SÜDPFALZ RHEINPFALZ Plus Artikel Helden des Alltags: Postler Jonas Schmitt legt pro Arbeitstag 25 000 Schritte zurück

Seit fünf Jahren trägt Jonas Schmitt Briefe und Pakete aus.
Seit fünf Jahren trägt Jonas Schmitt Briefe und Pakete aus.

Klopapier aus Bambus, Kochboxen und Hundefutter im 25-Kilo-Sack. Seit der Pandemie wird noch mehr bestellt als sonst. Postler Jonas Schmitt läuft alle sechs Wochen ein paar Turnschuhe durch, liefert täglich bis zu 200 Pakete aus – und das mit guter Laune und einem Lächeln im Gesicht.

„Sie brauchen aber auch kein Fitnessstudio.“ Diesen Spruch hat der 35-jährige Jonas Schmitt aus Herxheim zwar schon oft zu hören bekommen. Aber die meisten Kunden unterschätzen die körperliche Arbeit, die das Zustellen von Briefen und Paketen bedeutet. „Heutzutage gibt es fast nur noch Postboten, die beides zustellen, also Briefe und Pakete. Das nennt sich Verbundzusteller.“ Beachtlich ist, dass die Pakete bis zu 31,5 Kilogramm wiegen können. „Die Gewöhnungsphase am Anfang war anstrengend und eine Herausforderung“, erzählt Schmitt. Er hat am Anfang erheblich abgenommen. „Das schafft nicht jeder.“ Jonas Schmitt hat es gepackt. Seit fünf Jahren arbeitet er bei der Deutschen Post AG; zuerst in Herxheim, seinem Heimatort, und seit einem Jahr in Kandel. „Wir sind ein Top-Team, die Arbeit macht mir Spaß.“

Post-Zustellstützpunkt in Kandel, 7.26 Uhr. Zuerst einmal geht es los mit dem Vorbereiten, auch Stecken genannt. Normalbriefe sind bereits vorsortiert, Großbriefe und Kataloge müssen entsprechend zur Post einsortiert werden. Einschreiben muss Schmitt per Scanner aufnehmen. Das alles dauert etwa zweieinhalb Stunden. In dieser Zeit sortiert der Postbote auch noch etwa 90 Pakete, darunter auch Sperrgut. Er scannt die Pakete per Hand ein und lädt sie nach System in seinen gelben VW-T5-Bus. „Ein Benziner. In Kandel haben wir noch keine Elektroautos.“

„Der Beruf erfordert körperliche Fitness“

„Der Beruf erfordert körperliche Fitness. Letzte Woche lieferte meine Kollegin einen Einbaukühlschrank aus, da wundert man sich schon manchmal, was die Leute so alles auf dem Postweg bestellen“, sagt Schmitt. Er kennt einen Kunden, der öfter mal Klopapier aus Bambus bestellt. Da dies auf der Packung mit Bild und Text vermerkt ist, fragte er interessehalber nach. „Der Herr sagte mir, dass der Pack 20 Euro kostet.“ Und dann gibt es noch die Kochboxen, deren Beliebtheit stetig zunimmt. „Manche Leute sparen sich das Einkaufen und bestellen sich die. Das sind gekühlte Boxen mit Rezept und Zutaten für ein komplettes Gericht darin, auch Gemüse und Fleisch.“ Gerade in der Corona-Zeit erspart sich mancher wohl den Gang zum Supermarkt.

Was Schmitt wundert, ist, dass es Menschen gibt, die ihm die Tür mit den Worten öffnen: „Achtung, wir sind in Quarantäne!“ Wieso öffnen sie dann überhaupt?, fragt er sich. „Man könnte ja auch durch die Sprechanlage sagen, dass ich das Paket einfach vor der Tür abstellen soll“, meint Schmitt. Andere Leute sind wiederum sehr vorsichtig und öffnen ihm nur mit Mundschutz und Latexhandschuhen die Tür. Was Schmitt noch aufgefallen ist in dieser besonderen Zeit: „Im letzten Jahr wurde auffallend viel Campingzubehör bestellt, Gaskocher beispielsweise.“

800 bis 900 Haushalte pro Zustellbezirk

Gegen 10 Uhr geht die Zustellfahrt los. Sein Bezirk liegt in Kandel und Steinweiler. Wobei Kandel auf mehrere Fahrer aufgeteilt ist. Die Fahrer müssen mehrere Bezirke kennen, damit sie im Vertretungsfall einspringen können. Die Größe des Bezirks ist abhängig von der Sendungsmenge, die bei etwa 800 bis 900 Haushalten liegt. Die Bezirke werden jedes Jahr neu bemessen, „wegen Neubaugebieten muss die Größe jährlich angepasst werden“. Natürlich bekommt nicht jeder Haushalt jeden Tag Post. Aber wenn man die Werbung berücksichtigt und die Pakete, „dann sind das schätzungsweise 300 bis 400 Briefkästen und Haustüren, an denen ich täglich was zustelle“.

Und dann gibt es noch die Kunden, die ihn mit dem Satz begrüßen: „Ach, wir sehen uns ja jeden Tag.“ „Da lernt man sich schon ein bisschen kennen, und mit manchen bin ich inzwischen per du.“ Die Anzahl der Pakete steige jedes Jahr an, berichtet Schmitt. Letztes Jahr seien es besonders viele gewesen. „Im Starkverkehr, also in der Vorweihnachtszeit, waren es bis zu 200 Stück täglich.“

Alle sechs Wochen einen freien Samstag

Schmitt hat eine Fünf-Tage-Woche, die Post wird allerdings an sechs Tagen verteilt, von Montag bis Samstag. „Deshalb habe ich pro Woche einen Tag frei, der wöchentlich wechselt. Alle sechs Wochen habe ich somit einen freien Samstag.“ Schmitt läuft etwa 25.000 Schritte pro Arbeitstag; sein Fitnesstracker zeigt das an. „Besonders zäh ist es, wenn man in den dritten oder vierten Stock hoch muss, mit einem Stapel Briefen in der Armbeuge und Paketen in den Händen und unterm Arm. Da versucht man natürlich, möglichst viel auf einmal zu transportieren. Wer will schon mehrfach hochlaufen?“ Und das unter Zeitdruck, da er pünktlich Feierabend machen möchte. Aber nicht bevor die gesamte Post seines Wagens verteilt ist. Alle sechs Wochen läuft er ein paar Turnschuhe durch. „Der Verkäufer im Schuhgeschäft hat mich eines Tages gefragt, was ich mit den ganzen Turnschuhen mache, die ich ständig kaufe.“

„Du hast es gut, bist ständig an der frischen Luft und in Bewegung“, bekommt er auch häufiger zu hören. „Man wird fitter, erkältet war ich schon seit Jahren nicht mehr“, erzählt der Postler. Doch dass der Job bei extremen Witterungsverhältnissen anstrengend ist, dürfte jedem klar sein. „Bei 35 Grad Hitze im Sommer möchte keiner mit mir tauschen. Da wird man dann gleich zweimal gebraten, von der Ober- und von der Unterhitze. Und im Winter, wenn ich bei Glatteis und Minustemperaturen mit dem Postauto über die Straßen rutsche, sind auch alle froh, die nicht raus müssen.“

Offizielles Dienstende um 16.35 Uhr

Aber für Schmitt überwiegen ganz klar die positiven Seiten: „Der Beruf ist krisensicher und die Bezahlung gut, ich kann meine Familie versorgen.“ Seine Familie ist sein Ausgleich. Bei Jonas, seinem Großen, war er nach der Geburt zwei Jahre in Elternzeit, seine Frau ging da vorübergehend ganztags arbeiten. Durch Zufall kam Schmitt anschließend zur Post. Der gelernte Kfz-Mechaniker schnupperte zwischenzeitlich in den Beruf des Rettungsassistenten, ehrenamtlich war er bei der Herxheimer Feuerwehr im Einsatz. Schmitts Leidenschaft ist der Herxheimer Narrenverein Narrhalla, dort sitzt er im Vorstand als Geschäftsführer.

Um 16.35 Uhr ist offizielles Dienstende. „Ich bin bei den Schnellen und schaffe es schon meistens pünktlich, Feierabend zu machen.“ Inzwischen ist Schmitt übrigens auf Tracking-Schuhe umgestiegen, „das Profil hält länger“.

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