizit bleibt damit allerdings immer noch.
Strahlkraft der Schule löst finanzielle Probleme nicht
Oberkirchenrat Claus Müller beziffert den Zuschussbedarf der Kirche auf bis zu 1,5 Millionen Euro jährlich. „Wenn wir den Beschluss aus 2025 ernst nehmen, ist die Aufgabe der Trägerschaft zwar schmerzlich, aber der konsequente nächste Schritt“, lautet sein Resümee. Auch wenn er anerkennt, dass es falsch sei, das Trifelsgymnasium nur unter finanziellen Aspekten zu betrachten. „Die Strahlkraft beantwortet aber nicht die finanziellen Fragen.“
Dass unter dem Strich trotz aller Bemühungen ein Defizit bleibt, zweifelt auch Volker Janke, Dekan im Kirchenbezirk Landau, nicht an. Er ist allerdings der Überzeugung, dass der Zuschuss der Kirche 500.000 Euro nicht überschreiten wird. Ohnehin stünde eine mögliche Einsparung für die Kirche durch die Aufgabe der Trägerschaft in keinem Verhältnis zu den ideellen Folgekosten, sagt er in seinem Statement kurz vor der Abstimmung.
Landauer Dekan Janke spricht von „schwarzem Tag für die Landeskirche“
Nach dem Votum ist auch Janke erschüttert. „Das ist ein schwarzer Tag für die Landeskirche“, sagt er. Man ziehe sich freiwillig aus dem Bildungssektor zurück. „Die Enttäuschung ist groß.“ Das gilt auch für Schulleiter Steffen Jung. „Ich bin einfach nur leer“, sagt er im Anschluss an die Abstimmung. „Es ist ein Schock.“ Es müsse doch die Kirche sein, die mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. „Darauf verzichtet sie jetzt.“
Welche konkreten Auswirkungen der Rückzug der Kirche haben wird, ist für Jung noch nicht absehbar. Der Schulbetrieb läuft jedenfalls zunächst wie gehabt weiter. Das ist auch SÜW-Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) wichtig, wie er in einer ersten Reaktion erklärt. Wie es weitergeht, weiß auch er noch nicht. „Das Abstimmungsergebnis nehmen wir zur Kenntnis, über Dritte haben wir davon gehört. Die Kirche hat den Landkreis bisher nicht angefragt, um über ein Übertragen der Schulträgerschaft zu verhandeln.“
Auf die Schüler, Eltern, Lehrer und Angestellten des Trifelsgymnasiums wartet also eine ungewisse Zukunft. Elternsprecherin Doppler-Meyer beklagt „eine große Unsicherheit“. Schülersprecherin Paulina Martin gelingt es ganz am Ende dann immerhin, den Blick nach vorne zu richten. „Wir müssen jetzt das Beste daraus machen“, sagt sie – und in ihrer Stimme ist sogar schon wieder etwas Hoffnung und Mut zu erkennen.