Schweigen-Rechtenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Durchs Gartenjahr mit Martin Knies: Anbautipps fürs junge Gemüse

Die Jungpflanzen stehen noch im Gewächshaus. Hier zieht Martin Knies auch Raritäten wie Butterkohl und Inkawurzel an.
Die Jungpflanzen stehen noch im Gewächshaus. Hier zieht Martin Knies auch Raritäten wie Butterkohl und Inkawurzel an.

Frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten – viele träumen davon. Selbstversorgung ist zum Trend geworden, auch bei jungen Menschen. Martin Knies verbringt seine ganze Arbeits- und Freizeit im Grünen. Wir begleiten ihn durchs Gartenjahr. Für Hobbygärtner hält er einige Empfehlungen parat.

Im Garten von Martin Knies am Ortsrand von Schweigen, ganz nahe der französischen Grenze, ist es ruhig. Er wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, fern vom Weltgeschehen. „Für mich ist es wie Urlaub“, sagt der 55-Jährige. Der gelernte Forstwirt arbeitet seit 26 Jahren in der Stadtgärtnerei in Bad Bergzabern. Morgens ist der erste Gang in seinen Garten und nach Feierabend arbeitet er meist, bis es dunkel wird. Zehn Monate im Jahr. Wobei die Arbeit im heimischen Garten für ihn keine Arbeit ist. „Im Dezember und Januar mache ich nichts“, sagt Martin Knies. Den ehemaligen Bauernhof, in dem er mit Ehefrau Petra, seiner Assistentin im Garten, und Sohn Paul wohnt, hat seine Urgroßmutter gekauft. Im direkt angrenzenden Wohnhaus lebt sein Vater Jakob, der wohl mit für die Leidenschaft seines Sohnes zum Gärtnern gesorgt hat.

„Ich war von Kindesbeinen mit im Garten und habe immer mitgeholfen“, erzählt Martin Knies. Die Leidenschaft für das Gärtnern hat er nie verloren und mittlerweile ein ganz eigenes System entwickelt. Dazu gehören auch Hühner und Hasen, für die er einen großen Freilauf gebaut hat. Eine besondere Schönheit ist der einzig männliche Hase. Es ist ein Deutscher Riese mit unglaublich langen Ohren, der im grünen Gras hoppelt. Die Hühner sorgen für Eier, die Hasen für Fleisch auf dem Tisch, Schlachten gehört für Martin Knies dazu. Zudem produzieren die Kleintiere reichlich Mist, der nach der Kompostierung dem Garten zugute kommt. Den düngt er ausschließlich mit Kompost. Gärtnern empfiehlt er, pro Jahr und Quadratmeter drei Liter Kompost auszubringen. Das reiche, sagt er.

Teufelsohrensalat und Haferwurzeln

Auf seiner Gartenfläche von 800 Quadratmetern treffen sich Ende April noch Winter und Frühling. Neben den winzigen Pastinakenpflanzen und Karotten, die direkt ins Freiland gesät wurden, und den in Blüte stehenden Erdbeerpflanzen wachsen hohe Salatblätter. „Das ist Radicchio, den kann man jetzt nicht mehr essen. Ich warte, bis er Samen bildet“, erklärt Martin Knies. Ohne sein Zutun ist auch Salat im Freiland gewachsen aus den Samen vom vergangenen Jahr. Den Teufelsohrensalat kann man bereits essen, seinen Namen hat der knackige Bursche von seinen spitzen dunkelgrün-roten Blättern. Auch Schwarzwurzeln stehen noch im Freiland. „Die gab es heute zum Essen“, erzählt Martin Knies und zeigt seine Haferwurzeln. „Das sind die Vorgänger der Schwarzwurzeln. Sie schmecken ähnlich. Man muss sie nur bürsten, das ist einfacher, als Schwarzwurzeln zu putzen“, erklärt er.

Auf Samen wartet der Gärtner auch beim Feldsalat, der derzeit im stabil-gemauerten Hochbeet neben den frisch gesetzten Frühkartoffeln der Sorte „Christa“ blüht. Die Gewinnung von eigenem Saatgut gehört für Martin Knies dazu. „Wenn ich überhaupt noch Saatgut kaufe, dann nur welches, das ich selbst vermehren kann“, sagt er. Wozu er auch anderen Gärtnern rät. Nach Jahren der eigenen Saatgutvermehrung müsse er jetzt kaum noch welches zukaufen. Im Gegenteil, er kann sogar abgeben.

Paprika braucht am längsten zum Keimen

Jetzt geht es im Garten mit dem Aussetzen der vorgezogenen Pflanzen ins Freiland los. Heute ist der Pflücksalat dran, der schnell wächst und von dem man immer wieder die Blätter ernten kann. Die wahren Schätze wachsen noch im Treibhaus gleich neben dem Garten. „Im Februar sähe ich Paprika zuerst aus, der braucht am längsten zum Keimen“, erklärt der Gärtner. Rettich und Radieschen wachsen auf dem Boden des Gewächshauses und kommen bereits auf den Tisch des Hauses. Neun Sorten Tomaten müssen noch warten, bis sie ins Freiland kommen.

Ansonsten findet sich alles im Gewächshaus, was es an Gemüsesorten gibt. Darunter viele Raritäten wie Butterkohl. „Er hält bis zu 15 Grad Minus aus, man kann die Blätter roh oder gedünstet essen, auch im Winter“, schildert Knies die Vorteile des Gemüses. Die Inkawurzeln, die in einem großen Kübel im Gewächshaus bereits treiben, kommen ebenfalls ins Freie. In der Gartenerde bilden sie große schwarze Knollen aus, die ungeschält und dünn geschnitten auf Butterbrot oder im Salat ihren Geschmack, der ein bisschen an Birnen erinnert, entfalten.

Quickpod-Platten erleichtern Anzucht

Die Pflanzen zieht Martin Knies zunächst in Einzelaussaat vor, in sogenannten Quickpod-Platten, die er auch Gartenanfängern empfiehlt. „Eine Platte mit 100 Pflanzlöchern reicht für einen kleinen Garten, da kann man viele verschiedene Pflanzen auf einmal vorziehen“, sagt er. Und wenn sie umgetopft werden müssen, um kräftig genug für den Garten zu werden, können sie mit der Aushebeplatte schonend herausgehoben werden, ohne sie zu beschädigen. „Es ist einfach, effektiv und man kann sie blitzschnell gießen“, schwärmt Martin Knies und führt die Umtopfung gleich vor. Keine fünf Minuten und 20 Pflanzen sind in den eigenen feinen Kompost umgetopft. Auch der rumänische gelbe Paprika, den er eigens für Papa Jakob in diesem Jahr anpflanzen will.

Aber jetzt muss erstmal der Gartenboden für die vielen Pflanzen aus dem Gewächshaus vorbereitet werden. Das ist im Garten von Familie Knies nicht wirklich kompliziert und geht schnell. Es wächst hauptsächlich Vogelmiere, auch Hühnerdarm genannt. Den bekommen folgerichtig die Hühner. Mit Kompost die Beete zu düngen braucht Martin Knies nicht, denn er setzt jedes Jahr einen großen Komposthügel in der Breite des Gartens mit dem Mist der Kleintiere und Gartenabfällen auf. Jedes Jahr an einer anderen Stelle im Garten. Die dann nachhaltig gedüngt wird. „Ich brauche dann an dieser Stelle Jahre lang nicht mehr zu düngen“, ist seine Erfahrung.

Austausch mit anderen Gärtnern wichtig

Zu einem Garten gehören für ihn auch Beeren und Früchte. Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren und viele Obstsorten. Und die gibt es reichlich, denn Martin Knies kümmert sich auch um 200 Obstbäume mit allen Früchten, die das Herz begehrt. Das zweite Gartengrundstück befindet sich wenige Meter vom Haus entfernt. Hier hat er bereits auf einer größeren Fläche Pferdemist vom Nachbarn ausgebracht, und zwar für den Anbau von Kürbissen.

Bei ihm wirkt die Arbeit leicht und wie nebenbei, denn er kennt seit Jahrzehnten die Abläufe. Anfängern rät er ganz dringend, sich nicht zu viel vorzunehmen. Erst mal klein anzufangen mit ein paar Quadratmetern Land. Und mit einfachen Kulturen wie Radieschen, Spinat, Salat, Mangold. Wenn jemand aus dem Umfeld Mist abzugeben habe, sollte man den gerne für den Garten annehmen. Und Neulinge sollten einfach viel mit anderen Gärtnern reden. Der Erfahrungsaustausch ist auch für Martin Knies heute noch wichtig. Er besucht immer wieder Seminare oder Vorträge rund um den Garten. Auch beim Verein „Freie Saaten“ in Viernheim, in dem er Mitglied ist. Es ist ein Gartenbauverein für biologisches Gärtnern, der sich zum Ziel gesetzt hat, alte und verloren gegangene Sorten von Nutz- und Kulturpflanzen zu erhalten und zu verbreiten.

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