Offenbach
Fachmann für Weinbehälter-Sanierung plant neuen Standort
Kürzlich in Trier, dann in Bingen, auch Augsburg liegt auf der Route – Norbert Spors wandert von Baustelle zu Baustelle, ist in Deutschland und im Elsass unterwegs. Und die Aufträge, die er erhält, reißen nicht ab. Denn es gibt nur wenige Menschen, die das erledigen können, wofür er gerufen wird: Norbert Spors saniert Weinbehälter. Mit seiner Firma WBS (Weinbehältersanierung) ist er in Offenbach zu Hause. Dort hat er sein Büro, verbringt seine Wochenenden, ehe es montags wieder auf die Baustelle geht.
Spors kümmert sich um die Sanierung von Stahl-Tanks, Betonfässern, konventionellen massiven Fässern und glasfaserverstärkten Kunststoff-Tanks. Gerade Betonfässer seien oft schwer auszutauschen, sagt Spors, da sie meist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind und in vielen Kellern auch als Fundament dienen. „In vielen Großkellereien sind sie die tragenden Wände, weshalb man sie nicht ersetzen kann.“
Schweißer, Schreiner, Handwerker
Der gebürtige Pole bringt die Fässer wieder auf Vordermann und schweißt sanierungsbedürftige Teile neu ein. „Man muss Schweißen können, gewissermaßen aber auch Schreinern, da die Teile ganz präzise gefräst werden müssen. Also eigentlich bin ich Handwerker“, sagt er. Die Ersatzteile sind entweder mit Epoxidharz oder mit Kunststoffplatten beschichtet. Gerade letztere Variante, die er mit Schneidebrettern aus der Küche vergleicht, gebe es in der Weinbausanierung selten. Auch deshalb hat Spors so viele Aufträge.
Zuletzt kümmerte er sich um 30 Weinfässer in einem Weingut in Trier. Seine Kunden buchen ihn immer wieder. Das kommt nicht von ungefähr. Vor über 20 Jahren kam der Pole mit deutschen Großeltern nach Deutschland und fing bei einer Firma an zu arbeiten, die sich um eben jene Weinbehältersanierung kümmerte. Dort lernte er das Handwerk, mit dem er heute auf Achse ist. Acht Jahre später musste das Unternehmen schließen, wie Spors erzählt. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon viele Kontakte in der Branche. Viele Winzer hätten ihn gefragt, ob er nicht selbst eine Sanierungsfirma aufbauen möchte. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich das machen kann, dass ich dann aber auch Aufträge brauche.“ Also gründete er 2011 seine eigene Firma WBS.
Lange Lieferzeiten und hohe Rohstoffpreise
Und die Aufträge, die er wünschte, die hat er bis heute. Mit zwei Mitarbeitern im Büro und drei auf der Baustelle hangelt er sich von Baustelle zu Baustelle. Wenn er in der Pfalz saniert, geht er nach der Arbeit nach Hause. Wenn nicht, dann ist er nur an den Wochenenden in der Heimat. Neue Kunden und Kontakte aus Deutschland und dem Ausland bekommt er aber auch bei den Agrartagen, der jährlichen Messe für Acker-, Wein- und Obstbau, die bislang in Nieder-Olm stattfand und ab kommendem Jahr in Mainz veranstaltet wird.
Für Großbaustellen bestellt Spors die Materialien vor Ort. Ansonsten hat er in Lustadt ein 250 Quadratmeter großes Lager. „Es gibt bei Großbaustellen oft Reste, die ich dann mitnehme. Bei den Winzern kann ich die nicht lagern, die brauchen ja selbst Platz“, sagt Spors. Aufgrund der Corona-Krise muss sich aktuell auch der Pole auf lange Lieferzeiten einstellen. Oft hat er seine Materialien schon ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr in Voraus vorrätig. Auch die Rohstoffpreise für Epoxidharz oder Kunststoffplatten seien in der letzten Zeit in die Höhe geschnellt.
Neues Lager und Büro
Ab Anfang des neuen Jahres beginnt er mit dem Bau seines neuen Lagers und Büros im Offenbacher Industriegebiet. Das neue Lager soll etwa doppelt so groß und moderner als das alte werden und mit Fotovoltaik ausgestattet sein. Insgesamt investiert Spors dafür etwa 700.000 Euro. Das Lager in Lustadt braucht er dann nicht mehr, vermutet er. Er rechnet damit, dass der neue Standort Ende dieses Jahres fertiggestellt ist.