Kreis Südliche Weinstraße Haare entfernen mit dem Faden
„Den gebe ich nicht mehr her“, stand für Friseurmeister Uwe Becker vom gleichnamigen Friseursalon in Bad Bergzabern schon vor Monaten fest, als Eissa Aldeeb aus Syrien ein Praktikum in seinem Salon gemacht hat. Sein Wunsch hat sich erfüllt, vor Kurzem stimmte die Arbeitsagentur der Beschäftigung zu. Ab April wird der Herrenfriseur aus Syrien im Salon Becker angestellt sein.
„Er ist super, er wird voll angenommen“, schwärmt der Chef von seinem neuen 26-jährigen Mitarbeiter. Eissa Aldeeb ist Friseurmeister für Herren und hat es drauf. Auch das kunstvolle Entfernen unerwünschter Haare mit einem Faden beherrscht er perfekt und begeistere damit die Herrenwelt, lobt ihn der Chef. Den Faden doppelt nehmen und eine Schlaufe knoten, dann den Faden so lange verdrehen, dass eine Art Acht entsteht, in deren Mitte sich der verzwirbelte Faden befindet. Ganz „einfach“, damit blitzschnell Haare zu entfernen. „Da sehe ich zu wie ein Lehrjunge“, gesteht Friseurmeister Uwe Becker. Die deutsche Sprache lerne Eissa Aldeeb sehr schnell. „Bei uns lernt er auch Pfälzisch, einige Worte kann er schon, zum Beispiel Rieslingschorle,“ sagt Becker schmunzelnd. Unentbehrlich im Wortschatz eines Pfälzers. „Ich habe in Syrien mit meinem Vater einen Herrensalon geführt“, erzählt Eissa Aldeeb, der Friseurmeister gelernt und wie sein Großvater und Vater im Familienbetrieb gearbeitet hat – bis der Krieg kam. Vor sieben Monaten kam die Familie nach der Erstaufnahme in Bad Bergzabern an, nach einer gefährlichen Flucht durch den Libanon, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich. Teilweise in Booten, zu Fuß oder in den Fahrzeugen von Schleusern. Seine Eltern, zwei Geschwister und der Bruder seiner Frau Sandy leben ebenfalls in Bad Bergzabern. Die Familie gehört zu den ganz wenigen orthodoxen Christen in Syrien, und es ist ihnen ein Anliegen, die Gottesdienste in der Martinskirche zu besuchen. Dort lernten sie Doris und Rainer Ehrhardt kennen, von denen sie angesprochen wurden und die ihnen ihre Hilfe anboten. Die Mitglieder der Kirchengemeinde unterstützen die Familie und aus der Hilfe der Ehrhardts wurde Freundschaft. „Wir haben Weihnachten zusammen gefeiert, die Hochzeit von Eissa und Sandy haben wir gemeinsam geplant, das Brautkleid mit ausgesucht, und meine Tochter Birgit war Trauzeugin“, erzählt Rainer Ehrhardt im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Hochzeit wurde im Januar gefeiert, die wohl erste orthodoxe Zeremonie in der Taufkirche von Edith Stein. Pfarrer Bernd Höckelsberger hatte einen orthodoxen Priester aus Karlsruhe eingeladen, der die Trauzeremonie vollzogen hat, gefeiert wurde mit Gemeindemitgliedern aus Bad Bergzabern im Edith-Stein-Haus. Bei der Bewirtung gab es viele helfende Hände, auch die der Messdiener. Denn zu ihnen gehören seit Weihnachten auch der Bruder von Eissa Aldeeb, Roben, und der Bruder seiner Frau, Joni, beide 18 Jahre alt. Durch die Kontakte der Familie Ehrhardt kam auch das Praktikum im Salon Ehrhardt zustande. Ein Glücksfall für beide Seiten. „Haare werden überall auf der Welt geschnitten“, sagt Uwe Becker, der den seit 1969 bestehenden Familienbetrieb in Bad Bergzabern im Jahr 2010 übernommen hat und Angestellte aus elf Nationen beschäftigt.