Kreis Südliche Weinstraße Gewächshäuser machen Stadtvillen Platz
Die Tinte unter dem Kaufvertrag für das 9000 Quadratmeter große Gelände der Gärtnerei und des Blumenhauses Pfeiffer in Bad Bergzabern ist seit Mitte Mai trocken. Käufer und Bauherr des Geländes in bester Wohnlage in der Nähe des Schlosses ist die Arnold Projektentwicklung GmbH aus Landau, Geschäftsführer ist Eduard Arnold. Rund 18 Millionen Euro will die Gesellschaft für zehn Stadtvillen mit 63 Wohnungen in den „Wohnpark Alte Gärtnerei“ investieren.
Für die Realisierung des Bauvorhabens sind rund zwei Jahre geplant. „Es ist eine neue Interpretation der Gartenstadtidee“, verspricht Architekt Thorsten Arnold. Mit dem Verkauf geht die Unternehmerära Pfeiffer nach rund 120 Jahren zu Ende. Thomas Pfeiffer hatte das Blumenhaus und die Gärtnerei in fünfter Generation übernommen. Der heute 52-Jährige sieht für Pflanzen und Blumen heute keine Zukunft mehr. „Die Großkunden sind zurückgegangen und die Bestattungskultur hat sich geändert, früher waren die Kränze ein Geschäft“, nennt er zwei Gründe. Vor drei Jahren hatte er sich zunächst entschieden, das Unternehmen, das an der Herzog-Wolfgang-Straße, der Blumen- und Jahnstraße liegt, deutlich zu verkleinern und einen Supermarkt anzusiedeln. Doch die Stadt lehnte einen Vollsortimenter in dieser Lage ab. Jetzt hat er das gesamte Gelände mit Blumengeschäft und 14 Gewächshäusern geräumt, auch sein Wohnhaus wird dem Abrissbagger zum Opfer fallen. Rund 2000 Tonnen Bauschutt, ohne Metall und Glas der Gewächshäuser, wurden abgefahren. „Wir sind zufällig durch eine Bekannte in Bergzabern auf das Gelände gestoßen“, erzählen die Architekten Eduard und Thorsten Arnold, die der RHEINPFALZ die Pläne des „Wohnparks Alte Gärtnerei“ vorstellen. Auf den rund 9000 Quadratmetern sollen zehn Stadtvillen gebaut werden. Dazu ist eine Konversion des ehemaligen Gewerbegebiets in ein Wohngebiet nötig. Rund 240.000 Euro muss der Käufer einer 80 Quadratmeter großen Wohnung rechnen. Angeboten werden Wohnungen bis zu 190 Quadratmeter im Penthouse. Alle Häuser haben Flachdächer, die begrünt oder teils als Dachterrassen genutzt werden sollen. Alle Wohnungen sind barrierefrei konzipiert, ein Blockheizkraftwerk ist für die Energieversorgung geplant. „Das Erscheinungsbild soll in seiner Gesamtheit als harmonisch, ansprechend und hochwertig wahrgenommen werden“, ist der Wunsch der Architekten, die bereits erste Kaufanfragen haben. Licht, Luft und Sonne, die Qualitäten, die die Wohnlage ausmachen, sollen sich in den städtischen Kontext harmonisch einfügen, ist die Vision der Architekten. Dazu beitragen sollen auch die begrünten Flachdächer. „Sie greifen das Thema ehemalige Gärtnerei auf und haben viele Vorteile“, erklärt Thorsten Arnold. Im Wohngebiet, dessen Straßen alle als Spielstraßen geplant sind, wird zudem mittig ein Spielplatz gebaut. 105 Stellplätze, davon 70 unterirdisch, stehen zur Verfügung. „Bis zum Spätsommer soll der vorhabenbezogene Bebauungsplan fertig sein, wenn er genehmigt ist, kann es losgehen“, informieren die Arnolds, die den Vorteil der Bebauung darin sehen, dass vom Plan bis zur Fertigstellung alles in einer Hand, nämlich der Projektentwicklung GmbH, bleibt und regionale Firmen beschäftigt werden. Geplant sind insgesamt drei Bauabschnitte. 1908 wurde das pfeiffersche Blumengeschäft an der Ecke Herzog-Wolfgang-Straße und Luitpoldstraße gebaut. Es ist heute noch der Wohnsitz der Eltern von Thomas Pfeiffer, Zita und Hans Pfeiffer. Damals war es das einzige Gebäude in dieser Wohnlage weit und breit, auch die Gewächshäuser auf 5000 Quadratmetern standen noch nicht. Das Blumenhaus bestand schon vor 1908, wie eine handgeschriebene Karte von Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck, Ehrenbürger von Bergzabern, beweist, in der er sich für einen Blumengruß aus dem Hause Pfeiffer bedankt. „Stadtnah, offen, grün und lebendig“ soll das Gelände nach mehr als 100 Jahren Pflanzenzucht und Verkauf jetzt mit dem „Wohnpark Alte Gärtnerei“ werden. (pfn)