Kreis Südliche Weinstraße Gläubige formulieren Thesen

91-90821494.jpg

Hammerschläge waren am Montagabend in der Marktkirche in Bad Bergzabern zu hören. Die Gottesdienstbesucher, die zur Eröffnungsveranstaltung anlässlich des Reformationsjahrs gekommen waren, schlugen mit Hammer und Nägeln 33 Thesen an eine alte Stalltür im Gotteshaus. Diese sollen im Lauf des Jubiläumsjahres durch die Gemeinden des Dekanats wandern.

Es war kein konventioneller Gottesdienst, den Dekan Dietmar Zoller und Pfarrerin Angela Fabian unter Einbeziehung vieler Besucher und der Mitwirkung des Chors „Come Together“ gestaltet haben. „Hallo Luther“ stand auf der Fahne vor der Kanzel als Gruß an den Mönch und Theologen, der 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Kirchentür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen und damit die Initialzündung für einen tiefgreifenden Wandel in der Kirche in Gang gesetzt hatte. „Er wird im kommenden Jahr als Pappmaché- und Playmobilfigur, Handpuppe und in vielen anderen Gestalten im Dekanat unterwegs sein“, kündigte Zoller eine Reihe von Veranstaltungen im Reformationsjahr an. „Welche Kirche brauchen wir im 21 Jahrhundert?“, war die Frage, der sich Zoller und Fabian im Zwiegespräch stellten. Mögliche Antworten wurden an die Stalltür genagelt. Offen für alle sein, die Heimat suchen. Denen Grenzen ziehen, die alles für machbar halten, konnte man da lesen. „Wie lange dauert es, bis man von der Kirche zu einem brisanten Thema eine Verlautbarung hört“, fragte Angela Fabian. Es fehle der Mut zu Aufbrüchen, dazu, Position zu beziehen und als Gewissen der Schwachen zu fungieren, war eine Antwort. Der Maxime der Gesellschaft, immer stark, erfolgreich und vorne zu sein, müsse entgegengesetzt werden, dass niemand perfekt sein muss. Der Chor „Come Together“ sorgte an diesem Abend für berührende Momente. Er wurde im vergangenen Jahr gegründet, wöchentlich sind Proben mit Flüchtlingen und Einheimischen im Haus der Familie, meistens unter der Leitung von Peter Kusenbach. Clemens Schmitt vertrat ihn beim Gottesdienst am Klavier. „Wir haben vorher mit den Flüchtlingen gesprochen, ob es in Ordnung ist, dass sie in einem christlichen Gottesdienst singen, viele sind ja Muslime“, sagte Schmitt gegenüber der RHEINPFALZ. Für alle sei das kein Problem gewesen. „Das waren jetzt mal Lieder, die gefetzt haben, ihr könnt jeden Sonntag kommen“, lautete das Lob von Dietmar Zoller an den Chor. Möglicherweise ist die Botschaft des Eröffnungsgottesdienstes, sich für jeden zu öffnen, nicht bei allen angekommen. Bereits beim ersten „Thesenanschlag“ der Pfarrer verließ eine Besucherin den Gottesdienst in der Marktkirche. „Ein solches Heck-Meck habe ich mir zu diesem Anlass nicht vorgestellt“, sagte sie. |pfn

x