Wilgartswiesen / München RHEINPFALZ Plus Artikel Fachkräftemangel, Stress, Unzufriedenheit im Job: Ein Coach gibt Tipps

Stress und Unzufriedenheit im Job belasten viele Mitarbeiter. Florian Volkelt gibt Tipps. Und setzt nicht bei den Beschäftigten,
Stress und Unzufriedenheit im Job belasten viele Mitarbeiter. Florian Volkelt gibt Tipps. Und setzt nicht bei den Beschäftigten, sondern beim Chef an.

Florian Volkelt entstammt einer Pfälzer Handwerkerfamilie, heute ist er Unternehmensberater in München. Mit Überzeugungskraft. Gerade hat er einen Preis als Redner bekommen. Wie kann man dem überall beklagten Fachkräftemangel begegnen? Und wie geht man mit Dauerstress im Job um? Der 39-Jährige weiß Antworten.

Vom Handwerksgesellen aus dem Pfälzerwald zum Unternehmensberater im berühmten Schwabing. Diesen Wandel durchlief Florian Volkelt in den vergangenen rund 20 Jahren. Dabei war der spätere Weg schon früh vorgezeichnet. „Ich bin in einer Handwerkerfirma aufgewachsen“, erzählt der gebürtige Landauer. „Aufgewachsen bin ich sozusagen in der Schlosserei meines Großvaters in Wilgartswiesen.“ Auch sein anderer Großvater hatte einen eigenen Handwerksbetrieb, eine Schreinerei in Sarnstall. Deswegen begann auch er eine Ausbildung zum Maschinenbaumechaniker. Zuerst in Hinterweidenthal, dann in Landau. Bei erstem Betrieb habe die Unternehmenskultur einfach nicht gestimmt, und er habe davon Abstand genommen. Heute hätte er wohl etliche Tipps für den Chef parat.

Danach sattelte er noch ein Maschinenbaustudium in Krefeld auf. Aber schon währenddessen war ihm klar, dass ihm etwas fehlte: die Arbeit mit Menschen. Im Projektmanagement fand er alle Bereiche vereint. Knapp zehn Jahre arbeitete er für zwei große Unternehmen und leitete internationale Projekte. „In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie starr und unflexibel viele Strukturen sind und wie eingefahren auch die Menschen im täglichen Tun sind“, berichtet der 39-Jährige, der vor fünf Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und seitdem von München aus Handwerks- sowie kleinen und mittleren Unternehmen als Berater zur Seite steht.

„Raus aus dem Hamsterrad“

Was er den Leuten immer wieder rate: „Raus aus dem Hamsterrad.“ Dies war auch der Titel der Rede, mit der er den „Excellence Award 2022“ beim Internationalen Speaker Slam beim Seminar des bekannten Redners Hermann Scherer bekam, bei dem 141 Teilnehmer aus sieben Nationen eine Juryüberzeugen mussten. „Die können nix, und Fachkräfte finde ich keine“, ist so ein beliebter Geschäftsführersatz, den er in seiner Rede zitierte, um gleich zu dem Schluss zu kommen: „Das ist fatal.“ Personalmangel ist ja gerade das alles bestimmende Thema. Durch zahlreiche Branchen hindurch wird dieser beklagt, es gibt sogar schon Geschäftsschließungen. Frage an den Coach: Wie soll man dem begegnen? Volkelt zäumt das Pferd von hinten auf. Seine Antwort lautet: nicht mehr Leute einstellen, sondern die, die vorhanden sind, effektiver machen. Und dafür müsse man zuvorderst nicht bei den Beschäftigten ansetzen, sondern beim Chef.

Laut der Gallup-Studie zu Mitarbeiterzufriedenheit machen rund 85 Prozent der Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift. „Das heißt bei einem 20-Mann-Betrieb, nur drei, vier haben richtig Bock auf ihren Job, der Rest schwimmt einfach mit“, bilanziert Volkelt und findet, dass man daran etwas ändern sollte. Produktiver würden Mitarbeiter, wenn sie motiviert sind. Und dafür brauche es einen Chef, der eine echte Führungspersönlichkeit ist. „Ein Geschäftsführer benötigt die Fähigkeit, Menschen zu leiten und sich um sie zu kümmern“, findet Volkelt. Beispiel: Ein Malerbetrieb. Ein Mitarbeiter kann super verputzen, aber überhaupt nicht mit Farbe umgehen. Wenn man das weiß, gibt man ihm die Jobs, die er kann und gerne macht. Ein Chef müsse lernen, von seinem hohen Ross herunterzusteigen, auf die Mitarbeiter einzugehen, um sie so nach ihren Stärken einsetzen zu können, findet Volkelt.

Volkelt: Chef darf nicht unersetzbar sein

Aber das funktioniere nur, wenn der Geschäftsführer es schaffe, nicht im Unternehmen, sondern am Unternehmen zu arbeiten, hält der Coach fest. Viele Chefs denken, sie seien unersetzbar. Wenn man es so weit kommen lassen, sei das gefährlich für die Firma, mahnt Volkelt. Denn fällt die Führungsperson mal aus – „was in den vergangenen zwei Corona-Jahren ja nicht gerade selten vorkam“ – beginne das hektische Chaos-Verwalten, weil alles Wissen im Kopf des Chefs gespeichert sei, aber sonst keiner den Überblick habe. Volkelt rät: „Die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.“ Die Unternehmensspitze müsse den Mut haben und sich erlauben, sich aus dem Tagesgeschäft herauszunehmen, um die Dinge mit Abstand betrachten zu können. Denn nur durch Abstand gewinne man gute Ideen, ist sein Rat. Das Ziel für alle sollte es doch sein, glücklich im Job zu sein. Denn: „Du stehst in keinem Schuh so lange wie in deinem Arbeitsschuh.“ Noch so ein Zitat aus seiner Gewinner-Rede.

Nun gibt es die Dienst-nach-Vorschrift-Menschen auf der einen Seite, aber auch die Stress-Typen auf der anderen. Menschen, die sich vollkommen für ihren Job verausgaben und vor lauter Stress nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Das Arbeitspensum wird immer größer, der Zeitdruck höher. Wie soll man dies nur bewältigen können? „Fehlende Strukturen und sich zu viel zur gleichen Zeit aufzubürden, sind große Stresstreiber“, weiß Volkelt. Man müsse ein System aufbauen und sich langfristige Planungen machen. Und vor allem müsse man lernen, auch mal nein zu sagen. „Manche denken, sie müssen alles gleichzeitig machen, um ein Bedürfnis zu erfüllen.“ Alles richtig zu machen, jedem zu gefallen oder ein Lob vom Chef zu bekommen, könnten solche Antriebsfedern sein. Wenn man innerlich schon wisse, dass noch eine weitere Aufgabe zu viel werde, sollte man sich erlauben, diese abzulehnen oder klar zu kommunizieren: „Ich kann das machen, aber erst zu dem oder dem Zeitpunkt.“

Viel Stress wird Volkelt an diesem Wochenende übrigens nicht haben, da ist er nämlich mal wieder in der Heimat. Zu Besuch bei seinen Eltern in Hauenstein. Und in der Pfalz entspannt es sich ja so schön wie kaum anderswo.

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