Kreis Südliche Weinstraße Eine Hose für eine Geschichte

Es waren einmal zwei Brüder: Jacob und Wilhelm Grimm. Sie haben nicht nur die weltberühmten Kinder- und Hausmärchen gesammelt und niedergeschrieben, sondern gelten auch als Gründungsväter der Germanistik. Einblicke in das schier unglaublich umfangreiche Schaffen der Revolutionäre, Patrioten, Sprachforscher und Politiker gibt eine Sonderausstellung im Museum der Stadt Bad Bergzabern. Die Eröffnung ist am Sonntag.
„Als Germanistin habe ich die Brüder Grimm immer bewundert“, sagt Liane Ulshöfer. Zusammen mit ihrem Mann Rolf Ulshöfer, dem Leiter des Museums, hat sie die Ausstellung aufgebaut, auch mit vielen Exponaten aus ihrem Privatbesitz. Ein Schwerpunkt sind die Kinder- und Hausmärchen, mit denen die beiden Brüder, Jacob, der 1785 geboren wurde und sein Bruder Wilhelm, der ein Jahr jünger war, weltberühmt geworden sind. Es sind hunderte von Märchen, die die beiden aus mündlichen Überlieferungen aufgeschrieben und sprachlich überarbeitet haben. „Die Schneidersfrau Dorothea Viehmann oder der Dragoner-Wachtmeister Krause waren zum Beispiel Quellen für die Märchen und Geschichten. Letzterer bekam immer eine neue Hose für eine Geschichte“, erzählt Liane Ulshöfer schmunzelnd. Mehr als anderthalb Jahrhunderte dokumentieren die Exponate, darunter viele sehr künstlerisch gestaltete Erlebniskinderbücher, wie die aufklappbaren Drehtheater, die dreidimensional wie Bühnenbilder gestaltet sind. Zu sehen sind auch Bilderbögen, auf denen die Märchen – vergleichbar mit heutigen Comics – Anfang des 20. Jahrhunderts in Weißenburg gedruckt wurden und damit erstmalig für den kleinen Geldbeutel erschwinglich waren. Eine Vitrine ist den Märchen in der Werbung gewidmet, als bekanntestes Beispiel der seit 1884 produzierte „Rotkäppchen-Sekt“ oder der gleichnamige Käse. „Die beiden Brüder waren unglaublich fleißig“, so Rolf Ulshöfer zu den damals bahnbrechenden Forschungen auf dem Gebiet der Sprachwissenschaften. 1835 begannen sie mit der Arbeit am „Deutschen Wörterbuch“ in dem der gesamte neudeutsche Wortschaft erfasst wurde. Auch den Politikern und Revolutionären Jacob und Wilhelm Grimm ist ein Teil der Ausstellung gewidmet. Jacob Grimm war Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung 1848, die Brüder waren an der Formulierung der Menschenrechte beteiligt und gelten als Wegbereiter des Verfassungsstaates. Sie gehörten zu den „Göttinger Sieben“, die wegen des Verfassens einer Streitschrift des Landes verwiesen wurden.