Völkersweiler
Erste Bauernhof-Wald-Grundschule im Land startet im September
Zwischen Ziegen, Pferden und Gallowayrindern tummelt sich auf dem Josefshof bei Völkersweiler eine bunte Kinderschar. Die Waldspielgruppe verbringt lustige und lehrreiche Stunden in der Natur. Bald werden auf dem Bauernhof noch viel mehr Kinder umherwuseln. Denn am 5. September startet hier die erste Bauernhof-Wald-Grundschule in Rheinland-Pfalz. „Letzte Woche hat das Landesbildungsministerium uns mitgeteilt, dass nun alle Voraussetzungen für die Genehmigung gegeben sind und wir mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gehen können“, freut sich Nina Burkhart, die künftig die Leitung der Schule übernehmen wird. Das Genehmigungszertifikat per Post sei nun nur noch Formsache.
Der Weg bis zum Schulstart war jedoch kein einfacher, leistet die Gründungsinitiative, die sich aus Eltern, Pädagogen und Unterstützern zusammensetzt, doch Pionierarbeit. Eine Bauernhof-Wald-Schule, das ist Neuland in Rheinland-Pfalz. Solch eine Kombination gibt es bisher nur als Kita, und zwar auf Gut Hohenberg in Annweiler-Queichhambach. Daher stammt auch die Idee. Das freie, naturnahe Pädagogikkonzept hat einige Kita-Eltern so überzeugt, dass sie es auf die Grundschule fortführen wollen. Vor knapp vier Jahren kamen die ersten Enthusiasten zusammen, vor drei Jahren gründeten sie einen Verein. Seitdem wurden viele Klinken geputzt, um die Idee zu verwirklichen. Aber es gab auch Rückschläge.
Wie finanziert sich die Privatschule?
Eigentlich hätte die Schule schon im vergangenen Schuljahr starten sollen. Mit dem nah am Wald gelegenen Josefshof ist ein passender Standort gefunden. Das pädagogische Konzept war bereits ausgearbeitet und von der Schulbehörde genehmigt. Die nötigen Bauten waren organisiert. Bewerbungsgespräche mit Lehrkräften wurden geführt. Doch dann scheiterte es am Geld, weil eine Stiftung kurzfristig absprang.
Aber mittlerweile steht die Finanzierung. Freie Schulen wie diese haben drei Jahre Bewährungszeit, bevor sie vom Land anerkannt werden und dieses die Personalkosten erstattet. Das bedeutet, der Trägerverein muss die komplette Startphase finanziell alleine stemmen. „Das sind etwa 270.000 Euro“, berichtet Gründungsmitglied Katrin Adam. Bis zu 50.000 Euro könne der Verein pro Schuljahr an Bürgschaftskrediten bei der GLS-Genossenschaftsbank abrufen, für die Familie, Freunde und Bekannte als Bürgen gewonnen werden konnten. Zudem finanziere die Auxilio-Stiftung Landau eine studentische 450-Euro-Kraft, die den Verein bei der Stiftungsbewerbung, Sponsorensuche und Fördermittelbeschaffung unterstützt. So habe auch die Heidehof-Stiftung aus Stuttgart akquiriert werden können, die für zwei Jahre ein Lehrergehalt von jeweils 30.000 Euro übernimmt.
Lehrer, Lernbegleiter und FÖJler im Team
Der Rest werde über Elternspenden finanziert. „Es ist ein gemeinsames Projekt. Die Eltern wissen, dass sie das in der Pionierphase leisten müssen“, sagt Burkhart. Mit 230 Euro kalkuliert der Verein pro Monat und Schüler. Und auch nach den drei Anfangsjahren werde diese Elternspende nötig sein, denn die Betriebskosten würden nicht vom Land erstattet, es gelte, die Kredite zurückzuzahlen, und das Land übernehme auch nur die Personalkosten wie in Regelschulen.
Doch in der Bauernhof-Wald-Grundschule wird es neben der Hauptlehrerin – der 30-jährigen Jana Kropfinger aus Frankweiler, die bisher in Ludwigshafen unterrichtete – und einer Lehrerin mit acht Wochenstunden – Katrin Herzog aus Siebeldingen – auch zwei Lernbegleiter mit zehn Wochenstunden geben: Imme Colling aus Kapsweyer, die seit über zehn Jahren die Waldkindergruppe der Sielmanns Natur-Ranger Südpfalz betreut, übernimmt den Bereich Wald. Und Axel Burkard, Juniorchef der Gallowayzucht auf dem Josefshof, wird für den Bauernhofbereich zuständig sein. Beide absolvieren dafür gerade noch eine halbjährige Fortbildung Bauernhofpädagogik. Zudem unterstützen zwei französische FÖJler das Team.
Noch sechs freie Plätze
„Wir wollen mit 18 Schülern starten. Sechs Plätze sind noch frei“, berichtet Axel Burkard, wobei es dafür bereits Anfragen gebe. Das Auswahlverfahren laufe noch. Wichtig ist dem Verein, dass die Eltern hinter dem Konzept stehen. Und dass die Kinder an einem Schnupperunterricht teilgenommen haben, damit sich beide Seiten kennenlernen und herausfinden, ob diese Schulart etwas für das Kind ist. Manche Eltern sind so begeistert von der neuen Schulform, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Sprösslinge hier unterbringen zu können. „Wir haben viele Schüler aus Landau und dem Kreis SÜW, aber wir haben auch Eltern, die extra aus Worms, Berlin, Köln und Achern hierherziehen“, berichtet Nina Burkhart. „So etwas wie uns gibt es sonst nicht. Wir sind auch im Bundesverband der Freien Alternativschulen gelistet, und da spricht sich das rum.“
Die Schultage werden die Knirpse weitgehend im Freien verbringen. Als feste Unterstände wird es im Wald eine Hütte und auf dem Hof eine gedämmte 51-Quadratmeter-Jurte, einen Lernbus sowie ein Öko-Toilettenhäuschen geben. „Auch wir haben natürlich Schulhefte, aber in abgespeckter Version“, erklärt Axel Burkard, „bei uns geht es mehr darum, die theoretischen Inhalte im praktischen Tun zu vertiefen.“ Neben dem Unterricht im gemeinsamen Klassenverband werde es auch altersspezifische, thematische und saisonale Projektarbeit geben.
Auch Start von Bauernhof-Wald-Kita geplant
Wenn alles klappt, soll parallel zum Schulbeginn auch eine Bauernhof-Wald-Kita an den Start gehen. Ein umzäuntes Gelände mit Hütte, Bäumen und Lagerfeuerplatz steht dafür auf dem Josefshof schon bereit. „Wir haben alle Anforderungen erfüllt und alle Unterlagen geliefert“, berichtet Adam. Nun liege der Ball im Spielfeld des Landesjugendamts. Dort habe es jedoch Verzögerungen wegen eines Personalwechsels gegeben. Zudem seien die Jugendämter wegen des neuen Kita-Gesetzes extrem beschäftigt. „Unser Ziel ist es, dass wir noch im Sommer die Betriebserlaubnis bekommen“, sagt Axel Burkard.
Der zweite Schritt wäre dann die Aufnahme in den Kita-Bedarfsplan des Kreises, womit sich die Kita nicht mehr selbst finanzieren müsste. Denn bis dahin müssen Eltern einen monatlichen Beitrag von 270 Euro schultern. Die Initiative hofft, mittlerweile größere Chancen auf die Aufnahme in den Bedarfsplan zu haben, da durch das neue Kita-Gesetz mehr Betreuungsangebote vorgehalten werden müssen und die Bauernhof-Wald-Kita den umliegenden Gemeinden mit Platznot in den bestehenden Einrichtungen Kita-Plätze anbieten könnte. Dafür soll im Herbst die Nachfrage evaluiert werden.