Pfälzerwald
E-Mountainbiken im Pfälzerwald: Ein Selbsttest mit Nervenkitzel (mit Video)
Steile Abhänge im Pfälzerwald heruntersausen, über Wurzeln und Steine durch enge Kurven fahren. Was dem einen oder anderen vielleicht nicht geheuer sein mag, können passionierte E-Mountainbikefahrer dank der Trailacademy Mountainbikeschule lernen und vertiefen. Aufgrund des Ausfalls einer Kollegin bot sich auch mir diese Möglichkeit – eine Gelegenheit, der ich einfach nicht widerstehen konnte. Zumal ich zuvor noch nie auf einem Mountainbike saß. Als absoluter Anfänger ohne jegliche Erfahrungen wagte ich mich Ende März zum E-Mountainbike-Einsteigerkurs der Trailacademy im Pfälzerwald bei Annweiler – und ich bin schon jetzt ein großer Fan.
Start ins Pfälzerwald-Abenteuer
An einem Samstag um 10 Uhr ging es los. Gemeinsam mit vier weiteren Kursteilnehmern wurden wir von Maximilian Schmidt, dem Kursleiter und Inhaber der Trailacademy Mountainbikeschule, am Wanderparkplatz Ahlmühle bei Annweiler empfangen. Voller Vorfreude, aber auch ein bisschen nervös, stellte ich mich vor. Glücklicherweise stellte mir der erfahrene Mountainbiker sein E-Mountainbike zur Verfügung – und schon nach wenigen Minuten war ich mit Sattel, Bremsen, Akku und Lenker vertraut gemacht. Für mich als leidenschaftlichen Fußballer war das eine völlig neue, aufregende sportliche Erfahrung. „Beim Basic-Kurs gibt es immer die Herausforderung, das passende Maß zwischen Über- und Unterforderung zu finden“, sagt Schmidt. Es war der erste Kurs in diesem Jahr – die Trailacademy betreibt ein reines Saisongeschäft. Von März bis Oktober können sich Interessierte für verschiedene Kurse anmelden.
Um zu gewährleisten, dass alle Teilnehmer eine gewisse Fahrsicherheit haben, baute Schmidt zunächst auf dem Parkplatz einen Übungsparcours auf. In mehreren Durchgängen lernte ich zu bremsen, den Akku des E-Bikes richtig einzusetzen, Kurven zu fahren und die richtige Körperhaltung für steile Abhänge zu finden. Grundlagen, die für jemanden ohne Bikerfahrung teilweise gar nicht so einfach waren. Laut Schmitt war ich einer der wenigen reinen Anfänger. Normalerweise hätten alle Kursteilnehmer schon einmal auf einem Mountainbike gesessen – das Mitbringen eines eigenen Rades sei mittlerweile sogar Pflicht. „Früher haben wir Mieträder herausgegeben, mittlerweile braucht man schon sein eigenes Bike. Wir wollen wirklich interessierte Mountainbiker ansprechen.“
Die ersten Erfahrungen mit dem E-Mountainbike
Zwar wusste ich vor dem Kurs nicht, was mich erwartet, mein Interesse war aber sofort geweckt. Sachlich gesehen bräuchte man zwar nur ein Mountainbike und einen Helm – dennoch betont Maximilian Schmidt, dass mehr dazu gehört. „Grundlegend braucht es auch die Bereitschaft, zu wachsen und sich zu verbessern. Man braucht eine positive Einstellung, um etwas Neues zu lernen.“ Im Basic-Kurs der Trailacademy geht es darum, erste Schritte auf Trails zu machen und Handgriffe fachlich richtig auszuführen. Mit den neuen Kenntnissen ging es vom Wanderparkplatz in den Pfälzerwald – auf einem kleinen Hügel sollten wir erstmals das Hinunterfahren eines Hangs üben. Für erprobte Mountainbikefahrer wahrscheinlich ein leichtes Hindernis, für mich allerdings purer Nervenkitzel.
Nachdem auch das Bergabfahren bei mir mehr oder weniger funktionierte, wurde es ernst. Gemeinsam fuhren wir den Rehberg hoch, um die ersten „echten“ Trails hinunterzufahren. Dabei handelt es sich um offizielle Trails, die für Mountainbiker angelegt wurden. Zwar gebe es auch inoffizielle Trails – diese würden aber ohne Rücksicht auf Eigentumsverhältnisse errichtet und seien auch nicht immer ungefährlich. „Die fahren wir in den Kursen nicht“, sagt Schmitt. Auch wenn diese im Pfälzerwald häufig geduldet seien, um Touristen anzusprechen. „Da muss man schon professionell sein.“ Auch Wanderwege dürfe man befahren, wichtig sei lediglich eine funktionierende Klingel.
Schmidts Liebe für die Pfalz
Professionell bei der Sache ist Maximilian Schmidt schon sehr lange. Nach zehn Jahren im Bergischen Land zogen ihn Job und Liebe in die Südpfalz – mit seiner Familie lebt der 34-Jährige in Landau. Seit drei Jahren leitet er Mountainbike-Kurse im Pfälzerwald, mittlerweile rund um den Rehberg. Übrigens: Neben seiner Leidenschaft für das Mountainbike betreibt Schmidt einen Foodtruck – versorgt die Leute bei Veranstaltungen und Festen mit Currywurst. Die Pfalz und ihren Wald weiß der Unternehmer zu schätzen.
„Der Pfälzerwald bietet Trails mit perfekten Bedingungen zum Mountainbikefahren. Auch Anfänger finden hier einen leichten Einstieg“, sagt Schmidt. Für ihn sei das Mountainbike die schönste Art, die Umgebung und die Natur im Pfälzerwald zu erkunden. „Der Mix und die Diversität machen das Ganze aus – Mountainbikefahren ist überall auf der Welt anders.“ Er sieht es als großes Privileg an, an der frischen Luft arbeiten zu dürfen. Die Pfalz sei für ihn „ein besonders schönes Fleckchen“.
Das E-Mountainbiken hat einen neuen Fan
Diese Erfahrungen kann ich bestätigen. Als es an die Trails ging, wurde mir zunächst etwas mulmig. An mehreren Abhängen ging es steil und mit – für mich – hoher Geschwindigkeit bergab. Teilweise ließen kleine Sprünge über Wurzeln und Steine mein Herz bis zum Hals schlagen. Der Spaß und der Adrenalinkick während des Fahrens waren es allerdings auf jeden Fall wert. Zwischendurch übte Maximilian Schmidt auch das Kurvenfahren mit den Teilnehmern – über den ganzen Kurs hinweg begleitete er einzelne Fahrabschnitte mit eigenen Foto- und Videoanalysen, um die Fahrsicherheit und die Beherrschung des Mountainbikes der Teilnehmer während des Fahrens zu verbessern. Besonders für mich war das eine sehr hilfreiche Unterstützung. „Letztendlich ist es für mich wichtig, dass die Kursteilnehmer mit einem Lächeln hier herausgehen. Dann kommen viele auch wieder“, betont Schmidt.
Ich habe den Kurs definitiv mit einem Lächeln verlassen. Um 16 Uhr kamen wir wieder am Wanderparkplatz Ahlmühle an – zwischenzeitlich konnten wir uns bei einer Pause auf der Klettererhütte stärken. Erschöpft, aber auch dankbar für die sportliche Erfahrung, die ich machen durfte, ging es für mich nach Hause. Und das mit einer neuen Erkenntnis: Für mich war es bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf einem Mountainbike saß.
