Kreis Südliche Weinstraße Jetzt bleibt der Ofen aus

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Bad Bergzabern. Normalerweise ging es eher unterhaltsam zu in der Bäckerei und Konditorei Reiss in der Königstraße 12 in Bad Bergzabern. Doch morgen wird mit Sicherheit so manches Tränchen fließen, denn der Traditionsbetrieb öffnet zum letzten Mal, danach bleibt der Ofen in der Backstube erst einmal aus.

Rudolf und Gisela Reiss schließen ihre Bäckerei und Konditorei aus Altersgründen. Damit bestätigt sich der seit Jahren anhaltende Trend, wonach die Zahl der Betriebe von Handwerksbäckern immer mehr zurückgeht. Einige Betriebe haben Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger zu finden. So auch Bäcker- und Konditormeister Rudolf Reiss. Er hat das 73. Lebensjahr vollendet, seine Frau Gisela ist zwei Jahre jünger. „Die angeschlagene Gesundheit lässt es einfach nicht mehr zu, Nacht für Nacht und Tag für Tag in der Backstube auf den Beinen zu stehen“, gesteht Rudolf Reiss, der auf ein langes – und wie er selbst sagt – erfolgreiches Leben im Bäckerhandwerk zurückblickt. Genau 35 Jahre hat das Ehepaar die Bäckerei geführt. Der gebürtige Neustadter wagte 1979 in Bad Bergzabern den Weg in die Selbstständigkeit, wo er den Betrieb von Familie Scherer übernahm. Die Tradition der Bäckerhandwerksbetriebe in der Königstraße 12 reicht bei wechselnden Inhabern allerdings noch um einiges weiter zurück. In diesen 35 Jahren ist es Rudolf und Gisela Reiss gelungen, mit frischen Qualitätsbackwaren einen treuen Kundenstamm aufzubauen. Die Bäckerei Reiss ist ein Familienbetrieb. Tochter Stefanie Seiler steht seit Jahren täglich im Bäckerladen und steht ihrer Mutter zur Seite. Die Tochter Natalie Klein, von Beruf Krankenschwester, bemalte in ihrer Freizeit die Formen im Innern für die Osterhasen und Nikoläuse, damit sie hübsche Gesichter hatten. Die Schwiegersöhne legten mit Hand an beispielsweise beim Hochbetrieb in der Oster- und Weihnachtsbäckerei. Der heute 47-jährige Sohn Andreas hat das Bäcker- und Konditorhandwerk erlernt. Doch der Liebe wegen lebt er nun mit seiner Familie im Westerwald, wo er als Bäcker arbeitet und die „neue Heimat“ nicht mehr verlassen möchte. So müssen sich Rudolf und Gisela Reiss wegen der fehlenden Familiennachfolge anderweitig in der Branche umhören. Bis dato sei noch kein geeigneter Nachfolger gefunden, so dass in der Bäckerei ab morgen der Ofen in der Backstube aus bleibt und die Regale im Laden leerbleiben. Nach 35 Jahren im eigenen Geschäft ist für das Ehepaar Reiss nun Schluss. Langeweile wird es trotzdem nicht geben. Da ist das königliche Schachspiel, dem er sich jetzt mehr als bisher widmen kann. Dann ist dann noch ein seltenes Handwerk, das ihm zum Hobby geworden ist: Wer kennt sie nicht, die alten Stühle aus der Gründerzeit, deren Sitzflächen und Lehnen mit einem Rohrgeflecht bespannt sind? Oftmals wird diese Bespannung im Laufe der Jahre schadhaft. Rudolf Reiss repariert solche Stühle und so entsteht etwas, an dem die Eigentümer lange ihre Freude haben werden. (som)

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