Kreis Südliche Weinstraße Ein besonderes Herz für Flüchtlinge

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„Kann jemand Fahrräder reparieren?“, wollte ein Besucher des „Café Grenzenlos“ wissen. Für Willi und Monika Stenger hatte diese eher harmlose Frage weitreichenden Folgen: Denn in ihrem Haus in Bad Bergzabern stapeln sich seither die Fahrräder, die Willi Stenger wieder fahrtüchtig machen wird. Ehrenamtlich, versteht sich. Im Sommer ist schon mal die Terrasse die Fahrradwerkstatt des Hausherrn, der ansonsten in seiner Garage werkelt. „Es gibt nichts, was mein Mann handwerklich nicht kann“, schwärmt Monika Stenger. „Zwei Drittel der Räder können repariert werden“, sagt Willi Stenger. Die anderen schlachtet er aus, um ausreichend Ersatzteile zu haben. Etwa 40 Stunden im Monat investiere er in diese Arbeit, überschlägt der gelernte Fachmann für Aufzugstechnik. 25 Räder für Kinder und Erwachsene warten zurzeit auf eine Reparatur, fünf haben bereits einen neuen Besitzer gefunden. Ein Engagement, um das er nicht viel Aufhebens macht. „Meine Eltern wurden 1945 aus Ungarn ausgewiesen und mussten alles zurücklassen. Wahrscheinlich habe ich deshalb ein besonderes Herz für Flüchtlinge“, sagt der 1946 geborene Willi Stenger. Den administrativen Teil der Fahrradwerkstatt hat Monika Stenger übernommen. „Jeder, der bedürftig ist, kann sich melden“, verspricht sie. Das Haus der Familie beziehungsweise die Diakonie überprüfen den rechtmäßigen Anspruch der Interessenten. Mit Nummern versehen für den Fall des Diebstahls und gegen eine symbolische Gebühr von zehn Euro, werden die Fahrräder abgegeben, den Fahrradordner führt Monika Stenger. „Ich organisiere gern“, gesteht sie lachend. Ein „Vertrag“ enthält die Daten des neuen Besitzers, seine Unterschrift, und auch die von Monika Stenger sowie eines mögliche Paten, wenn der neue Besitzer ein Flüchtling ist. Monika Stenger betont ausdrücklich, dass das Angebot nicht ausschließlich für Flüchtlinge, sondern für alle Bedürftigen gedacht ist. Zurzeit gingen die Fahrräder hälftig an Bezieher von Grundsicherung und an Flüchtlinge, sagt sie. Um klar zu machen, was es kostet, wenn man sich verkehrswidrig verhält, gibt es mit der Übergabe des Fahrrades ein Infoblatt „Bußgeld für Fahrradfahrer“. Die Liste wird jetzt auch in verschiedene Sprachen übersetzt. Ein großer Wunsch von Monika Stenger ist es, Verkehrskurse anbieten zu können. „Wenn wir einen Polizisten hätten, der das ehrenamtlich machen würde, wäre das schön“, sagt sie. Denn eine Uniform wirke gleich anders. Inzwischen hat ihr Mann seine Werkstatt auf der Terrasse aufgebaut, in Körben sind die noch brauchbaren Teile gelagert, mit denen er die Räder wieder flott macht. Alles ordentlich und übersichtlich. „Oft fehlt die Beleuchtung, die auch schon mal neu gekauft werden muss“, berichtet Willi Stenger. Eine Investition, die die beiden selbst tragen. Und ein Engagement, das für das Paar, das seit 20 Jahren in der VG Bad Bergzabern wohnt, selbstverständlich ist – auch als Katholiken in einer Einrichtung der evangelische Kirche. Monika Stenger ist seit März im „Café Grenzenlos“ engagiert, das jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat von 15 bis 17.30 Uhr im Haus der Familie die Möglichkeit zum zwanglosen Zusammensein bietet. Sie gehört zum achtköpfigen Team des Cafés, teilt die Ehrenamtlichen ein, führt die Kuchenlisten und backt selbst Kuchen, der zu erschwinglichen Preisen angeboten wird. „Ich wünsche mir, dass mehr Bürger kommen, es verpflichtet zu nichts und man kann sich kennenlernen.“ Wie viele Stunden sie ehrenamtlich arbeitet, zählt sie nicht, die Ideen gehen ihr aber nicht aus. Zum Beispiel einen Kurs zu organisieren, in dem die Fahrradbesitzer lernen, ihre Räder selbst zu reparieren. Und was ist ihr „Lohn“? „Die Leute, die ein Fahrrad bekommen haben, sagen nicht mehr ,Hallo’, wenn sie mich sehen, sondern ,Fahrrad’, und wenn sie das Wort nicht kennen, machen sie mit den Händen die Bewegung des Fahrradfahrens“, sagt sie lachend. Ihr Mann freut sich, wenn er ein Fahrrad repariert und damit einen Menschen glücklich gemacht hat. Info —Kontakt: Monika und Willi Stenger, Telefon 06343 2894. — Spenden für „Fahrräder für Bedürftige“, können unter diesem Stichwort überwiesen werden: Sparkasse SÜW, Konto 83006, BLZ 54850010 oder VR Bank SÜW, Konto 10103, BLZ 54891300. —Dringend gebraucht werden Kindersitze und Fahrräder. (pfn)

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