Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasserschutz in der Region: Die Angst vorm großen Regen

 Im Sommer 1980 gab es ein Hochwasser, das auch in Queichheim für vollgelaufene Keller und überflutete Straßen sorgte.
Im Sommer 1980 gab es ein Hochwasser, das auch in Queichheim für vollgelaufene Keller und überflutete Straßen sorgte.

Die Hochwasserkatastrophe im Norden von Rheinland-Pfalz sorgt auch bei vielen Südpfälzern für Sorgenfalten. In welchen Orten in der Region könnte es bei Starkregen besonders brenzlig werden? Sind die Rettungskräfte überhaupt vorbereitet? Und wie können sich Bürger schützen?

Das Ahrtal ist von der Südpfalz zwar rund 200 Kilometer entfernt, aber die Angst, es könnte uns auch mal ähnlich ergehen wie den Menschen im Norden von Rheinland-Pfalz nach dem verheerenden Hochwasser, die wächst bei zahlreichen Bürgern in der Region. Das Ahrtal ist wegen seiner Beschaffenheit – steile Hänge, vergleichsweise großer Fluss, enges Tal – mit der Landschaft der Südpfalz wohl nur schwerlich vergleichbar. Dennoch sagt Tilmann Sauer vom Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt: „Es kann jeden Ort treffen.“

Trotzdem besteht nicht für jede Ortschaft dasselbe Risiko, von Sturzfluten heimgesucht zu werden, sollte es extreme Wetterereignisse geben. Das zeigt eine Starkregenanalyse des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums, die mit einer Karte für jede Region visualisiert wurde (siehe Grafik). Das Ministerium betont allerdings, die Daten der Analyse ließen keine Aussagen für Siedlungen innerhalb von Ortschaften zu. Das bedeutet: Während in einem Ortsteil die Wahrscheinlichkeit gering sein kann, dass Starkregen größere Probleme macht, kann es in einem Nachbarviertel ganz anders aussehen.

Viele Orte im Queichtal sind stark gefährdet

Wer sich die Karte näher betrachtet, kann ein Muster feststellen: Es besteht häufig in jenen Orten ein höheres Risiko für Sturzfluten, die an Bächen oder Flüssen liegen. Augenfällig in der Südpfalz ist natürlich das Queichtal, in dem zum Beispiel Annweiler, Albersweiler und Landau liegen. Stark gefährdet sind aber auch Orte wie Hainfeld und Edesheim, am Modenbach gelegen, oder Bad Bergzabern und Birkenhördt, wo der Erlenbach hindurchfließt.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie stark Gewässer anschwellen können, hilft ein Blick auf den Pegel der Queich in Siebeldingen. Normalerweise liegt dieser unterhalb von 50 Zentimetern. Das kann sich aber in kurzer Zeit deutlich ändern. Beim bisherigen Höchststand lag der Pegel an dieser Stelle bei 278 Zentimetern. Das war am 21. Dezember 1993. Am 15. Oktober 1981 war die Queich in Siebeldingen 243 Zentimeter tief, nachdem enorme Wassermassen vom Himmel gefallen waren, wie aus Daten des Landesamtes für Umwelt hervorgeht.

140 Liter Regen pro Quadratmeter in drei Stunden

Aber wie wird Starkregen eigentlich definiert? Das Umweltministerium erklärt, es handele sich um Niederschlagsereignisse mit hoher Intensität, also um große Regenmengen in kurzer Zeit. Sie treten demnach meist im Sommer in Form von Schauern und Gewittern auf und dauern zumeist nur wenige Minuten bis Stunden. Deutschland war in den vergangenen Jahren immer wieder von teils extremen Niederschlagsereignissen betroffen. Im Donnersbergkreis fielen 2014 beispielsweise bis zu 140 Liter Regen pro Quadratmeter in drei Stunden. Starkregenfälle verursachten in Deutschland zwischen 2002 und 2017 insgesamt 6,7 Milliarden Euro Schaden.

Gab es in unserer Region schon extreme Regenfälle mit Folgen? Wie die Stadtverwaltung Landau auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, trat 1993 die Queich über die Ufer und sorgte für Überschwemmungen in Godramstein und der Landauer Maximilianstraße. Auch das Schulzentrum Ost war damals betroffen. Der letzte Starkregen mit heftigen Nachwehen ist noch nicht lange her: 2018 gab es gleich zwei Extremereignisse, bei denen besonders die Landauer Kernstadt und der Horst in Mitleidenschaft gezogen wurden. Aber auch in Arzheim, Nußdorf, Mörlheim, Mörzheim und Queichheim kommt es an tiefgelegenen Stellen immer wieder zu Überschwemmungen wegen starker Niederschläge.

Extreme Regenfälle gab es schon immer

Extreme Regenfälle habe es allerdings schon immer gegeben, sagt Tilmann Sauer vom Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen. Nach Angaben der Stadtverwaltung trat beispielsweise 1841 die Queich in Landau nach Starkregen über die Ufer. Die Anwohner der Gerberstraße und am Klosterbrückchen standen „ein und zwanzig Stunden lang in ein bis zwei Schuh hohem Wasser“, wie in einem Augenzeugenbericht des Redakteurs des Landauer Wochenblatts, Carl Georges, zu lesen war. Knapp 140 Jahre später, im Sommer 1980, gab es ein Hochwasser, das vor allem wegen des Übertritts des Birnbachs zu gefluteten Kellern im Süden und Südosten Landaus, in der Südstadt und in Queichheim führte, wie das Foto von Werner Scharhag verdeutlicht.

Sollte die Südpfalz von einem ähnlichen Starkregen wie an der Ahr heimgesucht werden, wäre dann der Katastrophenschutz darauf vorbereitet? „Wir sind vorbereitet“, heißt es aus dem Landauer Rathaus. Sollte ein solcher Fall eintreten, kämen der gemeinsame Katastrophenschutzstab von Stadt und Landkreis Südliche Weinstraße zusammen. Die Strukturen seien eingearbeitet, es gebe regelmäßig Übungen.

Sandsäcke und Sirenen

Und was können Bürger tun, um sich und ihre Häuser vor Wassermassen zu schützen? Die Stadtverwaltung rät unter anderem, Sandsäcke vorzuhalten. Zudem sollten Entwässerungssysteme wie Dachrinnen, Fallrohre und Straßenrinnen regelmäßig gereinigt werden, damit Wasser ungehindert abfließen kann. Außerdem können bei Häusern Hebeanlagen und Rückstausicherungen nachgerüstet werden. „Wenn es tatsächlich zum Ernstfall kommt, hilft es, die Warnsysteme Katwarn oder Nina auf dem Handy installiert zu haben“, so die Stadt. Darüber könnten die Bürger schnell gewarnt werden. Zusätzlich werde zurzeit das Sirenennetz ausgebaut.

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