Kreis Südliche Weinstraße „In der Südwestpfalz besser dran“
Südwestpfalz. Am Sonntag wird im Kreis Südwestpfalz ein neuer Landrat gewählt. Der Zweibrücker Redaktionsleiter Georg Altherr fühlte den beiden Kandidaten um die Nachfolge von Hans Jörg Duppré bei der Podiumsdiskussion auf den Zahn. Der Ton blieb während der zweistündigen Veranstaltung humorvoll und wurde nie scharf, auch wenn die beiden nicht immer einer Meinung waren. Fusion Hauenstein Die VG Hauenstein soll Teil des Kreises Südwestpfalz bleiben, aber wenn einzelne Dörfer unbedingt weg wollen, sollen sie das auch dürfen. Dieser Meinung sind sowohl Ganster als auch Spitzer. Beide glauben, dass die VG im Kreis Südwestpfalz besser dran ist als im Kreis SÜW. Dass der Kreistag Südwestpfalz in einer Resolution kundtat, dass er Hauenstein halten will, sei „ein ganz wichtiges Signal“, fand Ganster. Dass die dortige Realschule eine Mensa bekommt und die Sporthalle saniert wird, signalisiere auch: „Wir halten am Schulstandort fest.“ Diese Zusage habe kein anderer Kreis gegeben. Am Sonntag wählen die Einwohner der VG nicht nur einen neuen Landrat, sondern sie stimmen auch ab, ob sie weiter zur Südwestpfalz gehören wollen. Letztendlich entscheidet jedoch die Landesregierung. Das betonte auch Ganster, sagte aber: „Wir werden das Ergebnis respektieren und in Mainz vertreten.“ „Ich wäre ein schlechter Landratskandidat, wenn ich sagen würde: ,Ihr könnt einfach gehen’“, sagte Spitzer. Es sei traurig, dass es in all den Jahren nicht gelungen ist, das Luger Tal an den Kreis zu binden. „Aber ich weiß nicht, ob sich das Luger Tal einen Gefallen tut, wenn es in SÜW wechselt“, warnte er. Man müsse mit anderen starken Verbandsgemeinden konkurrieren. Und in der Südwestpfalz werde es einen neuen Landrat geben, „der gewillt ist, die Versäumnisse der letzten 40 Jahre auszumerzen“. Spitzers Botschaft an Hauenstein: „Wenn ihr bei uns bleibt, geht es euch besser!“ Kreisreform Zweibrücken, Pirmasens und der Kreis Südwestpfalz sind eine gemeinsame Region. Entsprechend sollte der Kreis die beiden kreisfreien Städte eingemeinden − und zwar in naher Zukunft. Darin waren sich beide Kandidaten einig. Es sei „richtig und wichtig“, enger zusammenzuarbeiten, erklärte Spitzer. Als Großregion könne man gegenüber der Landesregierung stärker auftreten. Gerade bei der Schullandschaft hätten sich die drei in der Vergangenheit stärker abstimmen müssen. Ganster erklärte, der Kreis und die beiden Städte könnten nicht von heute auf morgen zusammenwachsen. Doch sei es sinnvoll, die Zusammenarbeit schon jetzt auszubauen. So dürften Straßensanierungen nicht an der Kreisgrenze enden. Auch Ganster sieht „die Zukunft in der Großregion“. B 10 Die B 10 zwischen Pirmasens und Landau soll komplett vierspurig ausgebaut werden. Darin waren sich beide einig. Das bedeute auch: Die Tunnel bei Annweiler müssten vierspurig werden. Ganster wollte sich nicht festlegen, bis wann ein Tunnel gebaut werden könnte. Spitzer tat es dann doch: 2028 könnte es so weit sein. Verwaltungsstrukturen Ob Autozulassung oder Landratssprechstunde: Die Kreisverwaltung soll bürgerfreundlicher werden, waren sich beide Kandidaten einig. „Unser Online-Service für Bürger ist noch sehr rückständig“, erklärte SPD-Kandidat Peter Spitzer, der seit anderthalb Jahren als erster Kreisbeigeordneter tätig ist. Auch die Akten der Mitarbeiter sollten elektronisch geführt werden. Susanne Ganster (CDU) kündigte für den Fall, dass sie Landrätin ist, eine regelmäßige Bürgersprechstunde an – in der Kreisverwaltung, aber auch an verschiedenen Orten im Kreis. Zudem möchte sie einen Verwaltungslotsen einstellen, der Bürgern hilft, schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden. Wirtschaftsförderung Ganster und Spitzer wollen die Wirtschaftsförderung stärken, um Firmen zur Ansiedlung zu bewegen. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent im Kreis könne man sich „nicht bequem zurücklehnen“, sagte Ganster. Spitzer, als Beigeordneter für Soziales und Jobcenter zuständig, dämpfte die Erwartungen: Es werde schwer, die Quote unter vier Prozent zu drücken. Teilweise sei es sehr schwierig, die Leute in Arbeit zu bringen − trotz erfolgreicher Projekte. Wie geht’s nach der Wahl weiter? Wenn Spitzer die Wahl am Sonntag verliert, bleibt er erster Kreisbeigeordneter. Wenn Ganster verliert, will auch sie „dem Landkreis nicht dem Rücken zukehren“. Konkreter wollte sie nicht werden. Beide trauen sich zu, die Kreisverwaltung zu führen. Ganster kündigte an, mit den Mitarbeitern „transparent umzugehen“. Spitzer erklärte, als hauptamtlicher Beigeordneter erfahre er dort schon jetzt „eine sehr große Wertschätzung“.