Kreis Südliche Weinstraße Ein Winzer als Wasserdieb?

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„In einem Ort wie Hainfeld muss der Wasserverbrauch zeitweise bei null liegen“, erklärt Martin Hanke, Werkleiter der Verbandsgemeindewerke Edenkoben. Etwa zwischen zwei und vier Uhr nachts gebe es immer wieder Zeiten, in denen niemand zur Toilette geht oder einen Wasserhahn aufdreht. In der Woche vom 8. bis zum 15. Dezember des vergangenen Jahres wird die Nulllinie in Hainfeld jedoch nicht erreicht, der Verbrauch will einfach nicht unter zehn Kubikmeter pro Stunde sinken. Für Hanke und sein Wasserwerkteam zunächst ein Indiz für einen Rohrbruch. Also beginnt die Suche nach dem Leck im Leitungsnetz. Weil die eigenen Mitarbeiter keine undichte Stelle ausmachen können, wird eine Spezialfirma aus Bad Bergzabern hinzugezogen. Mit akustischen Geräten soll der mysteriöse Wasserverbrauch in den Nachtstunden lokalisiert werden − mit Erfolg. Was die Arbeiter jedoch finden, ist nicht etwa ein Leck in einer Wasserleitung. Das Pfeifen, das sich vom Ort des Verbrauchs über die Leitungsrohre ausbreitet, kann bis zum Anwesen eines Hainfelder Weinguts zurückverfolgt werden. „Wenn wir das bis zu einem Haushalt zurückverfolgen können, klingeln wir einfach dort und schauen nach“, erklärt Hanke. So geschehen auch beim besagten Weingut. „Dort ist uns dann gleich aufgefallen, dass wir hier beschissen werden.“ Der mutmaßliche Wasserdieb bedient sich eines einfachen Tricks, indem er die Wasseruhr aus- und anschließend falsch herum wieder einbaut. Der Effekt: Der Wasserzähler läuft fortan rückwärts, was sich sehr angenehm auf die nächste Wasserabrechnung auswirkt – theoretisch. Die Erfolgschance dieser strafbaren Manipulation ist jedoch gering, zumal sich der Winzer in Hainfeld äußerst ungeschickt anstellt. Dass sich der mutmaßliche Wasserdieb an der Zählervorrichtung zu schaffen gemacht hat, ist auf den ersten Blick erkennbar. Die Wasseruhren sind nämlich verplombt, beim Ausbau wird die Plombe beschädigt. „Beim Wechsel der Wasseruhren fällt öfter mal auf, dass die Plomben beschädigt sind. Das legt den Verdacht des Betrugs natürlich nahe“, sagt Eberhard Frankmann, erster Beigeordneter und Werksdezernent der Verbandsgemeinde Edenkoben. Der Nachweis der vorsätzlichen Manipulation sei jedoch schwer. Im konkreten Fall dürfte der Nachweis jedoch einfacher sein, denn es gibt „Fotos, auf denen zu sehen ist, wie ein Schlauch direkt in den Kanal verläuft“, sagt Werkleiter Hanke. Damit scheint das Vorgehen des Winzers klar auf der Hand zu liegen. Zuerst manipuliert er seine Wasseruhr so, dass sie rückwärts läuft, dann lässt er über Nacht das Wasser in den Kanal laufen, um den Zählerstand schnell zu senken. Allerdings geht der Schuss gehörig nach hinten los. Die Verbandsgemeindewerke Edenkoben haben Strafanzeige gestellt und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Zudem werden die entstandenen Kosten dem Verursacher in Rechnung gestellt. „Für Wasser und Abwasser sind das etwa 10.000 Euro, der Einsatz der Mitarbeiter und der Spezialfirma kostet etwa 2000 Euro“, zählt Hanke auf. Hinzu kommt wohl noch ein Bußgeld zwischen 4000 und 5000 Euro.

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