Kreis Südliche Weinstraße Fünf Schwimmbecken Sturmholz

Sieben riesige Polter sind an der Straße bei Schwanheim aufgetürmt. Daraus werden Paletten, Brennholz, Holz für Baumärkte und No
Sieben riesige Polter sind an der Straße bei Schwanheim aufgetürmt. Daraus werden Paletten, Brennholz, Holz für Baumärkte und Nolte-Küchen.

«Schwanheim.»Holz über Holz. Mächtige Mauern in Braun-Beige. Rund 3500 Stämme von etwa 500 bis 600 Bäumen. Sieben riesige Polter sind an einem Waldweg in der Nähe von Schwanheim in die Höhe gestapelt. Bei diesem Anblick kriegt man große Auge. Aber Günter Beck macht aus dem Elefant gleich eine Mücke: „Das ist nur etwa vier Prozent des gesamten Sturmschadenholzes, das wir in den letzten Monaten aufgearbeitet haben.“ Der Förster ist Privatwald-Betreuer für die Forstämter Annweiler und Hinterweidenthal und für 17 Gemeinden zuständig. Hier und im Bereich des Forstamts Dahn hat Sturm Burglind am 4. Januar stark gewütet. Besonders in der Region um Schwanheim hat der Orkan Bäume umgefegt wie Schreichhölzer (wir berichteten am 14. März, „Das große Baumstamm-Mikado“). „Wir haben sieben Hektar Totalausfallfläche“, schätzt Beck. Hier seien etwa 3000 bis 4000 Festmeter Sturmschadenholz aufgearbeitet worden. „Aber das Problem waren die vielen Gruppen- und Einzelwürfe“, ergänzt Andreas Eichenlaub, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Pfalz, unter deren Dach sich zwölf Waldbauvereine zusammengeschlossen haben und die sich um den Einschlag, den Abtransport und die Vermarktung des Holzes der Privatwaldbesitzer kümmert. Insgesamt seien 12.500 Festmeter im Gebiet der Forstämter Hinterweidenthal und Annweiler zusammengekommen. Das entspricht etwa dem Rauminhalt von fünf olympischen Schwimmbecken. Beck trat dafür mir knapp 500 Waldbesitzern in Kontakt und schloss mit ihnen Verträge ab. Bis auf zwei hätten alle bei der Gemeinschaftsaufarbeitung mitgemacht, berichtet er. Denn das Problem im Privatwaldgelände ist, dass es sehr kleinparzellig und meist schwer zugänglich ist. 28.000 Festmeter hat die Forstwirtschaftliche Vereinigung Pfalz im Gebiet der Forstämter Annweiler, Hinterweidenthal und Dahn aufgearbeitet. Eichenlaub rechnet mit einem Ertrag von knapp 1,7 Millionen Euro, von denen die Holzernte-, Holzverkaufs- und Wegebaukosten abgezogen werden müssten. Knapp die Hälfte bleibe den Waldbesitzern. Doch im Endeffekt sei es für diese ein Nullsummen- oder sogar ein Verlustgeschäft. Durchschnittlich bringe ein Festmeter 60 Euro auf dem Markt. Die Waldbesitzer müssen mit acht bis zehn Euro Minderung rechnen, schätzen Beck und Eichenlaub. Bruchholz, Schäden wegen der langen Lagerung, teurere Aufarbeitung, zusätzliche Wegeinstandsetzung, überfluteter Markt: Das lasse die Erträge in die Tiefe purzeln. Zudem gebe es eine Aufforstungspflicht, erläutert Beck. Auch in dieser Hinsicht kämen Kosten auf die Waldbesitzer zu. „Das bedeutet mehr, als einfach ein paar Bäume in die Erde zu stecken“, macht Eichenlaub deutlich. Man müsse gegen Verbuschung vorgehen, gegen Jagdverbiss, eine bestimmte Baummischung heranziehen. Viele Waldbesitzer – darunter sind auch zahlreiche ältere Menschen – seien damit überfordert. Eine Sondersituation in der Region Schwanheim sei zudem das laufende Flurbereinigungsverfahren. „Von den sieben Hektar Totalausfallfläche liegen 6,5 Hektar im Flurbereinigungsgebiet“, berichtet Beck, und Eichenlaub ergänzt: „Die Motivation der Besitzer, etwas zu tun, wenn sie wissen, dass das Grundstück ihnen in fünf Jahren nicht mehr gehört, ist verständlicherweise nicht sehr groß.“ Deswegen hoffen die Waldbesitzer auf Zuschüsse vom Land. Bisher sei eine Förderung allerdings nicht vorgesehen, macht Beck deutlich. Auch seien die Förderanforderungen für Privatwaldbesitzer schwer zu erfüllen. Beim Waldbauverein „Oberes Rinnbachtal“, der die Gemarkungen Schwanheim, Lug und Dimbach betreut, ist nun der Gedanke nach einer Pauschalförderung aufgekeimt, die nun besprochen werden soll. Bis dieser Punkt geklärt ist, schlagen sich die Förster und Waldbesitzer noch mit einem anderen Problem herum: dem Borkenkäfer. Viele geschwächte Bäume, viel gelagertes Holz im Wald, gute Witterung: „Das sind ideale Vermehrungsstuben“, erläutert Beck, der in diesem Jahr mit drei Käfergenerationen rechnet. „Die dritte Generation könnte bestandsbedrohend sein“, macht er deutlich. Deswegen sollten die Besitzer unbedingt ihre Bäume im Auge haben.

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