Kreis Südliche Weinstraße „Flora und Fauna bleiben erhalten“
Zugewachsen mit Büschen und Sträuchern, dazwischen einige Weinberge, so sah der St. Martiner Wingertsberg, der Hausberg der Gemeinde mit einer Steigung von 40 Prozent, bis vor einigen Jahren aus. Heute ist er die einzige bewirtschaftete Weinbergssteillage mit Terrassen in der Pfalz. Zwischen den Weinbergen sind ökologisch wertvolle Flächen, die beweidet werden. Die Flurbereinigung Wingertsberg hat diese Veränderung bewirkt, am Freitag wurde sie offiziell abgeschlossen.
Lange Zeit kein Geld da
Ihr ist eine lange Geschichte vorausgegangen. Die ersten Überlegungen und Gespräche für eine Flurbereinigung am Wingertsberg gab es Anfang der 90er-Jahre, sagen Michael Kiefer, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung, und der Maikammerer Verbandsbürgermeister Karl Schäfer (CDU). Eigentlich sollte der Wingertsberg der sechste Abschnitt der Weinbergsflurbereinigung auf St. Martiner Gemarkung werden, erzählt Barbara Meierhöfer, Leiterin der Abteilung Ländliche Bodenordnung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR). Doch daraus wurde nichts. Zuerst habe das Kulturamt, die Vorgängerbehörde der heutigen DLR-Abteilung, keine Zeit gehabt, berichtet Kiefer. Zudem sei kein Geld für die aufgrund der Lage recht teure Flurbereinigung am Wingertsberg vorhanden gewesen, meint Reinhold Hörner, Präsident des Weinbauverbands Pfalz. Und dann wurde der Wingertsberg zum Vogelschutz- und Naturschutzgebiet. Es sei klar gewesen, dass eine Flurbereinigung nur noch in Zusammenarbeit mit den Vertretern des Naturschutzes funktioniere, sagt Schäfer. Mit Unterstützung des früheren Weinbau-Staatssekretärs Günther Eymael (FDP) sei es gelungen, den Naturschutz einzubinden.
Diskussionen mit Naturschützern
Meierhöfer bezeichnet es als eine der Besonderheiten der Flurbereinigung am Wingertsberg, dass es gelungen sei, sowohl die Belange der Bewirtschaftung als auch des Naturschutzes einzubeziehen und beide aufzuwerten. Schäfer und Kiefer verschwiegen nicht, dass das mit manchen Schwierigkeiten und Diskussionen verbunden war. So hätten die Naturschützer zunächst gefordert, dass nur eine kleine Fläche bewirtschaftet werden darf, sagt Kiefer.
Gelände gehört 150 Besitzern
Das war aber nicht der einzige Aspekt, der das Projekt „sehr spannend“ gemacht habe, sagt Schäfer. Das Gelände am Wingertsberg gehörte etwa 150 verschiedenen Besitzern. Einige hätten gar nicht gewusst, dass sie dort irgendwann Grundbesitz geerbt haben, erzählt Kiefer. Doch so mancher hätte an dem Berg mit der herrlichen Aussicht gern gebaut, berichtet Schäfer. Eine Bebauung ist aus Gründen des Naturschutzes aber nicht zulässig.
Ergebnis kann sich sehen lassen
2006 bis 2009 wurde der Wert des Geländes ermittelt, 2010 war die Planfeststellung und die Flurbereinigung wurde offiziell gestartet. Die Arbeiten waren durchaus aufwendig, wie Meierhöfer berichtete. 3,5 Hektar mit Büschen zugewachsene Flächen wurden freigelegt. Terrassen wurden angelegt, alte Trockenmauern wieder hergerichtet, Gabionenmauern gebaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, sind sich alle einig. „Wir schaffen gern in den Terrassen und sind zufrieden“, sagt Kiefer. Acht Winzerbetriebe bewirtschaften die Weinbergsfläche am Wingertsberg. Zur Bewirtschaftung können Maschinen eingesetzt werden, jedoch keine Vollernter. Wie Kiefer berichtet, wurde eine Bewässerungsanlage installiert, denn bei den Terrassen sei Tröpfchenbewässerung erforderlich. Zwei „kleine Ernten“ hatten die Winzer am Wingertsberg schon.
Einzige Weinbergssteillage der Pfalz
„Flora und Fauna konnten erhalten werden“, betont Barbara Meierhöfer. Der Wingertsberg sei mit Sand- und Magerrasenflächen, lichten Waldbereichen und Weinbergen sehr vielfältig. Damit das Gelände nicht wieder zuwuchert, wird es beweidet. Der St. Martiner Ortsbürgermeister Timo Glaser nennt weitere Pluspunkte der Flurbereinigung Wingertsberg. Das Ortsbild sei aufgewertet worden, was zur Stärkung des Tourismus beitrage, sagt der Christdemokrat. Zudem sei in St. Martin nun die einzige Weinbergsteillage in der Pfalz.