Silz
50 Jahre Wild- und Wanderpark: Große Geburtstagsfeier am Sonntag
Es war Anfang der 1970er-Jahre. Der Tourismus steckte noch in den Kinderschuhen, der Landkreis Südliche Weinstraße war erst vor Kurzem aus der Taufe gehoben. Da hatte der damalige Landrat Gerhard Schwetje eine Idee: am Schnittpunkt zwischen Wasgau und Südpfalz einen Tierpark für Familien zu errichten. Oberotterbach, Vorderweidenthal, Klingenmünster und Eußerthal wurden als mögliche Standorte gehandelt. Doch schließlich fiel die Wahl auf Silz, nicht zuletzt weil sich der Silzer Ortsbürgermeister Franz Andelfinger, der Oberamtsrat bei der Kreisverwaltung war, für die Ansiedlung vor den Toren seiner Heimatgemeinde stark gemacht hatte.
Der Kreis kaufte Grundstücke vieler Besitzer auf und richtete in acht Monaten Bauzeit 100 Hektar Brachland zu einem ausgedehnten, familienfreundlichen Wildpark her. Am 18. April 1973 war der Parkplatz bis auf den letzten Fleck zugestellt. An jenem Tag öffneten sich die Tore zum ersten Mal. Knapp fünf Millionen Menschen haben sie seitdem durchschritten. Sogar TV-Star Marie-Luise Marjan und Fußballer Mario Basler haben schon einmal vorbeigeschaut. „Der Wild- und Wanderpark kann ein guter Lernort sein, um von klein auf in anschaulicher Weise das Bewusstsein für die Schöpfung zu wecken und die Natur mit allen Sinnen zu erleben“, sagte Schwetje zur Eröffnung.
Den Tieren ganz nah
Auf den acht Kilometer langen Wanderwegen kann man den Tieren nämlich ganz nah kommen. Zäune gibt es nur, wo unbedingt nötig. Ansonsten können die Besucher mitten durchs Hirschgehege laufen oder erleben kleine Zicklein an sich hochklettern auf der Jagd nach dem begehrten Wildfutter. Über 400 Tiere 15 europäischer Arten leben in der Wald- und Wiesenanlage. Man habe sich bewusst für heimische Tierarten entschieden, berichtet Geschäftsführer Daniel Kraus. Zu Beginn war das noch anders, da konnte man auch Streifenhörnchen, Schottische Hochlandrinder, Axishirsche oder Afrikanische Mähenspringer in den Gehegen finden. Zusammen mit dem 50-jährigen Bestehen der Wildparks fällt noch ein anderer runder Geburtstag: Wölfe leben seit 30 Jahren in Silz. Die tägliche Fütterung um 11 Uhr können künftig nicht nur Besucher, die gut zu Fuß sind, vom Aussichtsturm aus beobachten. Auch für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen wird sie mit freiem Blick über den Zaun erlebbar – dank eines befahrbaren Hügels, der gerade fertiggestellt wird.
Und dies ist nur ein Element des barrierefreien Umbaus des unteren Parkgeländes, der seit Anfang des Jahres läuft und bis Sommer abgeschlossen sein soll. Zur Geburtstagsfeier am Sonntag können die Gäste schon auf den neu gepflasterten Wegen unterwegs sein oder im Holzunterstand Exponate aus der Natur erspähen und erspüren. Noch warten müssen die Besucher allerdings auf den barrierefreien Matschtisch für den Spielplatz. Rund 250.000 Euro werden die Arbeiten kosten, die weitgehend über Landes- und EU-Mittel finanziert werden.
Ein großer Umbruch vor drei Jahren
Daniel Kraus freut sich schon, wenn Ende Juni alles vollendet und der Park für alle zugänglich ist. Der 44-jährige ist seit Anfang 2020 Geschäftsführer des Parks. Damals stand ein großer Umbruch in Silz an. Von 1999 bis 2019 war der Park teilprivatisiert. Doch Marianne Geppert und Michael Müller, „Mama und Papa des Wildparks“, wollten aus Altersgründen als Geschäftsführer der Management-Gesellschaft aufhören. Der Kreis als Besitzer und Träger des Parks musste sich etwas einfallen lassen. Er kaufte die Betreiber-GmbH, führt sie seitdem unter eigener Regie weiter und stellte dafür den Forstmann aus Waldhambach als Geschäftsführer ein. Tierexperte Müller ist weiterhin im Park beschäftigt und steht seinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite. Auch die Wildpark-Gaststätte kaufte der Kreis damals zurück. Seit Sommer 2021 wird sie von Frederik Fink geführt.
Den Parkleiter verschlägt es in letzter Zeit besonders oft zu einem neuen Gehege. Der ehemalige Biber-Teich, der lange brachlag, wurde nämlich zu einem Murmeltierreich umgewandelt. Im vergangenen Jahr sind die drei neuen Bewohner aus Berchtesgaden eingetroffen. Nach ihrer Winterruhe haben sich die Nager Ende Januar wieder aus ihrem Bau gewagt – wegen der warmen Witterung zwei Monate früher als üblich, wie Kraus berichtet, der sich auf einer Bank im Gehege niederlässt und eine Süßkartoffel und Kekse hervorholt. Na, bei diesem Buffet können die flauschigen Alpenbewohner natürlich nicht widerstehen und krabbeln an Kraus’ Beinen hoch, um sich die süßen Leckereien aus seinen Händen zu schnappen. Für vorbeikommende Besucher ist die drollige Fütterung natürlich ein Schauspiel. Feste Zeiten gibt’s aufgrund der Personallage noch nicht. Einfach mal vorbeischauen, vielleicht haben Sie ja Glück.
50 Jahre – 50 Bäume
Zum Geburtstag am Sonntag will Kraus Landrat Dietmar Seefeldt die Fütterung überlassen. Und dann startet auch eine weitere Jubiläumsaktion. Der Förderverein des Wildparks will passend zum 50. Jahrestag im Herbst 50 neue Bäume in der Anlage pflanzen, berichtet der Vorsitzende, Bürgermeister Christian Burkhart. Dafür werden noch „Spendenhirsche“ gesucht, also Firmen oder Privatleute, die zwischen 150 und 1000 Euro spenden und damit Baumpaten werden. Der höchste Spendenbetrag von 5000 Euro ist für einen „Kinderbaum“, ein Klettergerüst, gedacht. Die Bäume – alte Obstsorten und Kastanien – sollen nicht nur hübsch aussehen, sondern auch als Futter dienen. Wer mitmachen will, schickt eine E-Mail an foerderverein@wildpark-silz.de.
„Von klein auf die Natur mit allen Sinnen erleben“ – das Schwetje-Credo für den Park nimmt sich auch Geschäftsführer Kraus zu Herzen und will künftig noch mehr Schüler nach Silz holen. Dafür seien bereits Info- und Präsentationsmappen entwickelt worden, die nun an den Grundschulen im Landkreis verteilt würden. Vielleicht lässt sich ja noch ein Bussponsoring wie beim Landauer Zoo verwirklichen, um den Schülern den Parkbesuch zu erleichtern, hofft er.
Das Jubiläumsprogramm
- Zur Feier des 50. Geburtstags hat das Park-Team im Jubiläumsjahr 2023 viele Überraschungen und Feste für Besucher zusammengestellt. Höhepunkt ist natürlich die große Geburtstagsfeier am Sonntag, 23. April. Um 11 Uhr wird Landrat Dietmar Seefeldt das Fest eröffnen. Auch Geschäftsführer Daniel Kraus und Bürgermeister Christian Burkhart stimmen in die Begrüßung ein. Die Schoppesänger aus Klingenmünster sorgen für aus Stimmung. Hüpfburg, Bastelstation und Ponyreiten erwarten die kleinen Gäste. Die Kreisjugendpflege und die Schulsozialarbeit des Kreises haben eine Schnitzeljagd auf die Beine gestellt. Es gibt drei Familienjahreskarten zu gewinnen. Um 13 Uhr geht’s zur Murmeltier-Fütterung, im Anschluss führt Kraus durch den Park.
- Und hier schon mal eine Vorschau aufs weitere Programm: Für den 14. Mai lädt der Park zur Muttertagsrallye ein – eine Gaudi für Mamas und ihre Lieben. Spiel und Spaß rund um das neue Tiergehege stehen am 25. Juni von 11 bis 16 Uhr auf dem Programm, unter dem Motto „Hier steppt der Bär“. Damit keine Langeweile in den großen Ferien aufkommt, steigt am 6. August von 11 bis 16 Uhr das Sommerfest. Traditionell und festlich wird es dann beim Wildparkfest mit Hubertusmesse, bei der die Jagdhornbläser nicht fehlen dürfen. Lagerfeuer und Stockbrot stehen am 15. Oktober auf dem Programm, beim Herbstfest ab 11 Uhr. Unbedingt im Kalender vormerken sollte man sich auch den Wildadvent am 3. Dezember ab 16 Uhr. Das Weihnachtsfest für Tiere mit Fackelwanderung und Adventsgeschichte wird nicht nur Kinderaugen strahlen lassen.
- Der Park eignet sich auch für Geburtstage, Familienfeiern oder Wandertage. Die Grillhütte kann man nach Absprache unter Telefon 06346 5588 kostenlos nutzen. Geöffnet hat der Park bis November täglich ab 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit.

