Kreis Südliche Weinstraße „Einer immer erreichbar“
Das musste in der 930-Einwohner-Gemeinde Venningen erst einmal verdaut werden. Nach den Legislaturperioden von Roland Kuhn und Michael Rohr fand sich im vergangenen Jahr plötzlich niemand, der bei der Suche nach einem Nachfolge-Kandidaten den Finger hob. Allen Abstimmungsgesprächen und Appellen zum Trotz. Auch aus den Reihen des zwölfköpfigen Gemeinderat erklärte sich keiner bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Da war guter Rat teuer. Und die Spitze der Verwaltung in Edenkoben machte sich langsam, aber sicher mit dem Gedanken vertraut, einen Beauftragten zu schicken. Doch dann, nach ungezählten Stunden der Abstimmung, fand sich eine Lösung: Drei Beigeordnete wollten sich die Arbeit des Chefs teilen. Das Dreigestirn führt Jürgen Leibfried an, 49 Jahre alt, Schichtarbeiter bei der BASF. Er erklärte sich bereit, den Geschäftsbereich Kultur, Heimatpflege, Fremdenverkehr, Veranstaltungen, Jugend, Seniorenarbeit, Soziales und Friedhof zu übernehmen. In der Hierarchie auf dem zweiten Platz rangiert Thomas Gienandt, 59 Jahre alt, als ehemaliger Telekom-Mitarbeiter im vorgezogenen Ruhestand. Er kümmert sich um Bauwesen, Straßen, Beleuchtung, Plätze und Dorfentwicklung. Der Dritte im Bunde ist Georg Wiedemann (59), weit über die Grenzen der Pfalz hinaus als „Essigpapst“ bekannt. Sein Geschäftsbereich: Feld, Wald, Umweltschutz, Landschaftspflege. Nach ihren Erfahrungen gefragt, kommt es wie aus der Pistole geschossen und wie aus einem Munde: „Es läuft sehr gut mit dieser Aufgabenteilung.“ Und: „Egal, zu welcher Zeit, einer von uns ist immer erreichbar.“ Das bedeutet auch, dass sich keiner aus dem Trio wegstiehlt, wenn es einmal um ein Thema des Beigeordnetenkollegen geht. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung ihrer Ansicht nach: „Wenn einem Bürger die Nase der Beigeordneten X oder Y nicht passt, dann kann er sich an Z mit seinem Anliegen wenden.“ Bleibt die Frage, warum sich weder Leibfried, Gienandt oder Wiedemann so weit vorwagte, den Ortsbürgermeister zu geben? Denn Verantwortung haben ja alle gerne übernommen. Auch da gibt es einen gemeinsamen Nenner: Weil ein Dorfoberhaupt einfach zu viele Aufgaben übernehmen, ständig Ansprechpartner sein müsse. Das sei nicht ihre Kragenweite, sagen sie. „Es herrscht Ruhe im Dorf. Das ist ein gutes Zeichen. Gäbe es Kritik an unserem Handeln, dann wäre diese schon laut artikuliert worden“, meint Leibfried, und Gienandt/Wiedemann nicken zustimmend. Alle wichtigen Projekte seien auf einem guten Weg: die Sanierung des Schulhauses, die Umgestaltung des Worschdezibbelplatzes, ein naturnaher Spielplatz, der Verkauf von Grundstücken im Gewerbegebiet westlich der A 65, das Venningen zusammen mit Edenkoben gehört. Eigenarbeit, Eigeninitiative – auch bei diesem Punkt sehen die drei Beigeordneten große Fortschritte. Wenn, wie beim Ausräumen der Schule, Not am Mann ist, dann finden sich genug freiwillige Helfer, dann packen auch sie selbst zu, wenn es die anderweitigen Verpflichtungen erlauben. Besonders viel Spaß hat ihnen das Mitwirken beim jüngsten Seniorennachmittag gemacht. Mit Zufriedenheit und Stolz erfüllt sie, dass tolle Projekte aus der Dorfmoderation entstanden sind. Da gibt es einmal im Monat ein gemeinsames, mit der örtlichen Gastronomie ermöglichtes Mittagessen zu zivilen Preisen, zu dem jeweils 40 bis 60 Leute kommen. Dann ist eine Nachbarschaftshilfe entstanden, bei der Besorgungen oder Einkäufe abgenommen werden. „Ein Selbstläufer“, lobt das Trio. (mik)