Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel In Bad Bergzabern Blindflug beim Feuersprung

Sebastian Faller ist Vorsitzender der Hutschelhexen Bad Bergzabern.  Foto: Iversen
Sebastian Faller ist Vorsitzender der Hutschelhexen Bad Bergzabern.

INTERVIEW: Startschuss für die Straßenfasnacht: Am sogenannten Schmutzigen Donnerstag haben die Hutschelhexen Bad Bergzabern wieder ihren großen Auftritt in der Kurstadt. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Sebastian Faller über den Verein – und über riskante Momente beim Feuersprung.

Haben Sie und Ihre Leute fleißig trainiert für den heutigen Abend?
Die Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung beginnt eigentlich immer gleich nach dem letzten Hexensprung. Meist mit der Manöverkritik, bei der wir uns auch neue Ideen einfallen lassen. Richtig trainiert wird dann ein Dreivierteljahr vorher. Manchmal in der Schlosshalle, dann auch im Freien. Die Sache ist schon zeitintensiv. Denn durch die Holzmasken ist das Gesichtsfeld eingeschränkt. Was zu einer Art Blindflug führt. Darauf muss man sich genau einstellen.

Werden die Teilnehmer auf ihre Sprungkraft getestet?
Nein, das nicht. Viel Übung gehört schon dazu. Schließlich ist mit Hilfe eines Stocks, ähnlich wie beim Stabhochsprung, ein zwischen ein bis zu 1,20 Meter hohes Feuer zu überspringen. Mit Strohschuhen ist das keine leichte Aufgabe. Schwerwiegende Verletzungen sind bisher ausgeblieben. Zu kleineren Verbrennungen kann es schon kommen, wenn man nicht den richtigen Abstand erwischt. Es springen nur noch ich oder zwei weitere Personen. Im vergangenen Jahr mussten wir wegen sturmbedingter Sicherheitsbedenken der Feuerwehr ohne Feuer starten. Aber dieses Jahr sollte es keine Probleme mit Wetter oder Funkenflug geben.

Wer sind die besseren Hexen, Frauen oder Männer?
Das kann man so nicht sagen. Wir haben 48 aktive Hexen, davon 20 Prozent Männer. Die sind urlaubs- und krankheitsbedingt bei den Auftritten aber nie alle da. Ob männlich oder weiblich, jeder in der Gruppe ist bei den Sprüngen auf seinen Anlauf und seine Aufgaben konzentriert. Weil die Zuschauer im Verlauf der Veranstaltung etwas nach vorne drängen, müssen wir mitunter von sieben auf fünf Meter zurückschrauben.Lösen die gruseligen Gesichter der Masken bei kleinen Kindern manchmal Angst und Schrecken aus?
Das kommt hin und wieder vor. Aber die Leute, die zu unserem Auftritt kommen, wissen, was sie erwartet. Sie können mit dem Anblick nicht nur leben, sondern sind gefesselt und fasziniert.

Wie hat sich die Resonanz entwickelt?
Am Anfang hatten wir gerade mal 20 Zuschauer, als wir vor der Martinsmarktkirche auftraten. Inzwischen, nach dem Umzug vor das Schloss, sind es regelmäßig zwischen 400 und 500 Leute. Und die kommen nicht nur aus der Südpfalz, wie man dem Zungenschlag entnehmen kann.

Wie wird man Hutschelhexe? Wer bezahlt die Kostümierung?
Nachwuchssorgen gibt es nicht. Aber wir schauen genau, ob neue Interessierte zu uns in die Gruppe gehören. Es muss ja auch zwischenmenschlich passen. So etwas lässt sich leicht auch bei unseren Stammtischen oder Ausflügen herausfinden. Für die Verkleidung ist jeder selbst zuständig. Die Rohlinge für die Masken werden von Profischnitzern hergestellt und dann je nach Geschmack individuell bemalt. Obligatorisch ist allerdings ein rotes Kopftuch für alle.

Was kommt auf die Hutschelhexen sonst noch in dieser Kampagne zu?
Jedes Jahr sind wir bei sieben oder acht Faschingsumzügen im Einsatz, meist im Badischen, wo die alemannische Fasnacht gepflegt wird. Dort fühlen wir uns auch am wohlsten. Früher waren wir auch beim Rosenmontagsumzug in Mainz dabei. Doch dort wurden wir wegen der alemannischen Wurzeln gestrichen. |Interview: Michael Reuter

Zur Person

Sebastian Faller ist seit zwölf Jahren Vorsitzender der Hutschelhexen Bad Bergzabern. Seit über 21 Jahren ist er zusammen mit weiteren Gruppenmitgliedern Feuer und Flamme für den Sprung über die Flammen. In Karlsruhe und Bad Bergzabern aufgewachsen, wohnt der 37-Jährige mit seiner Frau und zwei Kindern (vier und zwei Jahre alt) inzwischen in Hatzenbühl. Dort hat sich Faller mit der Firma Gartendesign selbstständig gemacht. „Beruf, Familienvater und Fasching“, lautet seine Devise. Früher spielte er als Inlinehockeyer einmal in der zweiten Bundesliga.

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