Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Fotograf und Fotokünstler Richard Stöbener feiert am Freitag seinen 90. Geburtstag

Der Trifels ist eines der beliebtesten Motive von Richard Stöbener.
Der Trifels ist eines der beliebtesten Motive von Richard Stöbener.

Die Leidenschaft zur Fotografie und die Liebe zur Natur haben sein Leben bestimmt. Richard Stöbener, „der Wasgau-Indianer“, wie eine Foto-Fachzeitschrift den „Jäger mit der Kamera“ einst bezeichnet hat, feiert am heutigen 19. Februar in Bad Bergzabern seinen 90. Geburtstag.

Es ist sehr ruhig geworden um Richard Stöbener. Auftritte gibt es nicht mehr, die Kontakte zur Außenwelt hat Stöbener auf ein Minimum reduziert, ein Telefon besitzt er nicht mehr. 2017 hat er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um seinen Nachlass zu regeln.

Über 2000 Dia-Vorträge hat Stöbener seit 1955 in ganz Deutschland gehalten. Seine Projektoren und Leinwände hat er inzwischen dem Deutschen Film- und Fototechnik-Museum in Deidesheim vermacht. Seine geliebten Leica-Kameras hat er verkauft. Geblieben sind ihm Kisten mit Dias, unzählige Ordner mit Fotografien stapeln sich in seiner Bad Bergzaberner Wohnung. Sie legen Zeugnis ab über ein außergewöhnliches Künstlerleben. Über das Leben eines Fotokünstlers. „Mein Vasgovia“ soll Stöbeners letztes Buch heißen, sein Vermächtnis soll es sein. Ob es tatsächlich erscheinen wird, ist offen.

Fotografiert hat er nur im Wasgau

Fotograf wurde Richard Stöbener eher zufällig. Er ist Autodidakt. Geboren wurde er 1931 in Erlenbach bei Dahn als Sohn eines Holzschuhmachers. Diesen Beruf sollte auch er erlernen, fand aber keine Freude daran. „Ich habe manchmal absichtlich Löcher in das Holz gebohrt“, erzählte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ, „dann hat mich mein Vater nach draußen geschickt.“ Mit seiner Kuh streifte er durch die Gegend. Ab 1949 begleitete ihn auch seine geliebte Leica-Kamera. Nach der Währungsreform hatte er genug Geld gespart, um sich eine Leica IIIC kaufen zu können. Stöbener arbeitete in einer Strumpffabrik in Bad Bergzabern. „Der Lohn reichte damals gerade aus, um sich jedes Jahr ein neues Objektiv zu kaufen.“ 1958 musste die Fabrik schließen, Stöbener begann, sein Leben ganz der Fotografie zu widmen.

Fotografiert hat er nur im Wasgau. Die schroffe Landschaft mit ihren kegelförmigen Bergen, den Sandsteinfelsen und den zahlreiche Burgruinen hat Stöbener nie losgelassen. Und er hat sie in ganz Deutschland bekannt gemacht. Wichtig ist ihm, dass der Wasgau keine Grenze hat, die deutsch-französische Grenze hat für ihn nie existiert. Er war im Elsass und in Lothringen immer genauso daheim wie in der Pfalz.

Immer auf der Jagd nach dem perfekten Foto

Stöbener war immer auf der Jagd nach dem perfekten Bild. Und es hat manchmal Jahre gedauert, bis er es endlich geschossen hatte. „Ich habe mit einem ganz speziellen Kalender gearbeitet.“ Jedes Jahr war er immer am gleichen Tag zur gleichen Uhrzeit an derselben Stelle, um Fotos zu machen. Bis er endlich das perfekte Bild hatte. Perfekt für das Auges des Künstlers.

Dunst- und Nebelschwaden gehören zu Stöbeners Fotos ebenso wie grelles Licht und Wolken. Oder Wetterphänomene wie Blitze. Und natürlich die Burgen und Klöster der Region. Stundenlang streifte er geduldig durch die Gegend, um die perfekte Aufnahme zu bekommen. Eine Fotografie am Computer zu bearbeiten, kam für ihn nie infrage.

Letzte Dia-Show vor 500 Besuchern

1955 hielt Stöbener in Bad Bergzabern seinen ersten Diavortrag. Es war der Start zu einem Leben als Vortragsreisender. Ab 1960 stand er bei der Firma Leica unter Vertrag. Mit 400 bis 500 Dias arbeitete er pro Vortrag. In späteren Jahren setzte er acht Projektoren ein. Immer begleitete ihn seine Frau Margot auf seinen Reisen quer durch Deutschland, Österreich oder Südtirol. Kurz nach seinem 80. Geburtstag starb seine Frau. „Sie hat mir stets den Rücken frei gehalten. Sie war meine Managerin, meine Begleiterin, meine große Liebe und meine beste Freundin“, sagte Stöbener zur RHEINPFALZ. 2013 gab er vor rund 500 Besuchern seine letzte Freiluft-Dia-Show auf Burg Altdahn.

Richard Stöbener im Jahr 2011.
Richard Stöbener im Jahr 2011.
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