Südpfalz
Folter und Tötung: Verdächtiger Somalier in der Südpfalz festgenommen
Die Vorwürfe gegen einen 29-Jährigen mit somalischer Staatsbürgerschaft sind heftig: Er soll in Libyen Migranten gefoltert und einen Minderjährigen getötet haben. Deshalb ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete, wurde der Mann vor Kurzem festgenommen. Um den Ort der Festnahme gab es allerdings Irritationen.
„Der somalische Staatsbürger wurde aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Zweibrücken festgenommen“, hieß es am Freitag in einer Meldung der dpa, die die RHEINPFALZ übernommen hatte. Am Montagmorgen stellte der Zweibrücker Generalstaatsanwalt Martin Graßhoff aber klar, „dass die Festnahme des Verfolgten am 30. Juli nicht in Zweibrücken, sondern in einem Ort in der Südpfalz erfolgt ist“. Wo genau der mutmaßliche Täter festgenommen wurde, wolle er „nicht näher konkretisieren“, so Graßhoff weiter.
Somalier seit 2024 als Asylbewerber in der Südpfalz
Wie es dazu kommen konnte, dass zunächst berichtet wurde, der Somalier sei in Zweibrücken festgenommen worden, kann der Generalstaatsanwalt nur mutmaßen. „Der falsche Festnahmeort (...) kam vermutlich dadurch zustande, dass die Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken, die für Auslieferungsverfahren pfalzweit zuständig ist, das Verfahren führt.“
Auf RHEINPFALZ-Nachfrage teilt Graßhoff mit, dass sich der Verfolgte seit Anfang 2024 als Asylbewerber in der Südpfalz aufgehalten habe. Polizeilich sei er bislang in Deutschland nicht in Erscheinung getreten. „Nach Vornahme der internationalen Fahndung durch die italienischen Behörden erfolgten zeitnah die notwendigen Ermittlungen und die Festnahme des Verfolgten.“ Seitdem befinde er sich in Auslieferungshaft.
Minderjährigen in libyschem Lager getötet?
Ob von dem 29-Jährigen eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgegangen ist, kann Graßhoff nicht mit Sicherheit sagen. „Da der Verfolgte nach Bekanntwerden der Vorwürfe zum Zwecke der Auslieferung festgenommen wurde, hat eine Gefährdungsbewertung bezüglich des Verfolgten nicht stattgefunden“, teilt er mit. „Im Hinblick auf das Nichtvorliegen von Straftaten in Deutschland ist aber davon auszugehen, dass eine Gefährdung der Bevölkerung zu keiner Zeit vorlag.“
Das sah in Libyen wohl anders aus. Zusammen mit „zahlreichen anderen derzeit nicht identifizierten Personen“ wird der Mann für „die Verbrechen einer transnationalen kriminellen Vereinigung verantwortlich gemacht“, heißt es laut dpa von der Polizei in Palermo. Ziel sei die illegale Überführung zahlreicher Ausländer nach Italien. In einem Lager in der libyschen Stadt Bani Walid solle der Mann Menschen überwacht, gefangen gehalten und gefoltert haben, um Geld von deren Angehörigen für die Freilassung und die anschließende Überfahrt auf See zu erpressen.
In dem Lager in Syrien soll der 29-Jährige einen Minderjährigen getötet haben. Nach Angaben der Polizei wehrte sich das Opfer gegen einen sexuellen Übergriff. Der Verdächtige wollte den Vorwürfen zufolge den Übergriff filmen, um mit dem Video Druck auf die Familie auszuüben und Lösegeld zu erpressen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft begannen laut dpa-Informationen im Juni 2023. Damals hatte ein Migrant nach seiner Ankunft auf der italienischen Insel Lampedusa Anzeige erstattet, wie es hieß. Weitere Zeugen bestätigten demnach seine Aussagen.