Kreis Südliche Weinstraße „Genauso wie bei Harry Potter“
„Steigen sie ein zu einer Fahrt in die Vergangenheit“, hieß es am Sonntag. Und viele Neugierige ließen sich dieses Angebot nicht entgehen. „20 Jahre Reaktivierung der Bahnlinie Winden-Bad Bergzabern“ wurde gefeiert. Als Höhepunkt dieses Tages waren auch zwei „ältere Damen“ mit von der Partie: Eine Diesellok, Baureihe 217, aus dem Jahre 1967 und eine 1921 gebaute, altehrwürdige Dampflok der Baureihe 58 („Bundenthaler“) aus der Maschinenfabrik Karlsruhe. Die RHEINPFALZ hörte sich bei den Eisenbahnfans auf dem Bahnhof in Barbelroth um.
Hobby-Fotograf Herbert Schaudt aus Mannheim und sein Kollege Klaus Michel aus Reilingen bei Hockenheim warten schon etwas ungeduldig auf die Schönheiten der Eisenbahngeschichte. Dass es an diesem Sonntagmorgen ziemlich frisch auf dem Feld neben den Schienen ist, stört die beiden „Motiv-Jäger“ nicht im Geringsten. Ihre Kameras stehen bereit. „Ich bin ein Oldtimer-Freak“, erzählt Michel, „vor allem die Eisenbahngeschichte hat es mir angetan. Eine Thermoskanne und ein Brot hat mir meine Frau eingepackt. Denn es geht darum, den richtigen Augenblick festzuhalten – und da muss man eben Geduld haben.“ Sein Fotografen-Freund Schaudt erzählt: „Ich war als Kind fasziniert von den Loks. Es kommt schon öfters vor, dass wir dem ,Dampf’ nachreisen. Es macht einfach Spaß.“ Der kleine Bahnhof Barbelroth strahlt im herbstlichen Sonnenlicht angesichts der vielen Eisenbahnfans. Und die strahlen, weil es nicht nur was zu gucken, sondern auch was Leckeres für den Magen gibt. Die Feuerwehr Barbelroth feierte ihr Feuerwehrfest direkt am Bahnhof. Da vermischen sich Dampf und Steakduft zu einer würzigen Mischung. Und manch ein Fahrgast verschiebt seine Weiterfahrt auf die nächste Stunde. Bei Manfred Scheidt aus Dierbach kommen beim Anblick der alten Loks Kindheitserinnerungen hoch. Der 75-Jährige erzählt: „Bei mir wurde im Alter von drei Jahren ein Tumor im Hals festgestellt. Ein Jahr lang radelten meine Mutter und ich fast jeden Tag zuerst von Dierbach nach Barbelroth, um mit dem ,Zügel’ nach Landau zum Arzt zu fahren.“ Dritte Klasse fuhren Mutter und Sohn. Für mehr reichte das Geld nicht. Die Sitze waren aus Kieferleisten, erinnert er sich noch, das war halt so früher, meint er im Gespräch. Auch die Fahrgäste in den historischen Abteilen sitzen auf Holzbänken. „Das ist toll“, versichert Familie Behrendt aus Kapellen-Drusweiler, „und überhaupt nicht schlimm. Unsere Kinder Lars, Eric und Marlene dürfen ans Fenster und sind ganz begeistert von der Aussicht. Die Bahn rast halt nicht durch die Gegend, sondern zuckelt eher durch die Landschaft.“ 2,40 Euro kostet an diesem Tag eine Fahrt mit der Dampflok zwischen Barbelroth und Bad Bergzabern. Gerhard Stadler aus Dierbach wartet noch auf seine Enkelkinder und dann geht’s los. Der elfjährigen Moritz Burkhard und sein Freund Bastian Broßhardt, zehn Jahre, aus Barbelroth können ihr Maxx-Ticket für die Fahrten benutzen. „Mit einem Schulticket aus der heutigen Zeit, fahren wir mit zwei alten Loks aus der Vergangenheit“, sagen die Beiden lachend, „genauso wie bei Harry Potter.“ Sabine Müller-Hechler aus Kapellen steigt in Barbelroth aus und ist ganz begeistert von der Fahrt: „Ich kann mich noch erinnern, als Schülerin in den 70ern kostete mich eine Fahrt von Barbelroth nach Bad Bergzabern 50 Pfennig.“ Matthias Krauser, 29, aus Ettlingen ist als Zugbegleiter mit dabei. Seit 13 Jahren ist er bei der Deutschen Bahn beschäftigt. Und auch in seiner Freizeit ist er gerne mit den alten Dampfloks unterwegs: „Eigentlich hab’ ich ja Urlaub. Aber die Möglichkeit, bei diesen Zug-Events mitzufahren nehme ich gerne wahr. Mein Opa war Lokführer und hat die Faszination dafür an mich wohl vererbt.“ (alve)