Kreis Südliche Weinstraße „Ich habe ein Loch im Herzen“

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„Ich kann es immer noch nicht fassen und habe den Brandgeruch noch in der Nase“, sagt Mutter und Großmutter Doris Schuhmacher zwischen Weinen über das große Unglück, das die Familie getroffen hat, und nicht Begreifen, dass so viele Menschen geholfen haben. Wenige Meter von den Überresten ihres Hauses hat die Familie eine Unterkunft gefunden. Die RHEINPFALZ durfte sie besuchen. Eine vom Wasser etwas aufgequollene Bibel liegt auf dem Tisch im Esszimmer, das mit den gespendeten Möbeln, wie alle anderen Zimmer auch, mit dem Nötigsten ausgestattet ist. Die Bibel hat den Brand unbeschadet überstanden. Ein Umstand, für den auch Pfarrer Johannes Berthold keine Worte findet. Denn alles andere ist verbrannt oder unbrauchbar, auch die Weihnachtsgeschenke, die Doris Schuhmacher schon gekauft hatte. Daran, was sie gekauft hatte, kann sie sich nach dieser traumatischen Erfahrung nicht mehr erinnern. „Ich funktioniere“, beschreibt die 63-Jährige ihren Zustand. Eine Wunschbaumaktion in der Pfarrei hat es möglich gemacht, dass neue Geschenke gekauft werden konnten. Seit 1975 wohnte Doris Schuhmacher in ihrem Haus in der Kirchstraße, ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben. Zusammen mit Tochter Tina und deren vierjähriger Tochter Nele, Sohn Tobias und dessen schwangerer Ehefrau Sabrina mit deren drei Kindern Juline, Leonie und Niclas und mit Sohn Christian. Die vierte Tochter, Ann-Kathrin, wohnt in Bad Bergzabern. Bei allen sitzt der Schock tief, von Normalität kann keine Rede sein. Die Familie erinnert sich nur schwer an den Tag des Schreckens, ein Sonntagmorgen kurz nach 11 Uhr. Nele und Niclas, beide vier Jahre alt, der sechsjährige Patrick und die neunjährige Leonie waren im Haus. Tochter Tina und die Söhne Tobias und Christian mit Frau Sabrina ebenfalls. Und Labrador Luna und die Katzen Max und Moritz. Die Haustiere haben den Brand ebenfalls ohne körperlichen Schaden überstanden. „Ich war auf dem Balkon, es roch komisch, wir haben die Tür zu einem Zimmer aufgemacht, da war eine Nebelwand und wir sind raus“, erinnert sich Doris Schumacher. „Ich hatte ein T-Shirt und Schlafanzughosen an“, erzählt Enkelin Leonie. „Es war furchtbar, ich stand auf der Straße und habe die Flammen gesehen und dann bin ich einfach weggelaufen, irgendwo im Dorf wurde ich dann wohl eingesammelt, dann weiß ich nichts mehr“, erzählt ihre Oma. Mehr als 100 Einsatzkräfte waren vor Ort, um den Brand zu löschen. Die Familie hat einen Tag in vier verschiedenen Krankenhäusern, von Pirmasens bis Landau, verbracht, um eine mögliche Rauchvergiftung abklären zu lassen. „Wir mussten erst alle zusammensuchen“, erzählt Klaus Fremgen, der Lebensgefährte von Tochter Ann-Kathrin. Die beiden wohnen in Bad Bergzabern und haben sich zunächst auch um die Beschaffung der wichtigsten Papiere gekümmert. „Am Sonntag haben wir bereits angefangen, das Haus einzurichten, das ein Bürger Vorderweidenthals zur Verfügung gestellt hat“, informiert Ortsbeigeordneter Olaf Wingert. Die Hilfsaktionen haben Gemeinde, Kirchengemeinde und Bürger sofort in die Wege geleitet. Viele Sachspenden, auch aus dem weiten Umkreis, wurden im Dorfgemeinschaftshaus abgeliefert, Freiwillige haben das leere Haus mit dem Nötigsten eingerichtet. Eine Küche, die ein Möbelhaus gespendet hat, wurde eingebaut. Räumlich muss sich die Großfamilie einschränken. „Ich bin froh, dass wir nicht auseinander gerissen wurden, im Moment haben wir das Nötigste, vor allem ein Dach über dem Kopf, ich bin total überwältigt“, sagt Doris Schuhmacher, der es sichtlich schwer fällt, das Geschehene zu begreifen. Ungläubig schlägt sie die Hände vors Gesicht, als Pfarrer Johannes Berthold erzählt, dass fast 14.000 Euro an Spenden eingegangen sind, in Beträgen von zehn bis 2000 Euro. „Das gibt es doch nicht“, sagt Doris Schuhmacher weinend. Berthold hat auch eine „Wunderdose“ mitgebracht, mit der in der Altenbergschule in Bad Bergzabern für die Familie gesammelt wurde. Zu Besuch sind auch Vertreter des Kreisverbandes SÜW des Jugendrotkreuzes mit einem Scheck über 1250 Euro von der Aktion „Kinder helfen Kindern“. Dass das Geld gebraucht wird, um den Heizöltank zu füllen, ist sicher. Wo überall Löcher entstanden sind, muss eine Bestandsaufnahme klären, zu der die Familie noch nicht im Stande ist. Der Schock lähmt und das schreckliche Ereignis ist noch zu präsent. „Ich weiß nicht, wann ich das wieder ausziehen kann“, sagt Doris Schuhmacher zu dem T-Shirt und der Hose, die sie trägt, seit sie ihr Haus verlassen musste. Es ist alles, was ihr aus der Vergangenheit geblieben ist. „Ich habe ein Loch im Herzen“, sagt die 22-jährige Tina. Vom bisherigen Leben ihrer vierjährigen Tochter ist keine Erinnerung geblieben: Kein Foto, kein Spielzeug, nichts. Vor dem abgebrannten Haus stehen Container, um den Schutt abfahren zu können, das stark einsturzgefährdete Gebäude muss abgerissen werden. „Die Versicherung war schon da“, informiert Klaus Fremgen. Laut Brandexperte wurde das Feuer wohl durch einen technischen Defekt ausgelöst. Den Weihnachtsabend werden die Schuhmachers in Bad Bergzabern bei Tochter Ann-Kathrin und Klaus Fremgen verbringen. „Es ist mein erstes auswärtiges Weihnachten“, sagt Doris Schuhmacher. Olaf Wingert hat der Familie aus seinem eigenen Bestand einen Weihnachtsbaum geschenkt. Den Gottesdienst in Vorderweidenthal wird die Familie trotzdem besuchen. „Das Presbyterium hat beschlossen, dass die Weihnachtskollekte für Familie Schuhmacher ist“, kündigt Pfarrer Berthold an.

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