Kreis Südliche Weinstraße „Ich würde gern SPD-Fraktionschef bleiben“
Bad Bergzabern. 2006 zog Alexander Schweitzer erstmals für die SPD in den Mainzer Landtag ein. „Das war auch für mich ein bisschen überraschend“, sagt der 42-Jährige. Schließlich lag es daran, dass die Sozialdemokraten damals die absolute Mehrheit holten und Schweitzer über die Landesliste ins Parlament einzog. Am 13. Mai will er nun den Wahlkreis 49 gewinnen. „Ganz klar, diesen Anspruch habe ich“, gibt sich Schweitzer selbstbewusst.
1991 wurde der Wahlkreis 49 eingerichtet, seither ist er fest in der Hand der Sozialdemokraten. Bisher hat immer Kurt Beck das Direktmandat geholt. Sorgen, dass die Fußstapfen des ehemaligen Ministerpräsidenten zu groß sein könnten, muss sich der 2,06 Meter große Schweitzer allerdings nicht machen. Inzwischen ist er eine feste Größe in Mainz. Von 2009 bis 2011 war er Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und nach einem Intermezzo als SPD-Generalsekretär (2011 bis 2013) übernahm er im Januar 2013 für knapp zwei Jahre das Sozialministerium. Seit November 2014 ist er SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag. Im Wahlkampf ist Schweitzer so richtig in seinem Element. Er macht Hausbesuche und ist mit Infostände in Fußgängerzonen oder vor Supermärkten präsent. „Es sind keine klassischen Infostände, ich nenne es ,Schweitzer vor Ort’. Ich versuche dabei, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, erläutert der Sozialdemokrat seine Strategie. Allzu schwierig sei dies nicht. Einerseits sei er inzwischen relativ bekannt. „Und andererseits ist der Menschenschlag hier ja nicht dafür bekannt, besonders schüchtern zu sein.“ Der Austausch mit den Bürgern ist Schweitzer wichtig. „Ich mache solche Infostände das ganze Jahr über, nicht nur, wenn gerade Wahlkampf ist “, betont der dreifache Familienvater. Außerdem lädt er regelmäßig sonntags zur Bürgersprechstunde ein. Überhaupt wird Kommunikation bei Schweitzer groß geschrieben. In den sozialen Netzwerken ist er sehr aktiv, etwa bei Facebook oder Twitter. Dabei versucht er, alle Anfragen selbst zu beantworten. Auch seine E-Mails. Zeit bleibt ihm dafür meist auf den langen Fahrten von Bad Bergzabern nach Mainz – mit Chauffeur, versteht sich. In der Regel bleibt er drei Tage pro Woche in der Landeshauptstadt, zum Leidwesen der Familien. „Meine Frau muss da sehr viel organisieren“, sagt Schweitzer. Aber das habe sich eingespielt. Er habe sehr früh Verantwortung übernommen und das gehe halt nicht als Halbtagsjob. Und was wollen die Bürger mit dem Landtagskandidaten besprechen? „Derzeit dominiert ganz klar das Thema Flüchtlinge“, sagt er. Schweitzer meint, dass die dezentrale Unterbringung der klügste Weg sei. So funktioniere die Integration besser. Er baut auf eine europäische Lösung und vertraut auf Kanzlerin Merkel. Dabei sei die Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU kontraproduktiv, das schwäche die Verhandlungsposition in Europa. „Die Ehrenamtlichen sind uns gegenüber in Vorleistung getreten. Ohne das Ehrenamt wären wir in der Flüchtlingsfrage aufgeschmissen. Jetzt muss aber auch die Politik liefern“, fordert Schweitzer. Ein wichtiges Thema ist für ihn die zweite Rheinbrücke. „Die muss kommen, die ist nicht nur für den Kreis Germersheim wichtig, sondern für die ganze Südpfalz“, sagt Schweitzer. In dieser Frage dürfe es auch kein parteipolitisches Gezänk geben. Und welchen Posten übernimmt Alexander Schweitzer im neuen Landtag? „Wir müssen erst einmal das Wahlergebnis abwarten.“ Nachdem er in der Vergangenheit im Zwei-Jahres-Rhythmus sein Aufgabengebiet gewechselt hat, wünscht er sich jetzt Kontinuität. „Ich würde gern SPD-Fraktionschef bleiben“, versichert Schweitzer. (jpa)