SÜW
Freie Bahn für Fische: Queich wird durchgängig gemacht
Etliche Mühlen und Wehranlagen zieren den Verlauf der Queich. Doch für Wasserlebewesen sind sie ein unüberwindbares Hindernis bei ihren Wanderungen. Deswegen sollen die steilen Gefälle geebnet werden. Diese Idee hatte der Landkreis Südliche Weinstraße bereits vor 13 Jahren verfolgt. Damals ließ er ein Konzept erarbeiten, um den Gewässerzustand der Queich für Wasserlebewesen zu verbessern. Eine Liste von neun Bauwerken wurde zusammengestellt, an denen die Gefälle geebnet oder Umgehungsrinnen und Aufstiegshilfen gebaut werden sollen. Drei Jahre später wurde an der Kindinger Mühle bei Siebeldingen eine Raue Rampe errichtet. Doch dann wurde es ruhig um das Thema. Nun kommt wieder Bewegung in die Sache.
Denn das Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist klar: Möglichst viele Fließgewässer, Seen und Grundwasser sollen in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden. Dazu gehört es auch, die Gewässer für Fische und wirbellose Kleinlebewesen wieder passierbar zu machen, damit sie ungehindert zwischen ihren typischen Nahrungs-, Laich- und Rückzugslebensräumen wandern können.
Die Geschichte der Tischfabrik
Konkret wird es bald bei Rinnthal. Bei der alten Tisch- und Stuhlfabrik startet in Kürze der Bau eines Fischpasses, wie die Kreisverwaltung ankündigt. Das alte Mühlrad dort zeugt noch von der Geschichte des Gebäudes. Wann genau es gebaut wurde, ist nicht klar. Es gibt einen Erbbestandsbrief, der das Mahlen von Getreide in der Mühle erlaubt. Datiert vom 11. April 1725. So alt ist die Mühle also auf jeden Fall. Unter der Regie der Ullmers verwandelte sich die Getreidemühle in einen holzverarbeitenden Betrieb. Vier Generationen der Familie gehörte das Anwesen, die die Kraft der Queich für den Antrieb des Sägewerks nutzten. Über 100 Jahre war die Stuhlfabrik der Arbeitgeber schlechthin im Ort. Ende der 1970er-Jahre waren dort um die 80 Leute beschäftigt, wie sich der einstige Geschäftsführer der Tisch- und Stuhlfabrik, Klaus Schwarz, erinnert. Irgendwann rentierte sich das Mühlrad nicht mehr. Seit Ende der 1980er steht es still. Seit rund 20 Jahren ist die Mühle in Privatbesitz. Stephan Geiger hat sich dort mit seinem Piano- und Cembalo-Betrieb eingerichtet.
Das Holzrad klappert nicht mehr, das Wehr steht offen. Trotzdem ist es mit seinem halben Meter Fallhöhe ein unüberwindbares Hindernis für Fische. Deshalb soll ein sogenannter Vertical Slot entstehen – vier Becken mit jeweils 14 Zentimetern Höhendifferenz und rund zwei Metern Breite. Die Trennwände werden mit vertikalen Schlitzen versehen, durch die die Tiere schlüpfen können. Laut Kreisverwaltung soll das Vorhaben in den kommenden Wochen umgesetzt werden. Den Auftrag hat die Schleith GmbH aus Karlsruhe für 206.000 Euro als wirtschaftlichster Bieter erhalten. Das Projekt wird zu 90 Prozent über das Landesprogramm „Blau plus“ gefördert.
Plan für naturnahen Fluss
Und was ist außerdem nötig, damit Fische entlang der Queich nicht mehr ausgebremst werden? Dafür hat die Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltplanung aus Wiesloch im Auftrag der Kreisverwaltung SÜW einen Entwurf für einen Gewässerpflege- und Entwicklungsplan erstellt. „Die Planung bezieht sich bewusst auf Bereiche außerhalb geschlossener Ortslagen, denn dort haben wir mehr Handlungsspielräume“, erklärt Sabine Huber von der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung. Denn es geht bei dem Konzept nicht nur um die Durchgängigkeit des Gewässers, sondern auch um deren Renaturierung.
In dieser Hinsicht gebe es Licht und Schatten, macht der Planungsbeauftragte Roland Marthaler deutlich. Manche Abschnitte seien naturnah, etwa unterhalb der Queichmühle bei Offenbach: „So sollte es aussehen: mit Totholzablagerungen, Sandbänken, Prallbäumen und einer guten Wasserqualität.“ An anderen Stellen sei das Queichufer verbaut, der Gewässerrandstreifen viel zu schmal oder gar nicht erst vorhanden. Die Verwaltung sieht deshalb noch Kommunikationsbedarf mit den Grundstückseigentümern. Nun soll der Entwicklungsplan für die Queich inklusive Prioritätenliste fertiggestellt werden.