Offenbach
Flammkuchen-Profi erweitert und kündigt neue Spezialität an
Andreas Hutter hat sich festgelegt: „Das ist unser langsamster Mitarbeiter.“ Keine Sorge: Er stellt jetzt keinen Mitarbeiter seiner 56-köpfigen Mannschaft bloß.
Der Südpfälzer meint die Kaffeemaschine, die er eben für einen Espresso angeworfen hat. Ansonsten läuft es beim selbst ernannten Flammkuchen-Profi in Offenbach reibungslos. Das wird im Gespräch mit dem 66-Jährigen deutlich. Die Wachstumskurve zeige stets nach oben.
Rund 50.000 Flammkuchen produziert das Offenbacher Unternehmen täglich. Dafür gibt es dort drei Schichten an der Backstraße. Reste fallen keine an, es gebe genügend Abnehmer in der Südpfalz und über die Grenzen der Region hinaus. Flammkuchen aus dem Hause Hutter werden sogar in Bangkok und Singapur serviert. Auf Messen sei der Kontakt zu Kunden in Asien entstanden, sagt der Firmenchef. „Dort sind sie aber für Touristen gedacht.“ Die Spezialitäten werden in Südostasien für umgerechnet sechs Euro verkauft, das könnten sich nicht alle Einheimischen leisten.
Welche Flammkuchen in Asien gegessen werden
Von den sieben Flammkuchen-Variationen, die man in der Südpfalz in verschiedenen Formen und Größen produziere, gehe der Klassiker mit Speck und Zwiebeln am besten. Der Elsässer werde auch nach Thailand geliefert, während in Singapur eher die Basis, also ein mit Schmand bestrichener Teigboden, bestellt werde. „Die Toppings machen sie dort selbst“, berichtet Hutter. Bei uns beliebt sei auch der Flammkuchen mit Hirtenkäse und Peperoni. An dritter Stelle folge die vegane Produktlinie. Seine Tochter Lea, selbst Veganerin, habe diese ins Programm gebracht – mit Erfolg. Sie mache aktuell etwa zehn Prozent des Verkaufs aus, sagt Hutter. Beim Umsatz hat die GmbH schon längst die Zehn-Millionen-Euro-Marke geknackt.
Gerade jetzt, in der bevorstehenden warmen Jahreszeit, werden wieder so einige Flammkuchen aus ihrem Hause in den Ofen geschoben. Denn mit den Festen, die nun anstehen, steige auch die Nachfrage. So werden in den Spitzenzeiten alle 350 Leihöfen, die man im Besitz habe, im Umlauf sein. Sei es bei einer Feier des Tennisclubs, beim Aktionstag eines Autohauses, einer privaten Fete oder eben bei einem Weinfest. Dadurch, dass ihre Flammkuchen im Steinofen vorgebacken sind, gelängen sie auch im heimischen Ofen, erklärt Hutter. Sein Tipp: für sechs Minuten bei 250 Grad Ober- und Unterhitze rein.
„700 Leute verkaufen meine Flammkuchen“
Ihre Spezialitäten vertreibt die Gesellschaft auch über den Lebensmitteleinzelhandel. Anfangs schaffte sie es ins Kühlregal von SBK Kissel in Landau und Umgebung. Inzwischen liegen ihre Produkte auch außerhalb der Pfalz in den Kühltruhen der Supermärkte. In Offenbach wird zudem für die Eigenmarken der Märkte Flammkuchen produziert.
Ein weiteres wichtiges Standbein sei das Geschäft, das über die 80 Großhändler europaweit abwickelt werde. „Im Prinzip sind um die 500 bis 700 Menschen unterwegs, um meine Flammkuchen zu verkaufen“, sagt Hutter. Diese gehen dann an die Gastronomie. Da die Branche besonders an den Corona-Einschränkungen zu knabbern hatte, litt auch der Offenbacher Betrieb. Zusammengerechnet mehr als ein Jahr hatte man zusperren müssen.
Wieso der Flammkuchen Profi erweitert
Aufgrund der damaligen wirtschaftlich unsicheren Zeit verschob sich auch der Bau des Tiefkühllogistikzentrums. 2020 sollte es losgehen. Später verzögerte sich das Ganze zusätzlich wegen der längeren Bearbeitungszeit des Bauantrags in der Verwaltung. Ende vergangenen Jahres wurde dann der Grundstein gelegt. Bis Herbst sollen die Arbeiten fertig sein. Die Investition, die sich inklusive der Ausstattung auf etwa fünf Millionen Euro belaufen wird, lohne sich, sagt Hutter.
Wegen der beengten Verhältnisse im bestehenden Firmengebäude spiele man Tetris. Die Sachen werden hier und dort gestapelt, um alles unterzubekommen. Außerdem musste ein Teil der Ware bisher mangels Platz ausgelagert werden, und zwar in Kühlhäusern in der Umgebung. Der logistische und auch finanzielle Aufwand, der daraus folgt, entfällt. In dem Anbau gebe es mehr als genug Platz. Rund 1700 der 2300 möglichen Stellplätze für Tiefkühlpaletten brauche man selbst, die restlichen würden vermietet.
Welche neuen Kreationen verkauft werden
Davon abgesehen, dass das Logistikzentrum auch in Sachen Energieeffizienz neue Standards erfüllen wird, können durch eine PV-Anlage zusätzlich Energiekosten eingespart und der Klimaschutz vorangebracht werden. Etwa 700.000 Kilowattstunden Strom werde man durch die Kraft der Sonne gewinnen. Das entspreche etwa Zweidrittel der Energie, die man benötigt.
In dem neuen Tiefkühllager werden erstmals auch saisonale Flammkuchen gelagert. So wird in Kürze eine mit Spargel belegte Variation produziert, für den Herbst kündigt Andreas Hutter einen Flammkuchen mit Kürbis an.
Die Liebe für Flammkuchen entdeckt
Es brauche stetig neue Ideen, um weiter wachsen zu können, sagt Hutter mit Blick auf die Firmengeschichte. Sie begann schon im Jahr 1975 mit einem Besuch im Elsass. Dort entdeckte er seine Liebe zum Flammkuchen. Er beschloss, das französische Traditionsgericht in seine Pfälzer Heimat zu bringen.
1982 wurde der Betrieb hochgefahren, damals noch in Landau. Von 1993 bis 2010 war das Unternehmen in Walsheim beheimatet. Weil das rund 750 Quadratmeter große Domizil mit der Zeit zu klein wurde, stand 2010 der Umzug nach Offenbach an, wo man sich auf rund 11.000 Quadratmetern ausbreitete. Inzwischen sind mit Lea und Luca beide Kinder nach ihrem Studium in die Firma eingestiegen, weshalb sich Hutter nun als Seniorchef bezeichnet.