Kreis Südliche Weinstraße „Enttäuscht und geschockt“
„Die Ortsgemeinde Dernbach sowie die Sport- und Kulturgemeinde Dernbach als Eigentümerin des Dernbacher Hauses distanzieren sich ausdrücklich von der Ausrichtung des Stammtisches der AfD“, heißt es in einer Stellungnahme von Ortsbürgermeister Harald Jentzer. Die AfD veranstaltete gestern Abend einen Vortrag im Dernbacher Haus.
Dabei sprach der ehemalige deutsche Botschafter in Tansania, Guido Herz, zum Thema „Nachbarkontinent Afrika: Kann die Massenzuwanderung nach Europa gesteuert werden?“. „Wir Dernbacher lehnen klar die Inhalte ab, welche die AfD repräsentiert. Wir stehen für eine offene und menschenfreundliche Gesellschaft, ohne Ausgrenzung und treten für ein Miteinander aller Rassen, Kulturen und Religionen ein“, heißt es in der Stellungnahme. Gemeinde und Verein könnten die Veranstaltung rechtlich nicht verhindern. Die Sport- und Kulturgemeinde habe das Dernbacher Haus verpachtet. „Dem Verein sind die Hände gebunden“, sagt Jentzer. „Gleichwohl möchten wir unseren Protest gegen die Veranstaltung zum Ausdruck bringen.“ Derweil hat sich auch Pächter Frederik Fink öffentlich über Facebook zu der Angelegenheit geäußert. „Ausschlaggebend für uns ist, dass wir weder kriminelle noch verfassungsfeindliche Organisationen beherbergen wollen. Aber darüber hinaus müssen wir jede Veranstaltung annehmen“, so der parteilose Gastronom, der die Waldgaststätte im achten Jahr betreibt. Denn wirtschaftlich werde es immer schwieriger zu überleben. „Erwarten Politik und Gesellschaft von uns, dass wir die AfD abweisen, sind die Behörden gefragt. Es darf nicht sein, dass ein Unternehmer Repressalien befürchten muss, wenn er eine Partei bewirtet, die im rheinland-pfälzischen Landtag vertreten sind“, so Fink. Allerdings will er in Zukunft keine weiteren politischen Veranstaltungen annehmen – von welcher Partei auch immer. Grund dafür ist das Intervenieren Jentzers in der Sache. Der Ortschef habe am Donnerstag bei ihm angerufen und gesagt, dass er alles tun werde, um die Veranstaltung zu verhindern. „In diesem Telefonat wurde mir sehr deutlich, dass mir massive Nachteile drohen, wenn ich diese Veranstaltung zulasse“, so Fink. Besonders die Drohung, das Landratsamt zu informieren, habe ihn erschreckt, denn rechtlich sei ja nichts gegen die Bereitsstellung des Schankraums einzuwenden, so Fink. Jentzer bestätigt auf Nachfrage den Anruf, sagt aber, dass er nicht damit gedroht habe, die Kreisverwaltung zu informieren. Er habe in einer Mail die Ortsbürgermeister der VG Annweiler sowie den zukünftigen Bürgermeister Christian Burkhart und den zukünftigen Landrat Dietmar Seefeldt auf die Veranstaltung hingewiesen, da Fink diese auch im Wahlkampf unterstützt habe, und ihm das auch gesagt. „Welche Nachteile kann ich ihm androhen? Was soll ich machen? Es kann nur sein, dass jetzt Bürger nicht mehr ins Dernbacher Haus gehen wollen“ , so Jentzer. Wer mit dem Teufel tanze, müsse damit rechnen. In den sozialen Netzwerke geht es in der Sache hoch her. AfD-Landesvorsitzender Uwe Jung hat beispielsweise die Pressemitteilung des Dernbacher Hauses geteilt und spricht von „massiver Behinderung der Versammlungsfreiheit“. In vielen Kommentaren darunter wird Jentzer vorgeworfen, diktatorisch vorgegangen zu sein. Die AfD-Anhänger fordern Anzeigen, manche gehen noch deutlich weiter: „... mal richtig was aufs ......!!!!“ Jentzer spricht gegenüber der RHEINPFALZ von einer Hetzkampagne gegen ihn. Auf der Facebook-Seite des Dernbacher Hauses ist unter anderem zu lesen: „Die Gemeinde und das Finanzamt möchten doch jeden Monat Steuergelder haben. Da ist man doch eigentlich gezwungen, jeden Gast ins Haus zu lassen (...) Der Bürgermeister hetzt das Volk gegen den Wirt auf, und das ist in meinen Augen ein Unding!“ Zu dem gestrigen Vortrag eingeladen hatte der neu gegründete AfD-Verbandsgemeindeverband Annweiler, dessen Vorsitzender Matthias Tönsmann aus Annweiler ist. Dessen Name ist in Zusammenhang mit Dernbach nicht unbekannt, fungierte er doch als Streuobst-Experte für das von Jentzer initiierte Projekt zur Offenhaltung der Landschaft rund um Dernbach (wir berichteten am 7. Juni). Das stimme, erklärt Jentzer auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Tönsmann sei über Vermittlung des Nabu zu dem Offenhaltungsprogramm gestoßen. Allerdings habe weder er noch der Nabu zu diesem Zeitpunkt von den politischen Ambitionen Tönsmanns gewusst. Er habe erst am 13. Juni aus der RHEINPFALZ erfahren, dass Tönsmann bei der AfD ist und zum Vorsitzenden des Gemeindeverbands gewählt wurde. Sowohl Nabu als auch er seien über die politische Ausrichtung Tönsmanns „geschockt“ gewesen. „Wir wollen nicht wegen AfD-Verbindungen in Verruf geraten“, macht Jentzer deutlich: „Wir haben Tönsmann geschrieben, dass wir von seinen politischen Aktivitäten enttäuscht sind und dass wir die Zusammenarbeit beim Offenhaltungsprojekt aufkündigen.“