Edenkoben
Eltern kämpfen um Erhalt eines Spielplatzes
Familie Helms weiß, dass die Stadt Edenkoben weitere Kita-Plätze benötigt. Sie musste selbst mehr als ein Jahr auf einen Betreuungsplatz für das ältere ihrer beiden Kinder warten. Das sollte beim zweiten Nachwuchs ebenso anderen Eltern von Kleinkindern in der Stadt erspart bleiben. Und doch ist die Familie mit den Plänen der Stadt zur neuen Kindertagesstätte nicht einverstanden. Genauer gesagt, stört sie ein Punkt: Dass der benachbarte Spielplatz in der Peter-Graeber-Straße in das Außengelände der Einrichtung integriert werden soll, was die Stadt in Erwägung zieht.
Sollte es so weit kommen, würde die Anlage nicht mehr uneingeschränkt für andere Mädchen und Jungen geöffnet sein: Sie könnten dort an Werktagen nur noch außerhalb der Öffnungszeiten der neuen Kita sowie an Wochenenden und Feiertagen toben. Dies sorgt bei Frauke Helms für Unverständnis: „Das ist schon paradox, dass auf der einen Seite für Familien Betreuungsplätze in der Kita geschaffen werden, gleichzeitig aber anderen Kindern etwas weggenommen wird“, erzählt die zweifache Mutter gegenüber der RHEINPFALZ.
Attraktionen für verschiedene Altersgruppen
Familie Helms wohnt in der Nähe der Anlage und wisse deren Vorzüge zu schätzen. Sie befindet sich an einer Anliegerstraße, demzufolge in einem verkehrsberuhigten Bereich, und locke verschiedene Altersgruppen mit Attraktionen und Geräten an. Neben Klettermöglichkeiten gibt es dort unter anderem eine Tischtennisplatte sowie einen Bolz- und Basketballplatz. Da die Größe des Geländes überschaubar sei, könnten die Kleinen ungezwungen spielen, ohne dass sie aus dem Blickfeld der Eltern und Aufsichtspersonen geraten.
Der nächstgelegene Spielplatz an der Straße „In den Erlen“ stelle keine Alternative dar, sagt Frauke Helms. Unter anderem, weil dieser nicht so leicht zu erreichen sei: mit einem Kinderwagen in der einen Hand, mit einem Kleinkind an der anderen. Zumal viel befahrene Straßen überquert werden müssten. Die Alla-Hopp-Anlage habe den Nachteil, dass sie nicht eingezäunt sei. Das sei unpraktisch, weil Eltern auf dem weitläufigen Gelände ihre Kleinen schnell aus den Augen verlieren können. Vor allem wenn sie mit mehreren Kindern dort sind.
Wie positioniert sich der Stadtrat?
Deshalb setzt sich die zweifache Familienmutter für den Erhalt der auch als Schneckenspielplatz bezeichneten Anlage in der Peter-Graeber-Straße ein. Mit ihrem Anliegen sei sie nicht alleine: „Auch Tagespflegepersonen und andere Kitas nutzen den Spielplatz, um dort mit den Kindern Zeit zu verbringen.“ Anwohnern mit Kindern würde es nicht weiterhelfen, wenn die Anlage erst nach Ende der Kita, also nach 16 oder 17 Uhr, geöffnet wäre. Das wäre zu spät.
Die Stadträte nehmen die Sorge der Betroffenen ernst, wie in der jüngsten Sitzung des Stadtrates herauszuhören war. Die zuständige Beigeordnete Charmaine Beyer (CDU) betonte, dass der Spielplatz nach Möglichkeit unangetastet bleiben sollte. Das könne vielleicht dadurch gelingen, dass der Baukörper etwas versetzt werden würde. Sollte das funktionieren, sei die beschränkte Öffnungszeit des Spielplatzes die einzige Alternative. Dann würde allerdings geprüft, ob und wie ein Ersatz geschaffen werden könne. Dazu verpflichtet ist die Stadt jedoch nicht.
Wie ist die Rechtslage?
Spielplätze für Kinder bis sechs Jahre sind bei Neubauprojekten zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber nur wenn Gebäude mit mehr als drei Wohnungen errichtet werden. Abweichungen sind nach Angaben der Kreisverwaltung möglich, wenn zum Beispiel nach der Art der Wohnung ein Kinderspielplatz nicht erforderlich ist, wenn es sich bei den Wohneinheiten etwa um Einzimmer-Appartments handelt. Wie im Edenkobener Stadtrat betont wurde, muss auch beim Bau einer neuen Kita diese Regelung nicht berücksichtigt werden.
Geeinigt wurde sich darauf, eine Arbeitsgruppe zu bilden, welche sich nun weiter mit dieser Thematik beschäftigen wird. Nicht nur der Bebauungsplan wird nun für das rund 3200 Quadratmeter große Areal hinter der Hotelfachschule erstellt. Im Hintergrund wird zudem der Vertrag mit dem Träger der Einrichtung, der Lebenshilfe Südliche Weinstraße aus Offenbach, konzipiert, der nach der Beratung im Stadtrat abgeschlossen werden soll. Voraussichtlich 2024 könnte die neue Kita ihren Betrieb aufnehmen.
Der Spielplatz kann bei den Überlegungen des Kita-Neubaus allerdings nicht außen vor gelassen werden. Auch wenn er nicht in das Außengelände integriert werden sollte, könnte es zu einem späteren Zeitpunkt schlecht um ihn bestellt sein. Die neue Kita ist im ersten Schritt für drei Gruppen ausgelegt, bei Bedarf soll sie um zwei weitere erweitert werden. Dann müsste der Spielplatz weichen.