Schwanheim
Immer auf Ausgleich bedacht
Wenn man das Prädikat des „politischen Urgesteins“ auf eine Person übertragen will, landet man auch beim früheren Schwanheimer Ortsbürgermeister Fritz Schwarzmüller einen Treffer. Der 78-Jährige wurde jetzt sowohl von Ministerpräsidentin Malu Dreyer als auch vom rheinland-pfälzischen Justizstaatssekretär Philipp Fernis für 25-jährige ununterbrochene Bürgermeistertätigkeit in Schwanheim, insbesondere aber auch für seine anschließende und andauernde 15-jährige Schiedsmanntätigkeit in der Verbandsgemeinde Hauenstein ausgezeichnet.
Schwarzmüller gehört noch zu der Gründergeneration der Verbandsgemeinde Hauenstein, die anfangs der 1970-er Jahre die schwierige Geburt dieser Gebietskörperschaft mit der „Auskreisung“ von sechs Gemeinden aus dem damaligen südpfälzischen Kreis Bergzabern in den damaligen Landkreis Pirmasens zu bewältigen hatte. Es ist nun fast 50 Jahre her, dass Schwarzmüller als einer der politischen Protagonisten immer wieder Brücken zwischen den Gemeinden im Luger Tal und dem Zentralort Hauenstein geschlagen hat und sich auch immer noch zu Wort meldet, wenn Not am Mann ist. Seitdem ist die Verbandsgemeinde Hauenstein fest zusammengewachsen. „Ich bin auch heute noch der Überzeugung, dass die Verbandsgemeinde erhalten werden muss“, betont Schwarzmüller, der für die CDU bis zur letzten Wahlperiode von Anfang an im Verbandsgemeinderat saß.
Diese Ausgleichsfunktion und seine Überzeugung, dass man politischen und persönlichen Streitereien am besten mit der Suche nach einem Kompromiss aus dem Weg gehen könne, haben Schwarzmüller auch dazu bewogen, vor 15 Jahren das Amt des Schiedsmannes für Hauenstein zu übernehmen. Schiedsmänner und -frauen, die es in allen Verbandsgemeinden gibt, helfen, auf gütlichem Weg Streitigkeiten beizulegen. Tätig werden können sie zum Beispiel bei Nachbarschaftszwists, aber auch bei manchen Straftaten wie etwa Beleidigung. Damit sollen letztlich Gerichte entlastet werden.
„Ich habe es nie bereut und mache weiter, wenn ich einigermaßen gesund bleibe“, sagt Schwarzmüller. „Ich mach’ das ganz nah an den Leuten im Rahmen des versöhnlichen Ausgleichsgesprächs und bin meistens mit ihnen vor Ort, bevor wir uns im Hauensteiner Rathaus treffen“, beschreibt er seine Tätigkeit. Man müsse dieses nicht leichte Amt mögen – „unn midd de Leid redde“. Der Erfolg gebe ihm recht, wie er berichtet: „Rund 90 Prozent aller zu schlichtenden Streitfälle wurden im vorgerichtlichen Verfahren erledigt, und manche Leute, die sich jahrelang wegen überwachsender Hecken oder Sträucher bis zur schweren Nachbarschaftsfeindschaft verkracht hatten, gaben sich nach der Einigung wieder die Hand.“
Man könne sich eigentlich nicht vorstellen, wie aus nichtigen Anlässen ganze Familien entzweit würden, blickt Schwarzmüller auf die häufigste Ursache seiner jährlich etwa zehn Sitzungen zurück. „Aus oft kleinen Nichtigkeiten werden manchmal unüberbrückbare Barrieren.“ Einmal habe ihm sogar ein Anwalt einen Tag vor dem Einigungstermin mitgeteilt, er solle den gütlichen Termin erst gar nicht wahrnehmen, er erledige das vor Gericht. „Dem habe ich es aber gezeigt, und wir einigten uns ohne Anwalts- und Gerichtskosten nach einer halben Stunde.“
Und der skurrilste Fall? Schwarzmüller erinnert sich gleich. Und lächelt. Das sei im Wald in der Nähe des Hauensteiner Paddelweihers gewesen. Ein Pirmasenser Waldbesitzer hatte irrtümlicherweise beim Holzmachen einige Ster „beim Nachbarn geerntet“. Bevor es vor Gericht ging, versuchte man es nochmals über den Schiedsmann. Beim Ortstermin habe er aber nicht nur die beiden Waldnachbarn angetroffen, sondern auch die Dahner Polizei. Die hatte vorsichtshalber der Pirmasenser bestellt, weil er Angst hatte, dass es im Wald zu Handgreiflichkeiten kommen könnte. „Aber auch diese Sache war nach einer halben Stunde geregelt.“
Im Augenblick habe er sogar zwischen einem Grundstücksbesitzer und der Ortsgemeinde Darstein zu vermitteln. Da gehe es um einen Hangrutsch, und die Gemeinde fühle sich nicht zuständig. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das auch außergerichtlich noch hinkriegen“, so Schwarzmüller.
Vieles wäre über ihn noch zu berichten. Vor allem auch, dass er Geschäftsführer des Familienbetriebs Schwarzmüller-Bau war. Diese Verantwortung hat er längst an Sohn Hans übertragen. Oder aber auch über einen anderen Rekord: Schwarzmüller, früher ein begnadeter Fußballer, ist in diesem Jahr genau 50 Jahre erster Vorsitzender des traditionsreichen ASV Schwanheim.