Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Ein pensionierter Lehrer und der geohrfeigte Uwe Seeler

Im WM-Viertelfinale 1966 führte Uwe Seeler die deutsche Elf als Kapitän an. In dieser Begegnung erhielt er von einem Gegenspiele
Im WM-Viertelfinale 1966 führte Uwe Seeler die deutsche Elf als Kapitän an. In dieser Begegnung erhielt er von einem Gegenspieler eine Ohrfeige.

Hans-Joachim Schatz hat die kürzlich verstorbene deutsche Fußball-Legende Uwe Seeler nicht nur hautnah erlebt. Er hatte Kontakt mit einem lateinamerikanischen Familienvater, der Seeler in einer wichtigen Partie gegenüberstand – die wegen einer unrühmlichen Szene in die Geschichtsbücher kam.

Der Edenkobener Hans-Joachim Schatz schaut gerne Fussball. Er fiebert für den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern mit und bezeichnet sich als Fan des Frauenfussballs. Dementsprechend begeistert verfolgt er aktuell die Spiele der deutschen Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft in England mit, die am Donnerstagabend ins Halbfinale eingezogen ist.

Als Jugendlicher konnte Schatz Fußballspieler wie Franz Beckenbauer und Sepp Maier erleben. Und natürlich Uwe Seeler, der am Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben ist. An die Legende des Hamburger SV hat Hans-Joachim Schatz zwei besonderer Erinnerungen.

Hans-Joachim Schatz fotografierte die Brüder Dieter (links) und Uwe Seeler, als sie vor einem Spiel in Edenkoben einquartiert wa
Hans-Joachim Schatz fotografierte die Brüder Dieter (links) und Uwe Seeler, als sie vor einem Spiel in Edenkoben einquartiert waren.

Als 14-Jähriger habe er Seeler vor die Linse seiner Kamera bekommen, die er damals zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte. Seeler, für den er geschwärmt habe, war mit dem HSV im Hotel der Sportschule in Edenkoben einquartiert vor dem Endrundenspiel zur deutschen Meisterschaft im Südweststadion in Ludwigshafen. Schatz wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, um die Legende hautnah zu erleben.

Also radelte der Jugendliche hoch zur Ludwigshöhe. Tatsächlich traf er den Fußballstar, dessen Bruder Dieter und den Teamkollegen Jochen Meinke auf der Terrasse des Sporthotels. Das Foto habe er später nach Hamburg geschickt, das Uwe Seeler signiert an ihn zurücksandte. Leider sei dieses Autogramm verloren gegangen, bedauert Schatz.

Im Ausland unterrichtet

Schatz hat nicht nur an der Thomas-Nast-Grundschule in Landau und in Neustadt als Lehrer gewirkt, sondern unterrichtete auch zwei Mal im spanischsprachigen Ausland, dabei von 1990 bis 1994 an einer deutschen Schule in der Metropole Barcelona. Auf einem Wandertag habe ihn ein Drittklässer zu seiner Überraschung gefragt: „Herr Schatz, kennen Sie Uwe Seeler?“ Natürlich, habe er erwidert. Ihn habe es vielmehr gewundert, dass der Junge „Uns Uwe“ kannte. Das hatte einen besonderen Grund. „Mein Opa hat Uwe Seeler bei einem Länderspiel eine Ohrfeige gegeben.“

Hans-Joachim Schatz hat Uwe Seeler gerne beim Fußballspielen zugeschaut.
Hans-Joachim Schatz hat Uwe Seeler gerne beim Fußballspielen zugeschaut.

Der Junge hieß Franciso Cogollos. Sein Großvater war Horacio Troche, ein Lateinamerikaner, der für die Nationalmannschaft Uruguays kickte. Schatz erinnerte sich: Die Ohrfeige, von dem der Grundschüler sprach, hatte er Seeler bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 in England verpasst. Damals traf die deutsche Elf, von Seeler als Kapitän angeführt, im Viertelfinale auf Uruguay. Beim Stand von 1:0 für Deutschland verloren die Südamerikaner die Nerven.

Entgleisung im Fernsehen gesehen

Troche erhielt nach einem Foul einen Platzverweis. Als er bei seinem Abgang an Seeler vorbeikam, verabreichte er ihm eine Ohrfeige. Seeler schaute ihn nur an, schüttelte den Kopf und blieb ruhig. Schatz hatte diese Szene im Fernsehen gesehen.

„Ich erinnerte mich, dass die Mutter von Franciso aus der uruguayischen Hauptstadt Montevideo stammte“, erzählt der 78-Jährige. Er rief die Familie am selben Abend an und bekam auch Troche an den Hörer, der lachte und gelassen meinte: „Dass er Ihnen das erzählt hat.“ Für die Entgleisung hatte sich Troche bei Seeler entschuldigt. Ein Jahr nach der WM, als er in der Fußball-Bundesliga mit seiner Mannschaft Alemannia Aachen auf den HSV traf. „Francisco hat mir dies nicht erzählt“, sagt Schatz. „Doch was er mir so freimütig über seinen einst berühmt-berüchtigten Opa berichtet hatte, bleibt mir in lebendiger Erinnerung.“

Kein zweites Mal habe er während seiner 42-jährigen pädagogischen Tätigkeit den Enkel eines Großvaters unterrichtet, der einst „Uns Uwe“ so nahe gekommen war.

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