Kreis Südliche Weinstraße „Frauen sensibler für Bioprodukte“

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BÖCHINGEN. Die Frage, ob Biowein zu teuer sei, beantwortete der 57-Jährige mit Nein. Sauer ist einer der höchstdekorierten Biowinzer in der Pfalz. Die im Interview verwendeten Zahlen stammen aus einer Studie zum Konsum von Biowein in Europa, bei der auch der deutsche Markt intensiv unter die Lupe genommen wurde. Auftraggeber war ein französischer Handelsverband in Zusammenarbeit mit einem demoskopischen Institut. 64 Prozent der Deutschen haben Interesse an Wein, aber nur 32 Prozent haben schon einmal Biowein getrunken. Wie sieht Ihre Erklärung dazu aus? Das halte ich für normal, dass nicht mehr als 32 Prozent der Weinkonsumenten schon einmal Biowein getrunken haben. Das ist immerhin die Hälfte der Weininteressenten in Deutschland. Ich halte diesen Wert durchaus für steigerbar, weil ich davon ausgehe, dass in Zukunft die Zahl der Biowein-Produzenten und -Konsumenten steigt. Nur vier Prozent der Weinfreunde trinken regelmäßig Biowein, warum so wenige? Zunächst ist festzustellen, dass nicht mehr Biowein getrunken werden kann, als erzeugt wird. Natürlich würde eine stärkere Nachfrage auch mehr Winzer zur Umstellung motivieren. Aber die klassischen Bio-Konsumenten sind nicht unbedingt die klassischen Weintrinker, so hinkt der Biowein-Konsum dem Konsum von Bio-Lebensmitteln prozentual hinterher. Was unterscheidet eigentlich Biowein von herkömmlich angebautem Wein? Das ist ein weitreichendes Thema. Ich will es kurz umreißen. Den Hauptunterschied sehe ich in der Erzeugung, also beim Weinanbau. Wir verzichten auf chemische Düngemittel, Pestizide, Herbizide und gentechnisch veränderte Stoffe. Auch bei der Weinbereitung wird auf eine Vielzahl von Zusatzstoffen verzichtet. Bioweine sind umweltfreundlich und nachhaltig erzeugt. Die Weine sind nicht oder nur geringfügig belastet. Was nicht angewendet wird, hinterlässt auch keine Spuren. Mehr Frauen (52 Prozent) trinken Biowein als Männer (48 Prozent). Gibt es hierfür eine Erklärung? Frauen wissen halt, was gut ist (lacht). Ich denke, das liegt daran, dass Frauen sensibler für Bioprodukte ganz allgemein sind und auch weniger vorurteilsbehaftet. Deshalb greifen sie meines Erachtens etwas häufiger zum Biowein. 63 Prozent der Befragten sagen: Biowein ist zu teuer. Stimmt das? Warum kostet Biowein etwas mehr? Das ist zum Teil auch eine Schutzbehauptung derer, die die Weine ohnehin nicht kaufen. Biowinzer betreiben einen höheren Aufwand und haben geringere Erträge. Verglichen mit anderen Bioprodukten, zum Beispiel Äpfeln, ist der Preisunterschied zwischen biologisch und konventionell erzeugten Weinen tendenziell geringer. Der Marktanteil an Bioweinen nimmt stetig zu. Wären diese zu teuer, würde das nicht gelingen. Sollte nach Ihrer Ansicht viel eindringlicher darauf hingewiesen werden, dass Biowein umweltfreundlich ist (50 Prozent sagen das)? Aufklärung ist immer gut, aber eindringliche Aufklärungen finde ich etwas problematisch, da geht der Schuss leicht nach hinten los. Die Einsicht der Notwendigkeit eines ökologischen Wandels braucht Zeit und muss „organisch“ wachsen. Nur 23 Prozent der Biofreunde kaufen ihren Wein beim Erzeuger – was muss denn getan werden, um dies zu ändern? Die Frage ist, ob ich das ändern will. Soll ich alle Weinkäufer aus Hamburg, die bei einem Weinhändler gut beraten werden und meinen Wein einkaufen, überreden, zu mir und meinen Kollegen in die Pfalz zu kommen? Natürlich freuen wir uns über jeden Kunden, der uns besucht. Viel wichtiger finde ich, insgesamt mehr Biowein zu verkaufen. Die Verkaufsstätte hat nicht die erste Priorität. Schmecken Sie, ob Sie einen Bio- oder einen herkömmlich erzeugten Wein im Glas haben? Die Frage, schmeckt Biowein anders beziehungsweise besser oder schlechter, ist so alt wie der biologische Weinbau selbst. Es gab schon einige mir bekannte Blindverkostungen zu diesem Thema, die keine signifikanten Ergebnisse zu Tage brachten. Blind erkennen, aus welchem Lager der Wein kommt, kann ich nicht. Ich könnte bestenfalls eine Tendenz aussprechen. Wird von der Weinwirtschaft irgendwann einmal mehr Biowein als anderer angeboten? Das möchte ich nicht ausschließen, aber ich kann nicht in die Zukunft sehen. Als ich 1987 begann, biologisch zu wirtschaften, taten das etwa 0,1 Prozent der Winzer. Heute sind es mehr als sieben Prozent, allein in den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl verdoppelt. Mal sehen, wie es weitergeht.

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