Kreis Südliche Weinstraße „Hallo, ich bin Ihr Abgeordneter“

Nein, keiner hat ihm am Mittwoch im Herxheimer Laurentiusring die Tür vor der Nase zugeschlagen. Das liegt wohl auch an der Statur von Alexander Schweitzer: Mit einer Körpergröße von über zwei Metern macht der SPD-Landtagsabgeordnete auf den ersten Blick Eindruck.
Trotz Schweißperlen (32 Grad) auf der Stirn war der gebürtige Ingenheimer und nun in Bad Bergzabern lebende Schweitzer bei seiner Sommertour im Tabakdorf sehr entspannt: „Mir ist der Kontakt zu den Menschen einfach wichtig. Ich sage Hallo, stelle mich vor, gebe den Leuten eine Karte mit den Kontaktdaten von mir und das war’s.“ Im Schnitt dauere ein Kontakt so um die ein bis zwei Minuten, auf keinen Fall länger, so Schweitzer: „Ich klingele an jeder Tür nur einmal. Ich will niemanden auf den Keks gehen. Und: Ich sehe manchmal, ob jemand da ist, aber man muss den Leuten immer die Chance geben, die Tür nicht aufzumachen“, erklärt er, warum er kein zweites Mal den Klingelknopf drückt. Gesagt, getan und von der RHEINPFALZ beim Rundgang überprüft: Bis auf den Auftakt stimmt Schweitzers Ansage mit den rund zwei Minuten: „Guten Tag, mein Name ist Alexander Schweitzer. Ich bin Ihr Landtagsabgeordneter. Es steht keine Wahl an, ich bin einfach da, um mal Hallo zu sagen.“ Spricht’s und überreicht seine Karte mit allen Kontaktdaten – von der Telefonnummer, über E-Mail-Adresse bis hin zum Twitter-Account. Und: Es kommt an. Die Menschen freuen sich, dass da der Hüne vor ihrer Türe steht und so nett zwei, drei Sätze mit ihnen plaudert. Lediglich beim ersten Besuch klappt es nicht so ganz mit dem Budget von zwei Minuten: Sabine Jüllig feiert mit ihrem Mann Martin und Nachbarn gerade ihren 50. Geburtstag. Da wird halt mit dem Geburtstagskind angestoßen. 15 Minuten. Ein Hallo gibt es auch einige Türen weiter im Laurentiusring. Da trifft Schweitzer auf eine Familie, die ein Unternehmen im Metallbau-Bereich führt. Vor einigen Jahren hat Schweitzer dem Unternehmerehepaar geholfen, dass nicht beide Azubis gleichzeitig zur Bundeswehr eingezogen werden, was die Firma in große Bedrängnis gebracht hätte. Er habe bei den zuständigen Stellen glaubhaft machen können, dass vom gleichzeitigen Einziehen der beiden Mitarbeiter nun nicht gerade die Sicherheit des Vaterlandes abhängen würde. Sie konnten vorerst im Betrieb bleiben. Einer der beiden ist es noch bis heute, erzählt der Firmenschef. Von Politikverdrossenheit ist beim Rundgang im Laurentiusring keine Spur. So trifft Schweitzer auf eine Frau, deren Tochter jetzt im Herxheimer Jugendparlament sitzt. Die Mutter lacht und erzählt dem Abgeordneten, dass sie es super findet, wie die Gemeinde die Jugend unterstützt. So habe beispielsweise das Jugendparlament ein Budget von 3000 Euro, über das es ganz alleine bestimmen könne. Eine tolle Sache, findet auch Schweitzer und schlägt der Mutter vor, dass er sich gerne mal mit dem Jugendparlament treffen wolle. Einige Häuser weiter ein unvorhergesehenes Wiedersehen mit der Vergangenheit: Ein junger Mann tritt in den Türrahmen: Seine Mutter und er waren einst Mieter in der Bergzaberner Straße bei Schweitzers Mutter in Ingenheim. Ein Anwohner des Laruentiusrings bringt Schweitzers Aktion, von Haustür zu Haustür zu ziehen, denn auch auf den Punkt: „Es ist außergewöhnlich, dass sich jemand außerhalb eines Wahlkampfes meldet.“ An über 20 Türen hat Schweitzer in etwas mehr als einer Stunde geklopft, er hat sein Zeitlimit eingehalten. Und: Er ist noch immer entspannt. Zum Abschluss geht Schweitzer mit seinem Weggefährten und Fraktionsvorsitzenden im Herxheimer Gemeinderat, Erwin Welsch, ein Wasser trinken. Welsch wohnt auch im Laurentiusring. (rww)