Kreis Südliche Weinstraße Flüchtlinge ziehen in Kreisaltenheim ein
Mitte Februar werden vermutlich die ersten Flüchtlinge in das ehemalige Kreisaltenheim in Bad Bergzabern einziehen. Zimmer für 14 Personen sind im Altbau, dem an das Schloss angrenzenden Teil des Gebäudes, geplant. Dieses gehört seit September vergangenen Jahres der Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern.
„Derzeit werden im Obergeschoss des Altbaus, der dann zur Verfügung steht, die Zimmer und die Küche eingerichtet“, informiert der Vorstand der Sozialstation und Pfarrer der Kirchengemeinden Vorderweidenthal und Dimbach, Johannes Berthold. Im September 2015 hatte die Sozialstation das Gebäude vom Landkreis Südliche Weinstraße, der das Altenheim Ende 2013 geschlossen hat, zum Preis von 600.000 Euro gekauft. „Es ist eine öffentliche Aufgabe und es ist ein Bedarf da, darauf reagieren wir“, lautet die Begründung von Berthold für die Zustimmung zur Unterbringung von Asylsuchenden. Dass das Haus nach Bedarf für soziale Projekte genutzt werden soll, sei Teil des Gesamtnutzungskonzepts, so Berthold. Er habe das Konzept dem Kreis, der Stadt und dem Seniorenbeirat vorgestellt. „Die Bewohner sollen dann möglichst schnell dezentral untergebracht werden“, sagt Berthold. Vermieten wird die Sozialstation die gut 250 Quadratmeter an die Verbandsgemeinde, die inzwischen Mieter von rund 60 Immobilien ist, in denen Flüchtlinge untergebracht sind. „Wir schließen die Mietverträge ab und statten die Wohnungen aus, das Geld bekommen wir vom Kreis zurück“, informiert der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Martin Engelhard. „Es ist schon immer Christenpflicht gewesen, Menschen in Not zu helfen“, sagt Pfarrer Johannes Berthold. Er kenne das Gefühl, fremd und nicht willkommen zu sein. Seine Familie habe ihn mit knapp einem Jahr aus der DDR „gebracht“, die Aufnahme in der Bundesrepublik habe er nicht als freundlich empfunden. „Begriffen habe ich erst mit 20 Jahren, dass wir damals Kartoffelkäfer genannt wurden“, erzählt er aus seiner Lebensgeschichte. „Sie haben alles zurückgelassen, sie gehen weg, weil nichts mehr geht, viele sind traumatisiert“ , sagt er zu denen, die heute Asyl suchen. Und verweist auf die sechs Werke der Barmherzigkeit in der Bibel, zu denen Essen, Trinken und Kleidung für Bedürftige als Gebot der Nächstenliebe gehören. Für die Sozialstation wird in diesem Jahr der Umbau des ehemaligen Kreisaltenheims anstehen. Rund 850.000 Euro Kosten sind veranschlagt, über das Förderprogramm „Innenstadtsanierung“ gab es für das Gebäude 178.000 Euro. Entgegen der ursprünglichen Planung werden die Geschäftsräume der Sozialstation, die mit mehr als 100 Mitarbeitern täglich ungefähr 400 Patienten versorgt und derzeit in Klingenmünster mit äußerst beengten Verhältnissen klar kommen muss, jetzt im Obergeschoss des Neubaus eingerichtet. Für die Nutzung des Untergeschosses sei man in Gesprächen mit der Diakonie und dem Pflegestützpunkt, er könne sich auch einen Raum für eine Tagesgruppe Demenz vorstellen, informiert Berthold. Für Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge engagieren oder dies tun wollen, weist er auf Seminare der Diakonie hin. (pfn) Info www.diakonie-pfalz.de