BILLIGHEIM-INGENHEIM
Ingrid und Richard Wagner feiern Diamantene Hochzeit
Startpunkt für den gemeinsamen Lebensweg war die Altweiberfastnacht 1959. Beim „Ball der 1000 Grafen“ saß sie gleich am ersten Tisch und fiel Hardy Wagner sofort auf. Den ersten Tanz schenkte er noch ihrer Mutter, doch dann folgte Ingrid seiner Aufforderung, und er wich ihr den ganzen Abend nicht mehr von der Seite.
Die beiden verabredeten sich für den folgenden Rosenmontag am Kölner Neumarkt, doch zu Hardy Wagners großer Enttäuschung kam seine Herzdame nicht. Was er nicht wusste, ihre S-Bahn-Linie endete an diesem Tag außerplanmäßig schon ein paar Stationen vorher. So musste sie den Weg zu Fuß zurücklegen. Hardy Wagner schlenderte traurig umher. Das Treffen hatte sich in seinen Augen erledigt. Doch dann kam sie ihm freudestrahlend entgegen, und die beiden fielen sich glücklich in die Arme.
Ingrid Wagner spielt gerne Bridge und Golf
Die Jubilarin wurde 1938 in Königsberg, der heute russischen Exklave Kaliningrad, geboren. Die Eltern lebten im ostpreußischen Mehlsack. Im Januar 1945 musste die Familie vor den anrückenden sowjetischen Truppen flüchten. Im Viehwagen ging es zur Tante nach Berlin, wo die kleine Ingrid zwei Tage lang den Bombenkrieg erlebte und wo auch ihr Bruder zur Welt kam. Die Familie zog weiter nach Mecklenburg und schließlich nach Thüringen. Der Vater kam 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause. Da er nicht in der „Ost-Zone“ leben wollte, landete die Familie schließlich bei Verwandten in Leverkusen.
Nach der Schule erlernte Ingrid den Beruf der Schneiderin und war später als Schnittzeichnerin für Mode gefragt. Auch besuchte sie ein Jahr lang die höhere Handelsschule. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Bridge und weiß auch mit einem Golfschläger umzugehen. Dem Golfsport frönte sie vor allem, als das Paar rund 20 Jahre in Speyer lebte und sie im dortigen Golfclub aktiv war. Auch Wandertouren stehen hoch im Kurs. Bevor das Paar in die Domstadt kam, hatte es in Hamburg und Bremen seine Zelte aufgeschlagen. Seit 1994 lebt es in Billigheim.
Professur für Management in Ludwigshafen
Hardy Wagner, der 1932 in Opladen zur Welt kam und dort aufwuchs, ist gelernter Industrie-Kaufmann und diplomierter Handelslehrer. In jungen Jahren brach er eine Buchhändlerlehre schon nach drei Monaten ab und wechselte zur Tageszeitung „Rheinische Post“ in Köln. Sechs Jahre war er in der Forschung und zehn Jahre in der freien Wirtschaft tätig. Er studierte Politikwissenschaften in Köln und promovierte in Sozialpolitik. Von 1971 bis 1994 hatte er eine Professur für Controlling und Management an der Fachhochschule in Ludwigshafen inne. Der Lehrer war Initiator des Stufen-Konzepts zur Wissens- und Erfahrungsvermittlung an die junge Generation und Kuratoriumsvorsitzender der Bildungsstiftung „Stufen zum Erfolg“.
Vier Kinder und sechs Enkel
Als Rezept für eine lange, glückliche Ehe nennen die Wagners die gegenseitige Akzeptanz. „Ich akzeptiere dich so, wie du bist“, sagen beide. Dazu stellen sie sich des Öfteren die Frage: „Was ist dein größter Wunsch an mich?“ und erfüllen diesen. Eine große Feier wird es am Sonntag nicht geben, aber das Paar wird wohl von seinem Sohn, seinen drei Töchtern und sechs Enkelkindern besucht werden.