Am Rande
Heinrich Prinz Reuß – ein Wildpark-Planer und ein Reichsbürger-Terrorist
Die Gestaltung des Silzer Wildparks basiert auf der Planung von Heinrich Prinz Reuß. Auch viele der ersten Tiere stammten aus dessen Wildpark. Moment, Heinrich Prinz Reuß, da klingelt doch was. Heißt so nicht der wunderliche Reichsbürger-Aristokrat, der vor einem Vierteljahr die Schlagzeilen beherrschte, weil er als mutmaßlicher Rädelsführer eines geplanten Staatsstreichs festgenommen wurde? Ein dubioser Terror-Prinz als Planer des Südpfälzer Wildparks?
Nein, Sie können aufatmen. Heinrich ist nicht gleich Heinrich, es kommt nämlich auf die Zahl dahinter an. Einmal eine III., einmal eine XIII. Es ist aber auch verwirrend. Denn wer Teil des thüringischen Adelsgeschlechts Reuß ist und männlichen Nachwuchs erwartet, muss sich keine Gedanken bei der Namensfindung machen. Männlichen Sprösslinge werden nämlich Heinrich genannt. Durchweg alle. Seit dem Jahr 1200. Sie haben richtig gelesen. Damit es keine Verwechslungen gibt, kriegt jeder Heinrich eine andere Nummer. Damit diese nicht ins Unendliche wachsen, beginnt die Zählung alle paar Generationen von Neuem. Wer im 20. Jahrhundert geboren wurde, wie unsere zwei Heinrichs, gehört zur Jüngeren Linie, vierte Serie.
Wie die beiden Herren nun miteinander verwandt sind, das kann die Kreisverwaltung auf unsere Anfrage hin auch nicht sagen, diese Adelsfamilien seien ja oft weit verzweigt. Fest steht aber, Park-Prinz Heinrich III. wurde 1919 in Schlesien geboren und ist 1993 in Österreich gestorben. Das andere Reuß-Exemplar ist 71 Jahre, lebt also noch, wobei das Tuch zwischen ihm und dem restlichen Adelsclan schon lange zerschnitten ist. Während Nummer XIII. eher ein Familienmitglied ist, das man unter den Teppich kehren möchte, ist Nummer III. eines, das die Familie mit Stolz erfüllt. Zweifach promoviert als Doktor der Rechtswissenschaften und der Biologie, widmete sich jener Reuß-Prinz der Tierhaltung mit Passion. Rund zehn Schaugehege hat er in eigener oder fremder Regie angelegt. Er gründete den Österreichischen Wildgehegeverband und war Präsident des Internationalen Jagdrates zur Erhaltung des Wildes.
