Völkersweiler
Start der Bauernhof-Wald-Grundschule verschiebt sich
Ein bisschen enttäuscht ist die Gründungsinitiative für die erste Bauernhof-Wald-Grundschule im Land schon, dass es mit dem geplanten Start zum Schuljahr 2021/2022 nicht klappen wird. Immerhin hat sie seit ihrem Zusammenschluss vor zwei Jahren viel Engagement in das Projekt gesteckt und auf den baldigen Termin hingearbeitet. Mit dem landwirtschaftlich betriebenen und nah am Wald gelegenen Josefshof in Völkersweiler ist ein passender Standort gefunden. Das pädagogische Konzept ist ausgearbeitet und von der Schulbehörde genehmigt. Die nötigen Bauten wie ein Lernbus, ein Sanitärcontainer und gedämmte Jurten für den Winter sind organisiert. Ansonsten sind die Klassenräume ja unter freiem Himmel. Bewerbungsgespräche mit Lehrkräften wurden geführt. Die Nachfrage ist groß, Anmeldungen lagen bereits vor. Doch dann kam doch noch etwas dazwischen. Und wie so oft, lag’s auch in diesem Fall am lieben Geld.
„Wir haben in den vergangenen Monaten K.-o.-Kriterien ausgearbeitet. Eines war die Personalfinanzierung“, berichtet Katrin Adam. Eigentlich hatte das Team eine Stiftung an der Hand, die sich auf die Unterstützung Freier Schulen spezialisiert hat. Doch dann habe es bei dieser Umstrukturierungen geben. „Jetzt haben sie uns kurzfristig abgesagt. Und uns war klar, wir schaffen es nicht, innerhalb von sechs Wochen die Finanzierung anders aufzustellen“, macht sie deutlich. Immerhin gehe es um 260.000 Euro Personalkosten für die ersten drei Jahre. So lange dauert die Bewährungsfrist für neue Privatschulen, bevor sie vom Land anerkannt und finanziell unterstützt werden.
Gründungsinitiative ist auf Spendersuche
Für das nächste Schuljahr will das Team die Stiftung erneut bitten, der Schule unter die Arme zu greifen. „Eine Förderung wie bisher wird wohl nicht klappen. Aber es besteht wohl die Möglichkeit, dass die Stiftung Anteile übernimmt“, berichtet Adam vom aktuellen Stand. Deswegen sattelt die Gründungsinitiative nun um. „Den Rest wollen wir über Fundraising finanzieren, mit kleinen und großen Spendern“, erklärt Nina Burkhart. Dafür arbeitet die Gruppe mit der Auxilio-Stiftung aus Landau zusammen, die etwa die dortige Kinder- und Jugendfarm bei der Weiterentwicklung unterstützt. „Auxilio hat uns Mut gemacht, dass wir es schaffen können. Es ist ein langes und hartes Stück Arbeit, aber der Grundstein ist gelegt“, so Burkharts erste Bilanz.
Auch mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier müsse neu besprochen werden, ob die Schulgenehmigung dann noch für das nächste Schuljahr gelte oder ob diese neu beantragt werden müsse. Gestartet werden soll erst einmal mit acht Schülern, auch wenn die ADD 32 Schüler erlaubt hat. Mit einer Vollzeitstelle, verteilt auf zwei Lehrkräfte, und einem FÖJler soll der Schulalltag gestemmt werden, so der Plan. Dieser verzögert sich nun durch die Stiftungsabsage. „Aber wir sehen es auch als Chance. Jetzt haben wir noch mehr Zeit für die Vorarbeit“, gibt sich Adam optimistisch.
Kita könnte im Herbst starten
Bei der ebenfalls geplanten Bauernhof-Wald-Kita stehen die Zeichen hingegen günstiger. Eine Schutzhütte mit Unterstand für Schlechtwetter steht bereits auf dem Gelände. Das Landesjugendamt habe die Betriebserlaubnis gegeben. Das nötige Personal – zwei Erzieher und eine FÖJ-Kraft – stehe bereit. Und die Finanzierung sei mittlerweile so durchkalkuliert, dass sie für Eltern besser stemmbar sei, berichtet das Team. Bisher hatte das Josefshof-Team einen monatlichen Elternbeitrag von rund 400 Euro in den Raum gestellt, nun sei man bei 260 Euro. Dafür wurde die Betreuungszeit auf 8 bis 13 Uhr reduziert. Kostendeckend sei dies aber nur bei einer Belegung mit 25 Kindern möglich, macht Burkhart deutlich. Aktuell lägen 15 Anmeldungen vor. „Wir gehen jetzt aber noch mal in die Werbung und hoffen, durch den geringeren Beitrag auf 25 Kinder zu kommen“, ergänzt Adam. Dann soll die Kita zwischen Mitte September bis Mitte Oktober starten.
Zunächst als selbst verwaltete Privat-Kita. Denn in den Kita-Bedarfsplan komme die Einrichtung zunächst nicht, berichtet das Team von Abstimmungsgesprächen mit dem Landkreis. Ziel sei jedoch, in den nächsten zwei Jahren in den Bedarfsplan zu kommen, dann würde die Finanzierung über Land, Kreis und Kommune laufen. Der Kreis macht auf Anfrage deutlich, dass für die Aufnahme in den Bedarfsplan verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Durch das neue Kita-Gesetz hätten Kinder ab zwei Jahren einen Anspruch auf eine mindestens siebenstündige Betreuung. Die Bauernhof-Wald-Kita werde aktuell aber nur Kinder ab drei Jahren für eine fünfstündige Betreuung aufnehmen, wodurch der Rechtsanspruch nicht erfüllt sei, so Pressesprecherin Marina Mandery. Zudem müsste es einen konkreten Bedarf im Einzugsbereich der Kita geben. Laut Kreis wurde für 2021/2022 „kein erhöhter Bedarf für neue Kita-Plätze im Einzugsgebiet der Wald-Kita festgestellt“.
Plan für Kita-Zweckverband liegt aktuell auf Eis
Und wie steht es um die angestrebte interkommunale Zusammenarbeit für die Kita? Das Team möchte gerne, dass ein Zweckverband, in dem sich die umliegenden Dörfer zusammenschließen, Träger der Kita wird. Dann müsste die Kita nicht mehr privat finanziert werden und die Gemeinden könnten ihm Gegenzug Kitaplatz-Überhänge abflachen, sieht Burkhart darin eine Win-win-Situation. Die Ortsbürgermeister hätten sich durchaus offen dafür gezeigt, wollten aufgrund der Komplexität und Neuartigkeit des Konstrukts aber Sicherheit von oben, berichtet sie aus Vorgesprächen. Der Kreis habe von der Gründungsinitiative Dokumente und Finanzierungskonzepte zur Prüfung erhalten. Man habe aber noch keine Rückmeldung, deswegen liege die Sache bisher auf Eis, sagt Burkhart.
Der Kreis sagt dazu, dass die Bildung eines Zweckverbands andiskutiert worden sei und er betont habe, dass dies nur eine mittel- bis langfristige Lösung bieten könne. Die Entscheidung und finanzielle Ausgestaltung liege aber bei den Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinde Annweiler. Der Kreis habe hier keine Befugnis, hält er fest. Grundsätzlich sei er der neuen Kita gegenüber aufgeschlossen und positiv eingestellt, müsse aber auch darauf achten, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, so Pressesprecherin Mandery.
Termine
- Für Eltern, die ihre Kinder in der Kita anmelden wollen, soll es am 16. August, 16 Uhr, einen Info-Nachmittag geben. Eltern, die sich erst einmal allgemein informieren wollen, sind für den 21. August, 15 Uhr, zu einem offenen Picknick auf den Josefshof eingeladen.
- Infos gibt’s unter www.bauernhof-waldschule-suedpfalz.de, E-Mail info@bauernhof-waldschule-suedpfalz.de oder Telefon 0152 53446895.