Essingen
Hornbach wertet Logistik-Standort auf
Gerade im Frühjahr drängt es Kunden in die Baumärkte, wenn sie sich in Hinblick auf die bevorstehende warme Jahreszeit im Haus oder im Garten Bauprojekte vornehmen. Sie wollen in die Regale greifen und die benötigten Waren in den Einkaufswagen legen. Damit die Produkte in ausreichender Menge vorhanden sind, müssen die Abläufe des Unternehmens im Hintergrund reibungslos funktionieren. Der Baumarktkonzern Hornbach will genau diesen Prozess in der Region optimieren, weshalb er Essingen mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums zu einem neuen Dreh- und Angelpunkt machen möchte.
Der Ortsteil Dreihof ist zwar bereits ein Logistik-Standort von Hornbach. Seit 1999 werden dort Artikel an- und ausgeliefert. Doch weil in dem Gebäude die Tore zu eng sind und es dort auch an optimalen Be- und Entlademöglichkeiten fehlt, werden sperrige Produkte derzeit an einem Standort im südhessischen Lorsch verarbeitet. Alles, was nicht auf eine Europalette passt. Überdurchschnittlich große Arbeitsplatten mit einer Länge von bis zu fünf Metern etwa, die für Küchenzeilen oder zu anderen Zwecken benötigt werden. Damit soll nun Schluss sein.
Bundesweit dritter Umschlagepunkt für Firma
Hornbach plant in Essingen den dritten großen nationalen und internationalen Umschlagepunkt des Unternehmens – neben dem Logistik-Standort in der Nähe von Hannover und jenen nahe der Donau im Osten von Bayern, wo Farben und unzählige andere Baustoffe angeliefert, für die Märkte zusammengestellt und anschließend auf die Reise zu den 45 Bau- und Gartenmärkten im In- und Ausland geschickt werden.
Auf der Baustelle in Essingen liegen schon die Fundamente. Ab April sollen täglich 20 Stützpfeiler in den Boden eingelassen werden. Auf einem Grundstück, das in etwa so groß ist wie achteinhalb Fußballfelder. Die Hallen selbst sollen eine Gesamtfläche von rund 23.000 Quadratmeter haben.
„Neue Arbeitsplätze für die Region“
Am Ende der Arbeiten sollen zwei neue Hallen in Betrieb gehen, und zwar im Frühjahr kommenden Jahres. Ein ehrgeiziger Zeitplan, verglichen mit vielen privaten Projekten, deren Bauherren derzeit verstärkt mit Mangel an Baustoffen zu kämpfen haben und seit Längerem händeringend nach Fachkräften suchen. Eingehalten werden soll der Plan dank der systematisierten Bauweise: Die Bauelemente werden vorproduziert angeliefert und vor Ort montiert.
Wenn alles steht, wird das Lager aus Südhessen in die Südpfalz umziehen. Auch viele Beschäftigte werden mitwechseln, heißt es vonseiten der Firma. Zudem wurden bereits neue Arbeitskräfte eingestellt. Ein Aspekt, den Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) beim Pressetermin lobte. Weitere Stellen sollen noch besetzt werden, damit sie im Frühjahr 2023 startbereit sind, wie Hornbachs Logistik-Projektleiter Jürgen Krones berichtet.
Was wird in puncto Nachhaltigkeit getan?
Das neue Logistikzentrum wird unter der Anschrift In der Windblase in Essingen zu finden sein. Verbunden ist es über den Dreihof-Kreisel mit jener Landstraße, die zur B272 und damit weiter zur A65 führt. In Anlehnung an den Straßennamen wünschte Offenbachs Verbandsbürgermeister Axel Wassyl den Verantwortlichen viel Rückenwind bei den weiteren Arbeiten. Und dass sie von Lieferengpässen verschont bleiben, was sich in der Branche verstärkt bemerkbar macht. Wobei die Firma Hornbach dann zumindest an der Quelle sei, sagte Wassyl mit einem Augenzwinkern.
Der Baumarktkonzern, der im Geschäftsjahr 2020/21 einen Umsatzanstieg um 15,4 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro verzeichnete, bekam aber auch schon Gegenwind für sein Vorhaben zu spüren. Insbesondere Naturschützer kritisieren die Flächenversiegelung. Der für das Projekt zuständige Leiter von Hornbach, Rainer Pillin, wies darauf hin, dass nördlich des Grundstücks, auf einer rund 4000 Quadratmeter großen Fläche entlang der Hornbachstraße, ein Ökohabitat mit Entwässerungsrigolen, Bäumen und Pflanzen entstehen werde. Ein Lebensraum für Insekten, Amphibien und Vögel. Darüber hinaus werden die Dächer der Hallen begrünt, beziehungsweise mit Photovoltaik-Anlagen bestückt, sodass auch in puncto Nachhaltigkeit etwas getan werde. Zur Bewässerung der Grünflächen rund um das Gebäude soll Regenwasser genutzt werden, das in Zisternen gesammelt wird. Die Außenbeleuchtung soll so positioniert werden, dass weder Insekten noch Vögel dadurch gestört werden.