Edenkoben
Fahrplan passt nicht zu Schulende
„Mama, kannst du micht abholen?“, wurde Tanja Kocher von ihrem Sohn gefragt, als er mal wieder den Bus in Richtung seines Heimatortes nicht bekam beziehungsweise auf den nächsten hätte zu lange warten müssen. Es sei auch vorgekommen, dass der Opa den Jungen abholen musste. Die Mutter wundert sich, wieso die Abfahrtszeiten der Busse nicht mit dem Ende des Ganztagsangebots des Gymnasiums harmonieren, das ihr Kind seit diesem Schuljahr in der fünften Klasse wahrnimmt.
Wie Kocher berichtet, gehen auch weitere Mitschüler am Ende des Tages etwas früher raus, um den passenden Bus gegen 16 Uhr zu bekommen. Andernfalls müssten sie etwa eine halbe Stunde warten, bis die nächste Linie in der St. Martiner Straße hält. „In dieser Zeit ist mein Sohn doch schneller nach Hause gelaufen“, sagt Kocher. Von der Edenkobener Schule nach Edesheim sind es fußläufig etwa drei Kilometer.
Was sagt die Schulleitung?
Ihr Sohn sei gerade deshalb Ganztagsschüler, um von den Arbeitsgemeinschaften zu profitieren und seine Hausaufgaben in der Schule machen zu können. Daher findet sie es irrsinnig, wenn er so lange an der Straße stehen müsste, um mit dem Bus nach Hause zu kommen. Zumal die benachbarte Paul-Gillet-Realschule plus eine Viertelstunde früher aufhöre und damit dieses Problem nicht aufkommen lasse, sagt Kocher.
Wie der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums, Martin Schacht, auf Anfrage berichtet, war bei diesem Thema noch kein Problem ausgemacht worden. Was auch daran liege, dass die Eltern schriftlich bestätigen müssen, dass ihr Kind früher aus der Klasse darf, um den Bus zu erwischen. Die Realschule höre in der Tat etwas früher auf. Doch was passiert dann? Dass dort ebenfalls angeregt wird, wegen einer früheren ÖPNV-Verbindung früher rauszugehen. Das Problem sei also nicht vom Tisch, sondern nur zeitlich verschoben.
Was sagt der Schulträger?
Laut Schacht kann die Thematik unterschiedlich gewertet werden. Es dürfte trefflich darüber gestritten werden, welch eine Wartezeit für die Kinder an der Haltestelle zumutbar ist oder nicht. Auf der einen Seite seien die betroffenen Kinder, die früher aus dem Gebäude gehen, um einen früheren Bus zu bekommen, schätzungsweise zwischen 30 und 45 Minuten früher zu Hause. Andere Eltern sehen das Ganze nicht so schlimm, weil es auch Zeit brauche, bis ihr Kind den Ranzen packt, sich mit Klassenkameraden austauscht und zur Haltestelle läuft. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, werde die Wartezeit nicht mehr so lang empfunden.
Die Kreisverwaltung SÜW macht auf Anfrage der RHEINPFALZ auf einen Aspekt aufmerksam, den nicht alle Mütter und Väter auf den Schirm haben dürften: Für Ganztagsschüler, die freiwillig an außerunterrichtlichen Angeboten teilnehmen, muss für die freiwillige Nachmittagsbetreuung keine Schülerbeförderung gewährt werden. Von der Tatsache abgesehen, dass es per se keine Schulbusse gibt, sondern nur Linien, welche die Haltestellen an den Einrichtungen anfahren.
Was sagt die Busgesellschaft?
Das nicht verpflichtende ÖPNV-Angebot für Ganztagsschüler werde dadurch begründet, dass es nicht gerechtfertigt sei, die staatlich geförderte Schülerbeförderung auf diese Konstellation auszuweiten, heißt es aus dem Kreishaus. Das nachmittägliche Angebot diene weder der Erfüllung der Schulpflicht noch sei es „Ausdruck des staatlichen Erziehungsauftrages“. Und letztendlich bestehe auch eine Verpflichtung der Schule, den Stundenplan an den ÖPNV anzupassen. „Unabhängig davon sind wir auch als Schulträger interessiert, dass möglichst auch für das Ganztagesangebot eine ÖPNV-Verbindung passt.“
Die Edesheimer Familienmutter bemängelt auch die Qualität des zuständigen Busunternehmens, der Palatina Bus GmbH aus Edenkoben. Sie habe festgestellt, dass sich die Nummern an den Haltestellen nicht mit dem auf dem Fahrplan angegebenen Linien decken. Manchmal sei nicht ersichtlich gewesen, welches Ziel die Busse ansteuern. Gerade an einem Ort mit zwei weiterführenden Schulen und einer Grundschule sowie mehreren Haltestellen sei es wichtig, dass alles geregelt ablaufe.
Schulungen für Erst- und Fünftklässler
Auf Anfrage teilt Platina Bus-Fahrdienstleiter Jürgen Heil mit, dass der Kritik der Edesheimerin nachgegangen werde. Er weist aber darauf hin, dass die Busse immer die Fahrtrichtung beziehungsweise -ziele angeben würden. Generell sei es so, dass sich Eltern und Schülern von Erst- und Fünftklässlern in der Anfangszeit eines jeden Schuljahres an die Abläufe gewöhnen müssen. Deshalb seien auch dieses Jahr in rund 150 Schulungen in der Region Mädchen und Jungen aus den beiden genannten Jahrgängen auf das richtige Verhalten an den Haltestellen und im Bus hingewiesen worden. Die Schulleitung des Gymnasiums merkt an, dass auch sie bei Beschwerden über den Busbetrieb kontaktiert werden kann.
Heil weist zudem darauf hin, dass der Busbetrieb auch durch die vielen Sperrungen und Umleitungen beeinträchtigt sein könne, aktuell durch den laufenden Ausbau der Edesheimer Ortsdurchfahrt. Hierzu vermeldet die Kreisverwaltung allerdings eine Änderung nach den Herbstferien: Die Buslinie 501, die auf ihren Weg nach Landau durch die in Edesheim bedingte Baustelle die Umleitung über Venningen und Großfischlingen nehmen musste, kann ab November wieder nach dem Halt am Edenkobener Bahnhof auf direktem Weg nach Edesheim.