Gommersheim
Gommersheimer Waldhaus öffnet mit neuen Pächtern am Samstag
Der Startschuss fällt am Samstag. Ab 11 Uhr bewirten Carolin Brauch-Timurturkan und Mazlum Timurturkan ihre Gäste im Waldhaus „Auf den Steinen“, das direkt an der L 538 zwischen Gommersheim und Schwegenheim liegt. Die vorherigen Pächter Heide und Rolf Guthy hatten zwar ihren Vertrag schon im Dezember gekündigt, doch wäre dieser erst im Sommer ausgelaufen. Da sie wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, kam ihnen der Pfälzerwald-Verein (PWV), dem das ehemalige Jagdhaus seit 1978 gehört, entgegen und löste den Pachtvertrag vorzeitig auf.
Carolin und Marios hatten sich im Februar beworben und sprachen mit den Vorstandsmitgliedern des PWV. „Da war zwar Corona schon im Anmarsch, aber eben noch nicht in Deutschland“, erklärt Marios Timurturkan. „Als wir dann die Zusage erhielten, kam die Allgemeinverfügung auf den Tisch, dass ab dem 15. März die Gastronomiebetriebe geschlossen bleiben müssen“, ergänzt seine Frau Carolin, ein echtes „Gummerscher Mädel“. Dennoch wollten sie die neue Aufgabe in Angriff nehmen. „Wir lieben beide das Risiko und wollen beweisen, dass auch in dieser schwierigen Zeit Gastronomie machbar ist.“ Der PWV habe ihnen jegliche Unterstützung zugesagt.
Auch der Innenbereich wird geöffnet
Im Haus selbst gibt es in zwei Gasträume mit zusammen 160 Plätzen, dazu kommen im Außenbereich noch einmal 150 Sitzmöglichkeiten. Auch einen Spielplatz gibt es. Im Gegensatz zu vielen Hütten im Pfälzerwald wird im Haus „Auf den Steinen“ auch der Innenbereich geöffnet sein. Die 33-jährige Carolin kündigt an, dass sie im Eingangsbereich ein Schild aufstellen wird, auf dem es heißt: „Bitte hier warten. Sie werden abgeholt!“ Dann werden die Gäste zu ihren Tischen gebracht. „Aufgrund der Größe der Räume können wir die Vorgaben, vor allem bezüglich der Abstände, sowohl innen wie außen erfüllen. Ein Vertreter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Edenkoben war auch schon da und hat uns grünes Licht gegeben“, freut sich der 25 Jahre junge Marios.
Als ob er alles versteht, wedelt der kleine Hundemischling „Burri“ freudig mit seinem Schwanz. Er sorgt mit seinem leichten Brummen für die Sicherheit auf dem Anwesen. Die zweijährige Tochter ist derzeit oft bei der Oma, verlangt die Vorbereitung doch einen großen Zeitaufwand. Unter anderem haben Carolin und Marios mit Helfern des PWV die Innenräume frisch gestrichen und das ganze Areal auf Vordermann gebracht. Größere Umbauarbeiten waren nicht nötig, da das Haus 2016 komplett saniert worden ist. Bei seiner Einweihung 1982 war es die einzig bewirtschaftete Hütte eines PWV zwischen Rhein und Haardt.
Kochen von der Pike auf gelernt
Die Speisekarte beinhaltet die typischen Pfälzer Gerichte, dazu Schnitzel und Rumpsteak. Freitag ist Fischtag. Zur Abrundung des Mals kann man sich einen selbstgebackenen Kuchen zum Kaffee gönnen. Für Behinderte ist das Haus geeignet, da es ebenerdig zu erreichen ist und über ein entsprechendes WC verfügt. Auch an die Babys ist gedacht, für die wurde ein Wickeltisch aufgestellt. Die kinderwagengerechten Rundwege und die Nordic-Walking-Möglichkeiten im direkten Umfeld machen das Haus interessant. Radfahrer und Biker sind willkommen. Ein großer Parkplatz liegt direkt am Haus.
Carolin Brauch-Timurturkan hat das Kochen von der Pike auf gelernt. Nach ihrer Ausbildung zur Köchin im „Hotel Residenz Immenhof“ in Maikammer, bekochte sie Gäste in „Muglers Kutscherhaus“ in Gimmeldingen. Um ihren Horizont zu erweitern, ging sie dann nach Berlin und Hamburg, um anschließend noch einmal in der Hauptstadt zu landen. Dort lernte sie vor sechseinhalb Jahren auch ihren Marios kennen. „Das war in einem Rockschuppen namens Magnet, den es heute leider nicht mehr gibt“, erinnern sich beide.
Traum vom Profifußballer
Marios ist in Sachen Gastronomie ein Seiteneinsteiger. In Berlin war er unter anderem in einem Spätkauf tätig. Nach dem Umzug in die Pfalz kellnerte er in „Muglers Kutscherhaus“, im „Goldenen Engel“ in Edesheim und in der „Burrweiler Mühle“ im Modenbachtal. Nachdem er als 18-Jähriger 2013 aus der zypriotischen Hafenstadt Limassol nach Deutschland kam, wollte er eigentlich Profifußballer werden. In seiner Heimat auf der Mittelmeerinsel ist er Anhänger des großen Clubs aus der Hauptstadt, Omonia Nikosia.
Der Traum vom Profi war gar nicht mal so unrealistisch, trainierte er doch ein halbes Jahr lang beim Bundesligisten Hertha BSC mit. Dann warf ihn eine Knieverletzung zurück und auch mit dem neuen Trainer war er nicht immer auf einer Wellenlänge. Fünf Spezialisten konnten ihn in Berlin nicht von seinen Schmerzen befreien. Erst als er nach Gommersheim kam und zum Allgemeinmediziner Georg Weiß nach Schwegenheim ging, erkannte dieser den Grund für die Beschwerden: einen Leistenbruch. Dieser wurde erfolgreich operiert und so spielt Marios heute für den SV Altdorf-Böbingen in der A-Klasse. Trotz der Belastungen in der Gastronomie hat er es auch noch geschafft, sein Fachabitur abzulegen, worauf er und seine Frau sehr stolz sind.
Info
- Waldhaus „Auf den Steinen“, An der L 538, 67377 Gommersheim, Telefon 06327 5611, Homepage: pwv-gommersheim.de/unser-waldhaus, E-Mail: info@waldhausgommersheim.de
- Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11 Uhr bis 20 Uhr,
ab 12 Uhr durchgehend warme Küche