Kreis Südliche Weinstraße
Edenkobener Türenhersteller Biffar plant weitere Showrooms in China
Eingangstüren müssen viele Funktionen erfüllen. Sie schützen vor Einbrechern, schirmen Lärm ab, entsprechen den Brandschutzauflagen und sind wärmedämmend. Der Türenhersteller Biffar beschreitet neue Wege, um den individuellen Ansprüchen gerecht zu werden. Stichwort Smart Home.
Die Preisverleihung ist erst im Februar kommenden Jahres in Frankfurt. Doch schon jetzt kann Brigitte Biffar verkünden, dass ihr Unternehmen, der Türenhersteller Biffar aus Edenkoben, den German Design Award 2020 gewonnen hat. Überzeugt hat ihre neue Eingangstür, auf deren Innenseite ein I-Pad integriert ist. Mit dem Tablet können Haus- und Wohnungseigentümer unter anderem prüfen, ob Türen und Fenster geschlossen sind, Lichter und elektrische Geräte ausgeschaltet wurden und die Alarmanlage eingeschaltet ist. Die Digitalisierung schlägt sich auch in dieser Branche nieder. Stichwort Smart Home.
Brigitte Biffar, die geschäftsführende Gesellschafterin, leitet das mittelständische Familienunternehmen in der zweiten Generation. Angefangen hat die Firmengeschichte im Jahr 1958, als ihr Schwiegervater Oskar Biffar „Pfalzladenbau“ übernahm. Der Betrieb fertigte damals Ladeneinrichtungen für den Einzelhandel, spezialisierte sich jedoch schnell auf das Geschäft mit Haus- und Wohnungseingangstüren. Um mehr produzieren zu können, wurde der Betrieb 1972 von der Innenstadt ins neu erschlossene Gewerbegebiet „In den Seewiesen“ verlegt. Diese Entscheidungen machten sich bezahlt.
Im Reich der Mitte Fuß gefasst
Biffar, wie das Unternehmen seit 1966 heißt, wurde bundesweit zur Marke. In Hamburg, München, Stuttgart und vielen weiteren Städten wurden Studios geöffnet, um die Produkte an die Haus- und Wohnungseigentümer zu bringen. Heute betreibt das Geschäft 21 Ausstellungsräume, zudem ist es in der Schweiz und in China vertreten. „Wir haben dort vier Studios, unter anderem in Peking und Shanghai, drei Neueröffnungen sind geplant“, verrät Biffar. Vor 13 Jahren habe der Türenhersteller im Reich der Mitte Fuß gefasst. „Wir haben angefangen, auf Export zu setzen, um die saisonal bedingte Kurve etwas ausgleichen.“
Damals, im Jahr 2006, stand der Betrieb ohnehin vor einem Neustart. Nach einem fünfmonatigen Insolvenzverfahren übernahm Brigitte Biffar das Ruder. Sie kaufte das Unternehmen, das zuvor von ihrem Mann geführt wurde, damit es in Familienbesitz bleibt. Wurden zu Spitzenzeiten 400 Mitarbeiter beschäftigt, waren es nach der Sanierung 162 Angestellte. Heute sind es 180 Beschäftigte, von denen 100 in der Produktion tätig sind. Aber das Geschäft läuft wieder auf Hochtouren. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 21,7 Millionen Euro erzielt.
Bis zu vier Meter hohe Türen gefragt
Räumlich hat sich das Unternehmen nicht vergrößert. Nach wie vor misst das Firmengrundstück rund 10.000 Quadratmeter, auf dem eine Produktionshalle und ein Verwaltungsgebäude stehen. Um das Geschäft anzukurbeln, wurden die Maschinen zuletzt modernisiert. 4,3 Millionen Euro seien dafür aufgewendet worden, sagt Biffar. Als die Firmenchefin die RHEINPFALZ durch die Produktionshalle führt, sticht vor allem eine knapp vier Meter hohe Kupfertür ins Auge. KJ, so der Name des Produkts, ist fertiggestellt worden, um nach China verfrachtet zu werden. „Dort sind hohe Kupfertüren gefragt“, sagt Biffar.
Die deutschen Kunden würden dagegen schlichte und zeitlose Türen, vor allem in Anthrazit, bevorzugen. „Besonders beliebt sind zudem Produkte mit einem hohen Anteil an Glasfläche“, berichtet Biffar. Bei allen Türen handele sich um hochwertige, individuelle Anfertigungen, die sich Kunden im Baukastensystem zusammenstellen können. Der Bauboom eröffnet dem Unternehmen neue Wege. „Wir arbeiten seit zwei Jahren mit Bauträgern zusammen, die ein Neubaugebiet oder Baulücken erschließen, die für ein Mehrfamilienhaus zwischen 20 und 40 Türen bestellen.“
Fachkräftemangel beschäftigt die Firma
Nicht nur Türen werden in der Produktionshalle hergestellt, sondern auch Vordächer, die allerdings nur einen geringen Teil des Jahresumsatzes ausmachten. Besonders gefragt seien die Aluminiumfenster, die vor sieben Jahren ins Sortiment aufgenommen wurden. „Viele Kunden wünschen sich das gleiche Design für Türen und Fenster“, berichtet Biffar, die beruflich viel im In- und Ausland unterwegs ist und in der Geschäftsführung deshalb seit April 2018 von Frank Rößger unterstützt wird.
Die größte Bestellung in der jüngeren Vergangenheit kam aus Stuttgart. Wie Biffar berichtet, mussten in drei Hochhäusern, die sich in der Nähe des Flughafens befinden, über 1200 Türen ausgetauscht werden – wegen Brandschutzauflagen. Ein wichtiger Aspekt für das Unternehmen neben der Digitalisierung. Deshalb hat es ein neues Produkt auf den Markt gebracht, das Bewohner eines Mehrparteienhauses 60 Minuten vor Flammen schützt, sollte keine schnelle Evakuierung möglich sein. „Es gibt zudem eine weitere Herausforderung, die schwieriger zu meistern sein wird“, sagt Biffar. Und zwar der Fachkräftemangel, der sich zunehmend bemerkbar mache.