Kreis Südliche Weinstraße Ein Grüner der ersten Stunde
Bad Bergzabern. Nur auf Platz 44 der Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen für die Landtagswahl am 13. März steht Ulrich Teichmann. „Aber das ist doch bei den Grünen ein sicherer Platz“, scherzt der 60-Jährige. Dass er kein Landtagsmandat erringen wird, ist klar. Das ist für ihn aber kein Grund, nicht mit vollem Einsatz für grüne Ideale zu kämpfen. „Das werde ich auch nach der Wahl tun“, verspricht Teichmann.
Ende März 2011 errangen die Grünen landesweit 15,4 Prozent der Stimmen, im Wahlkreis 49 waren es gar 15,8 Prozent. „Die Wahl war natürlich von Fukushima beeinflusst“, weiß auch Teichmann. Knapp drei Wochen vor dem Wahltermin war es in dem japanischen Kernkraftwerk zur Katastrophe gekommen. Dass die Umfragewerte für die Ökopartei jetzt deutlich schlechter sind, liege an der Vergesslichkeit der Leute. „Die Grünen sind der verlässlichste Teil der Parteienlandschaft“, behauptet der Mathematiklehrer an der Realschule plus in Bad Bergzabern. Seine Partei haben in den vergangenen Jahren viel bewegt, die SPD in die richtige Richtung gelenkt. Wer wolle, dass der Atomausstieg gelinge und der Kampf gegen den Klimawandel zum Erfolg führe, der müsse Grün wählen. Wie lange er sein Parteibuch schon hat, weiß Teichmann nicht. „Keine Ahnung. Seit wann gibt’s die Grünen denn? Ich bin von Anfang an dabei gewesen“, versichert er. Dabei ist Teichmann kein Grüner, der in das klassische Muster passt. Ihn faszinieren Computer und Technik – und Autos! „Ich fahre ein 26 Jahre altes Auto, mehr Nachhaltigkeit geht nicht“, meint er. Sein Passat habe im Prinzip noch keine Werkstatt von innen gesehen, Reparaturen erledigt er selbst. Teichmann ist Lehrer aus Leidenschaft. Da verwundert es nicht, dass Bildung zu seinen Themenschwerpunkten im Wahlkampf zählt. Die Schullandschaft habe sich seit der Schulstrukturreform 2009 stark verändert. Der Abschluss der Berufsreife müsse wieder mehr an Bedeutung gewinnen, meint Teichmann. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass die Schulranzen der Kinder viel zu schwer seien. Teichmann fordert, dass alle Schulbücher elektronisch auf einem Tablet mitgeführt werden sollten. Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Landau-Karlsruhe und der Ausbau der Fahrradwege sind weitere zentrale Themen in seinem Wahlkampf. Und natürlich beschäftigt ihn auch das Thema Flüchtlinge. Ihn stört die ständige Forderung nach neuen Gesetzen. „Wir haben genug Gesetze. Dass sich Politiker mit dem Flüchtlingsthema profilieren wolle, ist das Schlimmste, was es gibt“, sagt Teichmann. Er sieht die Flüchtlinge als „Chance für unser Land“. (jpa) Zur Person Ulrich Teichmann wurde am 11. November 1955 in Hagen in Westfalen geboren. Mit fünf Jahren kam er nach Bad Bergzabern, wo er heute noch mit seiner Frau und seinen beiden aus Nepal adoptierten Kindern lebt. Teichmann ist Konrektor der Realschule plus im Alfred-Grosser-Schulzentrum. Seit 2014 sitzt er im Kreistag SÜW. Wahlergebnis 2011 Direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis 49 bei der Landtagswahl 2011 war Kurt Beck (SPD) mit 53,3 Prozent der Erststimmen. Ruth Hänling (CDU) holte 28,5 Prozent, Peter Kallusek (Bündnis 90/Die Grünen) 10,6 Prozent, Sebastian Wüst (FDP) 3,2 Prozent, Markus Westermann (Linke) 2,2 Prozent und Karl-Heinz Silbernagel (REP) 2,1 Prozent. (jpa)