Kreis Südliche Weinstraße Gegen die Stiefmütterlichkeit
„Privatwald führt ein stiefmütterliches Dasein“, findet Willi Rapp. Der frühere Chef der Polizeiwache Annweiler ist seit September Vorsitzender des Waldbauvereins Rauhberg, der die Gemarkungen Spirkelbach, Wilgartswiesen, Hauenstein und Hinterweidenthal betreut. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, den privaten Forst in Schuss zu bringen und zu vermarkten – und dessen Eigentümer bei diesem Prozess zu beraten und zu unterstützen. Denn die meisten Bestände seien schon seit 30 bis 40 Jahren nicht mehr gepflegt worden. „Wenn ich im Pfälzerwald wandere, sehe ich sofort, wenn ich durch Privatwald gehe. Da liegen umgefallene Bäume, viel Totholz“, berichtet Rapp, der seit seiner Pensionierung fast täglich im Grünen unterwegs ist. Der Pfälzerwald ist staatswalddominiert. Eine Insel des Privatwalds liegt aber im Grenzbereich Südpfalz/Südwestpfalz. Deswegen findet es Rapp wichtig, möglichst viele Privatwaldeigentümer mit ins Boot zu holen. „Früher wurde der Wald nur genutzt, um Holz zum Heizen zu haben. Dieses Denken ist immer noch in den Leuten drin“, sagt Rapp. Dabei sollten diese doch mal wirtschaftlich denken. Oft verscherbelten Waldeigentümer aus Unwissenheit ihre Grundstücke für einen Apfel und ein Ei – für 10 bis 20 Cent pro Quadratmeter. „Dabei liegt allein der Bodenwert bei rund 40 Cent, dazu kommt der Baumbestand“, erläutert Andreas Eichenlaub. Würden die Eigentümer ihren Wald durchforsten statt brachliegen lassen, kämen auch wieder Einnahmen rein – die den jährlichen Ausgaben für Grundsteuer, Wegebeitrag, Berufsgenossenschaftsmitgliedschaft und eventuell Versicherungen gegenüberstünden. Eichenlaub ist Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Pfalz mit Sitz in Schindhard, unter der elf Waldbauvereine zusammengeschlossen sind. Betreut wird ein Areal, das im Zuständigkeitsbereich der Forstämter Annweiler, Hinterweidenthal, Wasgau und Kusel liegt. Die Vereinigung wurde Ende 2013 als fünftes Pilotprojekt zur Holzvermarktung aus Privatwald gegründet. Gefördert wird die GmbH über Landesmittel, die jährlich abschmelzen. „Derzeit liegen diese bei 40.000 Euro pro Jahr“, so Eichenlaub. Die Gewinne oder Verluste – bisher waren es immer Gewinne – bekämen die angeschlossenen Waldbauvereine. Der selbstständige Forstsachverständige arbeitet auf Honorarbasis. „Im vergangenen Jahr haben wir im Bereich Pfalz 25.000 Festmeter Holz geerntet, davon 1500 Festmeter im Gebiet des Waldbauvereins Rauhberg.“ Die Forstwirtschaftliche Vereinigung Pfalz habe 2015 einen Jahresumsatz von 1,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Dafür wurden Unternehmerkosten von 550.000 Euro vorfinanziert, rechnet Eichenlaub vor. Denn wenn sich der Privateigentümer für eine Durchforstung seines Waldes entscheidet, müsse er nicht in Vorkasse treten, weist Eichenlaub auf einen Vorteil hin. Fünf Prozent des Holzerlöses nimmt die Vereinigung als Gebühr bei größeren Projekten, bei denen sie sich um alles kümmere – von der Holzvermessung bis zum Verkauf. Fällt der Waldeigentümer selbst Holz, das die Vereinigung abholt und dann für ihn vermarktet, fällt eine Gebühr von drei Prozent an. „Wir müssen kostendeckend arbeiten, Gewinnmaximierung ist nicht unsere oberste Prämisse“, so Eichenlaub. Der Waldbauverein Rauhberg hat derzeit 120 Mitglieder. „Aber es gibt wesentlich mehr, die Wald haben“, so Rapp. „Nur rund ein Viertel der Privatwaldfläche in unserem Gebiet ist auch über Waldbauvereine organisiert“, überschlägt Eichenlaub. Deswegen hofft er auf mehr Zulauf. Denn rund Dreiviertel der Privatwaldfläche sei kleinparzellig. In der Region seien 2500 Quadratmeter der Durchschnitt. Diese Parzellengröße erfordere oft eine Bewirtschaftung in einem Gemeinschaftsprojekt, zum Beispiel weil manche Grundstücke nur über andere zugänglich sind. Die Probleme: Oft wohnen die Eigentümer gar nicht mehr im Ort. Manche Besitzer wanderten einst in die USA aus. In anderen Fällen stehen zerstreute Erbengemeinschaften dahinter. Oder im Grundbuch ist ein Eigentümer aus dem Jahr 1819 eingetragen, der sicherlich nicht mehr lebt. Viele Eigentümer wissen gar nicht genau, wo ihr Grundstück ist. Auch an der Erschließung hapert es, wie Rapp und Eichenlaub aus Erfahrung berichten. Über einen Zusammenschluss ließen sich die Arbeiten einfacher und günstiger koordinieren. Zudem beraten die Waldbauvereine – immer in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Privatwaldbetreuer bei Landesforsten. Dieser zeichnet bei Holzernteprojekten auch die Wälder aus und begleitet den Einschlag, den Forstfirmen übernehmen. Aber bleibt bei Privatinteressen nicht die nachhaltige Forstwirtschaft auf der Strecke? „In ein, zwei Fällen wünschten Eigentümer auch mal einen Kahlschlag“, berichtet Eichenlaub. Kahlschläge seien laut Landeswaldgesetz bis zu einer bestimmten Größe erlaubt. „In 99,5 Prozent machen wir aber nur normale Durchforstungen – und in den meisten Fällen sind es Erstdurchforstungen, weil schon so lange nichts mehr in den Wäldern gemacht wurde.“ Termin Fachtagung beim Waldbauverein Rauhberg morgen, 9 Uhr, in der Gaststätte Hydrant in Wilgartswiesen. Andreas Eichenlaub gibt eine waldbauliche Schulung. Für Mitglieder kostenlos, Nicht-Mitglieder zahlen acht Euro. Anmeldung bei Willi Rapp unter Telefon 06392 3369.