Kapsweyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Südpfälzer auf der Aida Teil der Crew

Immer gut drauf: Lukas Hiegle fühlt sich als Biking-Guide auf hoher See so richtig wohl. Im Hintergrund die Aidanova im Hafen vo
Immer gut drauf: Lukas Hiegle fühlt sich als Biking-Guide auf hoher See so richtig wohl. Im Hintergrund die Aidanova im Hafen von Arrecife auf Lanzarote.

Kapsweyer ist sein Heimathafen. Bei der Aida-Kreuzfahrtflotte wagt Lukas Hiegle den Aufbruch zu neuen Ufern. Auf dem Schiff ist er zudem weit weg vom klassischen Bürojob.

„Seid ihr alle gut drauf?“ Na klar. Mit dem Fahrrad einen sechsstündigen Ausflug auf Lanzarote zu machen, die Naturschönheiten der kanarischen Insel bewundern zu dürfen, und dabei mehr über Land und Leute zu erfahren, darauf können sich die Teilnehmer der Tour doch nur freuen. Und Lukas Hiegle ermöglicht ihnen, den sportbegeisterten Kreuzfahrern, genau solch ein Abenteuer. Der Kapsweyerer ist bei der Aida schließlich als Biking-Guide tätig, er begleitet also die Urlauber bei den Radtouren.

Die Aidanova ist derzeit mit gut 5000 Passagieren und etwa 1300 Besatzungsmitgliedern rund um die Kanarischen Inseln und Madeira unterwegs, um Mitte April die Transreise über Portugal, Spanien, England, Belgien Norwegen nach Kiel anzutreten, von wo aus sie dann den Sommer über in Norwegen und Dänemark ihre Runden drehen wird. Was sich für Lukas Hiegle und seine Kollegen wie immerwährender Urlaub anhört, ist allerdings auch harte Arbeit.

Was für eine Arbeit an Bord anfällt

Urlauber zu Radausflügen zu begleiten, ist für den 25-jährigen Weltenbummler längst nicht alles. Bestens vorbereitet zu sein, heißt nicht nur, sich über Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten am Ort des jeweiligen Landganges ausreichend zu informieren. Gegebenenfalls muss eine neue Strecke bereits am frühen Morgen einmal auf Probe abgefahren werden, während die Gruppe noch gemütlich frühstückt.

Und auch an Seetagen wird es nichts mit Ausruhen. Dann müssen die 126 bordeigenen E- und Cross-Bikes gereinigt und gewartet werden, die Ausflugsberatung am Schalter steht an, nicht zuletzt sogenannte Side-Dutys, also Nebenaufgaben, wie die Moderation auf der Bühne im Theatrium, wenn den Gästen Fahrradausflüge oder andere Landgänge vorgestellt werden. Zusammengefasst: Der Job ist kein Achtstundentag, sondern eine anstrengende Siebentagewoche.

Vom Journalisten zum Weltenbummler

Lukas Hiegle ist in Landau geboren, in Dierbach aufgewachsen und wohnt inzwischen in Kapsweyer. 2014 absolvierte er ein Praktikum bei der RHEINPFALZ, ein Jahr später machte er sein Fachabitur an der Integrierten Gesamtschule in Kandel, um danach in Karlsruhe ein Volontariat zum Online-Redakteur zu durchlaufen. Schließlich arbeitete er in München bei der Pro7-Mediengruppe im Bereich Sportredaktion und Sportmanagement. Dass dem leidenschaftlichen Mountainbiker ein Bürojob nicht genügt, hat er schnell gemerkt. Und das Thema Kreuzfahren hat ihn schon immer interessiert.

Wobei er anfangs dachte, dass auf den Schiffen nur Kellner, Köche, Rezeptionisten oder Offiziere arbeiten. Das änderte sich, als er im Januar vergangenen Jahres mit Freunden Urlaub auf der Aidaperla in der Karibik machte. „Das war mein Aha-Erlebnis. Zwei Wochen später habe ich mich einfach mal beworben, konnte aber coronabedingt erst im Januar dieses Jahres aufsteigen“, erzählt Lukas Hiegle.

An Bord der Aida-Schiffe gibt es rund 140 Berufsbilder, sowohl aus den Bereichen wie Nautik, Technik oder Hotellerie- und Gastronomie. Zum Team gehören aber auch Spa-Therapeuten, Tauchlehrer, Licht- und Tontechniker, Mediengestalter, Musiker, Schauspieler und Personalmanager. Während für die Gäste die Sprache an Bord Deutsch ist, kommuniziert die Besatzung untereinander auf Englisch. Die Crewmitglieder kommen aus über 30 Nationen. Und natürlich haben sie eine eigene Kantine, in der die Köche für die Mitarbeiter landestypisches, gewohntes Essen zubereiten. „Da lernt man kulturell und kulinarisch einiges dazu“, schwärmt der junge Seefahrer. „Ich war nie ein Einzelkämpfer, sondern wollte schon immer im Team mit Leuten zusammenarbeiten.“

Sehnsucht nach pfälzische Spezialitäten

Mit seinem Freund und Biker-Kollege Julian Jüttner teilt sich Lukas Hiegle eine Kabine. Im Team der insgesamt elf Outdoor-Guides gilt es, die Gäste nicht nur auf Rad- oder E-Bike-Touren zu begleiten, sondern auch mal auf eine Trekking- oder Kajaktour zu mitzugehen. Also Abwechslung pur. Dass er Spaß an seiner neuen Arbeit hat, das merkt man Lukas Hiegle an. Dass er aber auch die Heimat ein wenig vermisst, gibt er gerne zu. „Auf dem Schiff gibt es keinen Saumagen mit Leberknödel, und den Pfälzer Teller mit Bratwurst. Das wird mein erstes Gericht sein, das ich mir daheim zu Essen wünsche“, freut er sich jetzt schon auf die Küche seiner Mutter, denn „da kommt kein Sterne-Restaurant und keine Küche mit“.

Lukas Hiegle sehnt sich zudem nach dem Mountainbiken im Pfälzerwald oder an der Rheinschiene entlang. Nicht zu vergessen, die vielen Freunde, die er wieder sehen möchte, und die Arbeit in deren Weinbergen. Und nach dem Sommerurlaub? Da gehe es wieder aufs Schiff, sagt der Südpfälzer. Dann möchte er aber in einem anderen Bereich tätig sein, vielleicht bei den Bordmedien oder der TV-Produktion. Mal sehen.

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