Bad Bergzabern
Fehlt es an Spielplätzen in der Kurstadt?
„Ich ärgere mich jeden Tag, wenn ich vorbei gehe“, sagt Ulrike Köller Weber. Ihr Ärger gilt nicht nur dem geschlossenen Spielplatz in der Karl-Popp-Straße. Es gebe allgemein viel zu wenig Spielplätze in Bad Bergzabern, findet sie. Und südlich der Weinstraße gar keine mehr.
Drei Spielplätze stehen den derzeit fast 900 Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren in der Kurstadt zur Verfügung. Ein Spielplatz im Maxburgring, einer im Neubaugebiet „Im Wingert“ und der gerade im Kurpark neu gebaute Spielplatz. Zudem können die Spielmöglichkeiten auf dem Gelände des Alfred-Grosser-Schulzentrums genutzt werden. Aber erst nach Schulschluss, ab halb fünf.
Erst weniger Geräte, dann ganz abgesperrt
Für die Kinder in der Stadt eine untragbare Situation, findet Ulrike Köller Weber. Die Oma von sechs Enkeln wohnt in der Nähe des Schwimmbades in Bad Bergzabern. „Seit 13 Jahren gehe ich mit meinen Enkeln auf Spielplätze in der Stadt, derzeit sind es eine Zweijährige und ein Vierjähriger“, erzählt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Spielplätze „Im Kappenacker“ und in der Karl-Popp-Straße habe sie immer fußläufig erreichen können. 2017 seien die wenigen Spielgeräte am Kappenacker entfernt worden. Jetzt ist das Grundstück, auf dem noch der mit Gras überwucherte Sandkasten zu sehen ist, eine Wiese.
Über den „Spielplatz“ in der Karl-Popp-Straße ärgert sich die 70-Jährige besonders. Derzeit ist ein großes Wiesengrundstück mit Büschen und Bäumen zu sehen, abgesperrt mit einem Bauzaun, gesichert mit einer Kette. „Erst wurden die Spielgeräte immer weniger, 2019 stand dann der Bauzaun“, erzählt die ehemalige Lehrerin am Alfred-Grosser-Gymnasium. Sie habe damals bei Ursula Schulz, der Beigeordneten der Stadt, angerufen, die ihr mitgeteilt habe, dass der Spielplatz erneuert werde.
Zum Spielen in den Nachbarort
2020 sei dann überhaupt nichts passiert. Was gerade in der Coronazeit nicht nur für sie, sondern für alle Familien mit kleinen Kindern schwierig gewesen sei. „Ich bin manchmal mit den Enkeln zum Bahnhof gelaufen und wir haben Züge gezählt“, erinnert sich Ulrike Köller Weber. 2021 habe sie sich dann einen Kindersitz gekauft und sei mit ihren Enkeln in die Nachbargemeinden gefahren. Denn sie wolle kein Benzin verfahren, um zu einem Spielplatz zu kommen, sagt sie. „Steinfeld zum Beispiel hat drei Spielplätze, viele Gemeinden haben Mehrgenerationenplätze, das gibt es in Bad Bergzabern gar nicht“, ist ihre Bilanz.
Vor Kurzem hat sie eine ukrainische Familie in ihrem Haus aufgenommen. Großmutter, Mutter und ein vierjähriges Kind. „Für sie ist es zum Maxburgring oder zum Kurpark ganz schön weit und sie haben keine Fahrräder“, sagt sie. Den Spielplatz im Kurpark hält Ulrike Köller Weber auch nicht für den „großen Wurf“, weil er in ihren Augen zu klein ist. Dass der Spielplatz in der Karl-Popp-Straße nach drei Jahren immer noch geschlossen ist, findet sie untragbar. „Hier wohnen inzwischen viele Kinder, auf welchen Spielplatz sollen die denn gehen?“, fragt sie sich.
Knappenacker bleibt Grünland
„Ich habe schon vor 20 Jahren hier gespielt, ich trauere dem Spielplatz nach, hier war immer viel los“, sagt der 28-jährige Jonathan Jung, der zufällig bei der Besichtigung des Spielplatzes mit der RHEINPFALZ am Bauzaun steht. Er hat inzwischen selbst eine achtjährige Tochter und wünscht sich, dass der Spielplatz möglichst schnell wieder geöffnet wird.
Ursula Schulz (Bündnis 90/Die Grünen), Beigeordnete der Stadt und zuständig für die Spielplätze, gibt Auskunft über den Stand der Dinge: „Ich bin total glücklich über den Spielplatz im Kurpark“, sagt sie. Die Grünen hatten viele Jahre im Stadtrat für einen Spielplatz im Kurpark gekämpft. Der Wasserspielbereich, in dem mittels einer Schnecke Wasser gepumpt werden kann, das dann wieder in den Erlenbach fließt, funktioniere derzeit leider nicht, so Schulz. Das Gelände des ehemalige Spielplatzes „Im Kappenacker“ gehöre der Stadt und bleibe laut einem Stadtratsbeschluss auch Grünland. Der Spielplatz in der Karl-Popp-Straße soll bis zum Herbst fertig sein. „Wenn die Geräte rechtzeitig geliefert werden“, so Schulz. Und sie würde sich auch weitere Spielplätze wünschen, wenn es die Finanzlage der Stadt zulasse, sagt sie.
