Kreis Südliche Weinstraße Eiskaltes Schleck-Vergnügen

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Bad Bergzabern

. Im Lagerraum hat Martina Wichtler, die zusammen mit ihrem Mann Johannes die Eisfabrik Bechtolina in dritter Generation leitet, eine gemütliche Sitzecke für die RHEINPFALZ-Leser eingerichtet. Mit dabei sind auch Tochter Viktoria, die die Eisfabrik in vierter Generation übernehmen wird, Christel Ludowici, die Enkelin des Firmengründers Jean Bechtold, und dessen Ur-Ur-Enkelin, die elfjährige Hannah. Los geht die Führung im großen Lagerraum, in dem die Grundsubstanzen für 140 Sorten Eis liegen, die gemischt und in alle Welt verschickt werden. „Ein wunderbarer Duft. Ist das Schokolade?“, fragt Elvira Hörner aus Hochstadt in der Halle, in der große Maschinen von 300 bis 800 Kilogramm Substanzen mischen. Tatsächlich wird gerade die Mixtur für Schokoladeneis hergestellt. „Meine Kindheit war von Eis bestimmt“, erzählt Christel Ludiwici. Sie kann sich noch genau an die Bombardierung der Fabrik 1944 erinnern. Völlig zerstört wurde das Gebäude. Ganz Bergzabern habe nach der Bombardierung nach Himbeeren gerochen. Die Firmenchefin beantwortet viele Fragen der Gäste aus Waldhambach, Offenbach, Lug oder Bad Bergzabern. Wohin liefert die Firma? Sind es Eisdielen oder Großhändler? Woher kommt die Ware? Ein Leser will wissen, wer sich die Rezepte für die teils sehr ausgefallenen Sorten wie Spargeleis ausdenkt. „Das macht mein Mann, er ist sehr kreativ“, sagt Martina Wichtler. Besser die Ohren zuhalten, denken sich die Kinder, als die Zuckermaschine angeworfen wird, denn sie ist sehr laut. In der Maschine wird Zucker zu Puderzucker gemahlen. „Das machen wir selbst, denn Puderzucker kann man nicht lagern, er wird klumpig“, erklärt die Chefin. „Stääbzucker henn mer frieher gsagt“, bemerkt Albert Scherer aus Lug. Ein passender Begriff, denn es „stääbt“ gewaltig. Eng, aber spannend wird es in der Eisküche. Als ersten Gang stellt die Gruppe Stracciatella her. „Hygiene ist oberstes Gebot“, erklärt die Chefin, die die Zutaten in die Maschine gibt. Jeder darf mal durch das Glas sehen, wie acht Liter Eis langsam gefrieren. Nach einer Viertelstunde ist die große Schüssel mit leckerer knackiger Schokolade im Eis voll. Es mundet. „Ich bin eine absolute Eisesserin, auch im Winter“, bekennt Ingrid Hoffmann aus Offenbach. Sie kann sich noch an die Anschaffung des ersten Kühlschranks und an das erste eigene Eis bei ihrer Oma erinnern. Ihr Mann Hans erzählt von den großen Eisblöcken, die vor der Erfindung des Kühlschranks an die Metzgerei in Herxheim geliefert wurden. Lecker finden das Eis auch Dominik, der achtjährige Jan und seine sechsjährige Schwester Lea, der achtjährige Finn und der 13-jährige Ben. „Frisches Nusseis aus der Maschine ist ein anders Universum“, schwärmt Martina Wichtler vor dem zweiten Gang der Eisverkostung und betont, dass außer im Schlumpf- und Waldmeistereis keine Farbstoffe verwendet werden. Christel Ludowici erinnert sich an die Eisproduktion in ihrer Kindheit im Bechtolina. „Die Schulkinder kamen und haben Erdbeeren geputzt, um sich etwas zu verdienen.“ Dabei wurde gesungen. Nicht etwa, um das Volkslied zu pflegen, beim Singen konnten die Kinder nicht so viele Erdbeeren naschen. Ihr Opa habe damals schon mit Sojapaste experimentiert, weil er der Ansicht war, dass es für die Welternährung mehr pflanzliches Eiweiß geben müsse. „Für mich war das Probieren nicht so angenehm, aber mein Großvater war damals schon weit vorausschauend.“ In vierter Generation wird die 17-jährige Viktoria Wichtler, Tochter der Firmeneigentümer, nach dem Studium der Betriebswirtschaft die Firma übernehmen. „Bad Bergzabern ist meine Stadt, für die ich auch etwas tun will“, sagt sie. Vom Angebot, vor dem Nachhauseweg noch die eine oder andere Sorte zu probieren, machen die Gäste auch nach reichlicher Verkostung gerne Gebrauch. (pfn)

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